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BÜRGLEN: Bürgler zweifeln die Churer Version an

Der Kirchenrat kritisiert das «Fact sheet» aus Chur. Das Bistum wolle damit wohl sein in der Öffentlichkeit ramponiertes Image wieder herrichten.
Die Ansicht von Pfarrer Wendelin Bucheli (im Bild) geht in die entgegengesetzte Richtung als diejenige von Bischof Vitus Huonder. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Die Ansicht von Pfarrer Wendelin Bucheli (im Bild) geht in die entgegengesetzte Richtung als diejenige von Bischof Vitus Huonder. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Bruno Arnold

Am vergangenen Donnerstag hat der Sprecher des Bistums Chur, Giuseppe Gracia, mehreren Medien das «Fact sheet betreffend Pfarrer Wendelin Bucheli» zukommen lassen. Darin listet er die wichtigsten Vorgänge chronologisch auf aus Sicht des Bistums Chur (siehe unsere Zeitung von gestern). Unter anderem erwähnt Gracia im «Faktenblatt», Pfarrer Bucheli habe am 2. Februar Bischof Vitus Huonder gegenüber in einem Gespräch unter vier Augen erklärt, er sehe ein, dass er «den Bischof in eine schwierige Lage gebracht habe und nicht in Bürglen bleiben könne». Diese Verlautbarung aus Chur sorgte – nicht zuletzt in Bürglen – für einigen Aufruhr, zumal Pfarrer Bucheli noch vor Wochenfrist öffentlich hatte verlauten lassen, dass er dem Wunsch von Bischof Huonder, die Demission einzureichen, nicht nachkommen werde (siehe auch Box).

Mit Brief nicht einverstanden

«Der Kirchenrat von Bürglen hat keinen Grund anzunehmen, dass Wendelin Bucheli beim Bischof um seine Versetzung gebeten haben soll», heisst es in einer gestern veröffentlichten Medienmitteilung des Kirchenrats. Der Text im «Fact sheet» decke sich zwar mit dem Inhalt des Briefs, den Bischof Vitus Huonder am 4. Februar an Wendelin Bucheli geschrieben habe. Darin hatte der Bischof den Gesprächsverlauf zwischen dem Pfarrer und dem Bischof wiedergegeben aus seiner persönlichen Optik. «Wendelin Bucheli hat dieses Schreiben und die darin enthaltenen Aussagen aber nach Erhalt umgehend zurückgewiesen, und zwar am 7. Februar mündlich, am 10. Februar auch noch schriftlich», betont Peter Vorwerk, Vizepräsident des Kirchenrats Bürglen und Medienverantwortlicher im Fall Bucheli. Vorwerk kennt auch den Grund für diese Rückweisung: «Der Inhalt des bischöflichen Briefs entsprach nach Meinung unseres Pfarrers nicht den Aussagen, die er selber im Gespräch mit dem Bischof gemacht hatte.» Bucheli habe den Bischof deshalb auch um ein weiteres Gespräch ersucht. «Einen Terminvorschlag für ein solches Gespräch hat er aber bisher nicht erhalten», bedauert Vorwerk.

Bistum will vollendete Tatsachen

Am 8. Februar machte die «NZZ am Sonntag» öffentlich, dass Bischof Huonder den Bürgler Pfarrer aufgefordert hat, die Demission einzureichen. Mit der Segnung eines gleichgeschlechtlichen Paares habe er gegen die Lehre der Kirche verstossen. Eine weitere Tätigkeit Buchelis als Pfarrer in Bürglen sei deshalb nicht mehr verantwortbar. «Die Informationen, die mit dem ‹Fact sheet› gezielt an die Medien gestreut worden sind, erinnern aus Sicht des Kirchenrats stark an diejenigen in der NZZ vom 8. Februar», erklärt Vorwerk. «Auch dort hat das Bistum versucht, vollendete Tatsachen zu schaffen.» Für den Kirchenrat Bürglen sei der Verdacht nicht von der Hand zu weisen, dass es sich beim «Fact sheet» aus Chur «um eine kommunikative Offensive» handle, «um das angeschlagene öffentliche Image des Bistums Chur wieder herzurichten».

Bucheli als Lügner hingestellt

«Dass das Bistum Chur nun Wendelin Buchelis Ansehen öffentlich in Frage stellt und ihn indirekt gar als Lügner hinstellt, befremdet und ist eines bischöflichen Ordinariats nicht würdig», heisst es in der Medienmitteilung weiter. Der Kirchenrat Bürglen habe zudem Mühe damit, dass das Bistum Chur nun Wendelin Bucheli aus dessen Erkrankung einen Vorwurf mache. Anfang November hatte der Bürgler Pfarrer einen Streifschlag erlitten, sodass er das Gespräch mit dem Bischof mehrmals verschieben musste.

All dies dürfe aber weiterhin nicht davon ablenken, dass der Wunsch von Bischof Huonder, Wendelin Bucheli als Pfarrer von Bürglen abzuberufen, aus Sicht des Kirchenrats unangemessen hart sei. Der Kirchenrat stehe weiterhin vorbehaltlos hinter dem Pfarrer und hoffe umso mehr, dass demnächst ein klärendes Gespräch mit Bischof Huonder stattfinden könne. Bis anhin sei auf die Anfrage des Kirchenrats beim Bischof aber noch kein Terminvorschlag eingetroffen. «Wir setzen unbedingt auf das Gespräch, in dem es am Schluss nur Gewinner gibt. Diese Art, mit dem Konflikt umzugehen, scheint uns im Übrigen die einzig christliche.»

«Das Bistum Chur kommentiert keine Aussagen des Kirchenrats von Bürglen», liess Giuseppe Gracia gestern in einer Mitteilung verlauten. «Ausschlaggebend sind für uns allein direkte Aussagen von Pfarrer Bucheli.»

Bürgler erhalten Unterstützung

Unterstützung erhalten Pfarrer Buche­li und die Kirchgemeinde Bürglen derweil vom Vorstand der Pfarrei-Initiative. Diese ist 2012 unter anderem gegründet worden, um Seelsorger zu unterstützen, die wegen ihres Engagements Gefahr laufen, auf Druck von Kirchenoberen ihre Stelle zu verlieren. «Wir wehren uns gegen die autoritäre und hartherzige Art und Weise, wie vom Ordinariat in Chur ein Seelsorger und die Gemeinde mit harten Sanktionen abgestraft werden, ohne dass mit ihnen ein einvernehmliches Gespräch gesucht wird», schreibt die Pfarrei-Initiative. «Solche Massnahmen sind einer Kirche unwürdig, die der Sorge und dem Wohl der Menschen verpflichtet ist. Dazu gehören auch homosexuelle Menschen, die ihren Lebensweg gemeinsam gehen möchten.» Die Pfarrei-Initiative ermutigt die Bürgler, «den Weg des Widerstands gegen diskriminierende Massnahmen nicht aufzugeben».

Die Ansicht von Bischof Vitus Huonder geht in die entgegengesetzte Richtung als diejenige von Pfarrer Wendelin Bucheli. (Bild: Keystone / Arno Balzarini)

Die Ansicht von Bischof Vitus Huonder geht in die entgegengesetzte Richtung als diejenige von Pfarrer Wendelin Bucheli. (Bild: Keystone / Arno Balzarini)

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