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BÜRGLEN: «Der Bischof hat überreagiert»

Die mögliche Versetzung von Pfarrer Bucheli hat grosse Wellen geworfen. Er darf auf viel Unterstützung zählen, auch wenn es kritische Stimmen gibt.
Die Versetzung von Pfarrer Wendelin Bucheli rückt Bürglen in den Fokus der Medien. Gemeindepräsident Markus Frösch im Interview mit dem Schweizer Fernsehen. (Bild: Anian Heierli)

Die Versetzung von Pfarrer Wendelin Bucheli rückt Bürglen in den Fokus der Medien. Gemeindepräsident Markus Frösch im Interview mit dem Schweizer Fernsehen. (Bild: Anian Heierli)

Florian Arnold Und Anian Heierli

«Die spinnen, die Römer.» «Unsere Kirche lebt noch im Mittelalter und nicht im 2015 – leider.» Seit bekannt ist, dass das Bistum Chur den Rücktritt von Wendelin Bucheli als Pfarrer von Bürglen fordert, ist auf den Onlineportalen ein regelrechter Shitstorm gegen den gestrengen Bischof ausgebrochen. Pfarrer Bucheli hatte vergangenes Jahr einem gleichgeschlechtlichen Paar den Segen gespendet, was Bischof Vitus Huonder nicht tolerieren will.

Doch der Pfarrer scheint einen grossen Teil des Volks hinter sich zu haben. Eine Onlinepetition, mit der erreicht werden soll, dass Bucheli in Bürglen bleiben darf, wurde bis gestern Abend weit über 1500 Mal per Klick unterzeichnet. «Es ist ein Armutszeugnis, von Nächstenliebe zu sprechen und Menschen nicht segnen zu wollen, die Gottes Kinder sind wie alle», so der Kommentar eines Lesers unserer Zeitung.

«Eine Provokation»

Auf der Strasse fallen die Voten jedoch auch zu Gunsten des Bischofs aus, wie eine Umfrage unserer Zeitung zeigt. «Ich empfinde die Segnung als Provokation», sagt ein Passant, der nicht namentlich genannt werden will. «Ich verstehe nicht, weshalb ein gleichgeschlechtliches Paar den Segen bei einem katholischen Pfarrer empfängt, obwohl bekannt ist, dass die katholische Kirche eine andere Direktive vorgibt.» Pfarrer Bucheli müsse nun die Konsequenzen ziehen. «In der Privatwirtschaft führt es auch zu Sanktionen, wenn man die Vorgaben des Chefs willentlich bricht», so die Überzeugung des Passanten.

Der Bürgler Tino Planzer stellt sich hinter den Pfarrer. Er fragt sich, ob Papst Franziskus von den Machenschaften im Bistum Chur Kenntnis habe. Planzer glaubt: «Der Churer Bischof hat überreagiert.» Bucheli sei ein Pfarrer, der den christlichen Glauben lebe. Mit seiner guten feinen Art habe er viel neues Publikum in die Kirche geholt. «Ob Pfarrer Bucheli gehen oder in Bürglen bleiben will oder darf, ist leider Gottes nicht (allein) seine Entscheidung», hält Planzer fest. Nun müssten respektive sollten nach seiner Ansicht das Dekanat und die Katholische Landeskirche Uri reagieren und die Diskussion mit dem Bistum Chur suchen.

Kirchgemeinden sind autonom

Doch seitens der Landeskirche soll vorderhand nichts passieren. «Die Landeskirche Uri äussert sich grundsätzlich nicht zu personellen Entscheiden der Bistumsleitung», sagt Stefan Fryberg, Präsident des Kleinen Landeskirchenrats. «Sie mischt sich auch nicht mit einem Statement in die in Uri sehr hoch gehaltene Autonomie der Kirchgemeinden ein.»

Trotzdem gibt Fryberg seine ganz persönliche Meinung ab: «Ich will nicht verhehlen, dass ich als Mitglied der katholischen Kirche sehr enttäuscht bin über den Beschluss des Churer Bischofs. Nicht nur, weil damit Bürglen einen ausgezeichneten und allseits beliebten Seelsorger verliert. Unverständlich ist für mich auch, wie die Bistumsleitung vorgegangen ist. In einer regelrechten Nacht-und-Nebel-Aktion, ohne zuvor den Kirchenrat und das Generalvikariat oder das Dekanat angehört zu haben.» Dieses Vorgehen sei für ihn unakzeptabel. «Kein Wunder, kehren immer mehr Leute der katholischen Kirche den ­Rücken.»

Auch der Bürgler Gemeindepräsident Markus Frösch hält zum Dorfpfarrer. «Ich bin traurig darüber, dass eine Handlung, die aus Nächstenliebe geschieht, solche Konsequenzen nach sich zieht», sagt Frösch. Auch wenn es nach Kirchenrecht falsch sei, eine gleichgeschlechtliche Verbindung zu segnen, so finde er die Versetzung falsch. «Für mich ist Pfarrer Bucheli ein Vorbild, wenn es um christliche Nächstenliebe geht. Er ist ein Mann, bei dem der Glauben spürbar ist», so Frösch. Als Gemeindepräsident habe er aber keinen Einfluss auf kirchliche Entscheide.

Besonders bedauerlich wäre eine Versetzung Buchelis für die Jungmannschaft Bürglen, welcher der Pfarrer als Präses angehört. Präsident Bernhard Kempf hat Bucheli als sehr menschlich und umgänglich in Erinnerung. «Aus unserer Sicht hat er nichts Falsches gemacht», so Kempf.

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