BÜRGLEN: Das neue Seilfahrgerät bewährt sich

Unterhalb der Bergstation der Luftseilbahn Biel–Kinzig fand eine Rettungsübung des Verbands Urner Seilbahnen und Skilifte statt. Rund 30 Personen beteiligten sich an der Rettung aus der blockierten Seilbahn.

Georg Epp
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Die Rettungsspezialisten in luftiger Höhe am blockierten «Biel-Bähnli». Bild: Peter Stadler (Bürglen, 12. November 2016)

Die Rettungsspezialisten in luftiger Höhe am blockierten «Biel-Bähnli». Bild: Peter Stadler (Bürglen, 12. November 2016)

Das Horrorszenario, dass eine Seilbahn stillsteht und aus verschiedenen Gründen auch nicht mit dem Notantrieb zurückgefahren werden kann, ist sehr selten. Es kann aber theoretisch jeden Seilbahnbetrieb treffen. Wenn dann wegen Wind oder Nebel auch keine Helikopterrettung möglich ist, dann wird es für die Seilbahnbenützer sehr ungemütlich.

Alle Urner Seilbahnen müssen den Nachweis erbringen, über das notwendige Material und geeignete Retter für einen Notfall zu verfügen. Der Verband der Urner Seilbahnen und Skilifte gewährleistet mittels eines Zusammenarbeitsvertrags mit der Alpinen Rettung Schweiz (ARS) und den Rettungsspezialisten Helikopter (RSH) des SAC Gotthard die Rettung bei allen Luftseilbahnen und Sesselbahnen. All diese Rettungsspezialisten sind in der Haupttätigkeit Bergführer und verfügen über das notwendige Know-how.

Direktes Abseilen aus der Bahn nicht möglich

Nebst einer jährlichen Rettungswoche im Frühling findet im Herbst nach Möglichkeit zudem eine Rettungsübung auf einer der Bahnen statt. Diesmal war die Reihe an der oberen Sektion der Luftseilbahn Brügg–Riedlig–Biel. Für die Rettungsübung wurde die Bahn mit acht Figuranten rund 200 Meter unterhalb der Bergstation Biel auf rund 1500 Meter über Meer in der Nähe des Mastens «Chlausmatt» angehalten. Wegen des unwegsamen Geländes war ein direktes Abseilen aus der Kabine nicht möglich, sodass nur die aufwendigste und anspruchsvollste Rettung mittels Seilfahrgeräten zum Zuge kam. Allein das viele benötigte Material liess erahnen, dass eine solche Rettung nicht ganz einfach ist.

Um zirka 9 Uhr standen 17 Mitglieder der Rettungsstation Bristen, Erstfeld, Isenthal und Unterschächen bereit. Iwan Infanger und Walti Gehrig, Rettungsspezialisten Helikopter (RSH) des SAC Gotthard, schilderten ihnen die Ausgangslage der Rettungsübung. Als geladene Gäste verfolgten Alex De Gasparo vom Bundesamt für Verkehr, alt Nationalrat Franz Steinegger, aber auch Bruno Imhof, der Präsident des Verbandes Urner Seilbahnen und Skilifte, sowie Geschäftsführer und Seilbahnkontrolleur Anton Arnold die interessante Übung. In zwei Gruppen galt es, die neu zertifizierten und in Zusammenarbeit mit der Firma Schilter, Seilbahn- und Metallbau GmbH Erstfeld, gefertigten Seilfahrgeräte auszutesten. Iwan Infanger zeigte sich stolz, dass wichtige Erfahrungswerte in die Herstellung der Geräte hatten eingebracht werden können.

Schnee und Nebel sorgen für spezielle Verhältnisse

Der Umstand, dass im betroffenen Gebiet rund 50 Zentimeter Neuschnee lagen und zeitweise dicke Nebelschwaden die Sicht einschränkten, machte die Übung speziell und realistisch. Das Bergungskonzept, das jede Personenseilbahn zur Verfügung haben muss, half den Rettern, richtige und wichtige Entscheide zu treffen. Eine solche Rettung kann durchaus mehrere Stunden dauern. Rettungskräfte und Material müssen mit allen möglichen Mitteln wie Nachbarseilbahnen, Schneetöff, Pistenfahrzeug et cetera möglichst schnell zur betroffenen Bahn gebracht werden. Die Kommunikation und das Beruhigen der Eingeschlossenen seien in dieser Phase sehr wichtig, um Panik zu verhindern. In rund vier Stunden waren alle Kabineninsassen in Sicherheit und das Rettungsmaterial wieder abgebaut.

Am Schluss der arbeitsintensiven Rettungsübung gab es nur zufriedene Gesichter. In einer Umfrage wurden die Erfahrungen ausgetauscht. Viel Lob ernteten die zwei neuen Seilfahrgeräte, die zur vollen Zufriedenheit funktionierten. Das Zusammenspiel der Rettungskräfte klappte gut. «Es wurde ruhig, zielorientiert und sicher gearbeitet», meinte Iwan Infanger. Allgemein registrierten die Rettungskräfte, dass es sehr viel Zeit benötigt, bis die Seilfahrgeräte benutzt werden können.

Im Namen des Verbandes Urner Seilbahnen und Skilifte bedankte sich Bruno Imhof bei allen Beteiligten. Für die Bahnen und Skilifte sei es sehr wichtig, auf ein gut eingespieltes Rettungsteam zählen zu können. Alle hoffen natürlich, dass man die Retter möglichst nie in Anspruch nehmen muss. Franz Steinegger, ehemaliger Stiftungsrat der Rega und der Alpinen Rettung Schweiz, lobte in erster Linie die gute und wichtige Zusammenarbeit der Rettungsstationen.

Georg Epp

Die Übungsteilnehmer probten die aufwendige und zeitintensive Rettung mit Seilfahrgeräten.Bilder: Georg Epp (Bürglen, 12. November 2016)

Die Übungsteilnehmer probten die aufwendige und zeitintensive Rettung mit Seilfahrgeräten.Bilder: Georg Epp (Bürglen, 12. November 2016)

Von links: Alex De Gasparo vom Bundesamt für Verkehr, Iwan Infanger und Bruno Imhof inspizieren das Fahrwerk des neuen Seilfahrgeräts.

Von links: Alex De Gasparo vom Bundesamt für Verkehr, Iwan Infanger und Bruno Imhof inspizieren das Fahrwerk des neuen Seilfahrgeräts.