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BÜRGLEN: Der Bär hält Urner Wildhüter auf Trab

Die Rückkehr des Bären in den Kanton Uri hat vergangenes Jahr mächtig für Aufsehen gesorgt. An einer Infoveranstaltung ist nun aufgezeigt worden, dass Meister Petz auch die zuständigen Wildhüter mehrmals ziemlich verblüfft hat.
Der Urner Jagdverwalter Josef Walker orientierte über das Konzept Bär Schweiz. (Bild: Urs Hanhart (6. April 2017))

Der Urner Jagdverwalter Josef Walker orientierte über das Konzept Bär Schweiz. (Bild: Urs Hanhart (6. April 2017))

«Der Bär hat uns wieder überrascht, genauso wie letztes Jahr, als er bei uns gleich mehrfach für Überraschungen sorgte», mit diesen Worten eröffnete der Urner Jagdverwalter Josef Walker eine Infoveranstaltung, die am Donnerstag viel Publikum in die Aula Bürglen lockte. Im Saal blieben nur wenige Stühle unbesetzt. Der ursprünglich vorgesehene Titel «Der Bär im Kanton Uri 2016» musste kurzfristig mit der Jahreszahl 2017 ergänzt werden. Seit rund zwei Wochen ist nämlich klar, dass Meister Petz nach seiner Winterruhe noch immer im Urnerland herumstreift. Wo genau das Tier seinen mehrmonatigen Winterschlaf gehalten hat, ist laut der Jagdverwaltung nicht bekannt.

Im Zentrum der Veranstaltung stand ein Vortrag der beiden Wildhüter Fredy Arnold und Urs Herger, in deren Zuständigkeitsgebiet sich der Bär aufgehalten hat und wahrscheinlich noch immer aufhält. Der Perimeter ­erstreckt sich vom Gebiet Rophaien bis zum Maderanertal. Die Referenten listeten alle Spuren und Beobachtungen, die der Jagdverwaltung gemeldet wurden, auf und erzählten dazu die eine oder andere Anekdote. Zumeist handelte es sich um Tatzenabdrücke im Schnee oder im Erdreich.

Bär in steilem Gelände unterwegs

Etliche Personen bekamen den Bären sogar zu Gesicht, wenn auch aus relativ weiter Entfernung. Die Wildhüter rückten immer wieder aus, um die gemeldeten Spuren in Augenschein zu nehmen. Meistens bestätigte sich die Vermutung, dass die Spuren tatsächlich vom Bär stammten. «Während der Jagdzeit hatten wir mit vielen Meldungen gerechnet. Aber das pure Gegenteil war der Fall. Es ist gar nichts über den Bären reingekommen. Das hat uns sehr überrascht», sagte Urs Herger, der noch anfügte: «Verblüfft hat uns die enorme Berggängigkeit dieses doch recht schweren Tiers. Zum Teil haben wir in extrem steilem Gelände, wo sich sonst nur Gämsen bewegen, Fussspuren gefunden. Überhaupt scheint es für den Bären kaum Hindernisse zu geben. Grosse umgefallene Bäume überwindet er offensichtlich mit Leichtigkeit.»

In seinem Schlusswort sagte Fredy Arnold: «Der erste Bär seit rund 190 Jahren hat im Kanton Uri für einen riesigen Wirbel gesorgt. Das Interesse von Seiten der Bevölkerung und Medien ist gewaltig. Wir haben unzählige Anfragen erhalten. Für uns war dies eine sehr intensive Zeit.»

Der Bär erwischte die Urner Verantwortlichen der Jagdverwaltung auf dem falschen Fuss. Keiner hatte damit gerechnet, dass sie schon so früh mit diesem Thema konfrontiert werden. «Wir mussten uns einarbeiten und viel dazulernen. Zum Glück konnten wir von den Erfahrungen der Bündner Kollegen profitieren», so Arnold, der noch ergänzte: «Der Bär geniesst eine deutlich bessere Akzeptanz als der Wolf, was sicherlich mit der Tatsache zusammenhängt, dass er bisher nicht negativ in Erscheinung getreten ist.» Der Vierbeiner verhielt sich bisher sehr unauffällig. Er mied Siedlungen und Menschen.

Nicht wegrennen, sondern Ruhe bewahren

Das erklärte Ziel der Infoveranstaltung bestand darin, die Bevölkerung zu sensibilisieren und Transparenz zu schaffen. Jagdverwalter Josef Walker stellte dazu das Konzept Bär Schweiz vor. Er betonte: «Die Sicherheit der Menschen hat immer oberste Priorität. Das Konzept geht aber grundsätzlich davon aus, dass ein Zusammenleben von Mensch und Bär unter bestimmten Voraussetzungen auch in der Schweiz möglich ist.»

Problembären, die wenig menschenscheu sind, müssten mit einem Sender versehen und vergrämt werden, beispielsweise mit dem Einsatz von Gummischrot oder Knallpetarden. «Risikobären, bei denen solche Massnahmen nichts bewirken, werden gemäss Konzept erlegt», sagte Walker. Zum richtigen Verhalten gegenüber einem Bären erklärte er: «Wegrennen bringt nichts. Man sollte möglichst Ruhe bewahren und mit Reden auf sich aufmerksam machen. Dann zieht sich der Bär in der Regel zurück. Füttern ist ein absolutes No-Go.» Die Wahrscheinlichkeit, auf einen Bären zu treffen, sei allerdings sehr gering. Im Normalfall würden die Tiere den Menschen ausweichen. Walker hält übrigens absolut nichts von einer touristischen Vermarktung des «Urner Bären». Das wäre in seinen Augen verantwortungslos.

Nach den Referaten erhielten die Anwesenden Gelegenheit, den Experten Fragen zu stellen, wovon allerdings kaum jemand Gebrauch machte. Eine Diskussion pro und kontra Bär blieb aus.

Urs Hanhart

urs.hanhart@urnerzeitung.ch

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