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BÜRGLEN: Der Konkurs ist verhindert worden

Die Aktionäre der massiv überschuldeten Biel-Kinzig AG haben ein Sanierungskonzept gutgeheissen. Unter anderem sollen Kanton, Urner Kantonalbank und Gemeinde als grösste Kapitalgeber auf Forderungen verzichten.
Urs Hanhart
Die Seilbahn von Bürglen auf das Biel kämpft mit Finanzproblemen und hat zudem Investitionsbedarf. Bild: Urs Hanhart (Bürglen, 11. November 2016)

Die Seilbahn von Bürglen auf das Biel kämpft mit Finanzproblemen und hat zudem Investitionsbedarf. Bild: Urs Hanhart (Bürglen, 11. November 2016)

Der Grossaufmarsch der Aktionäre liess erahnen, dass es sich nicht um eine normale Versammlung handelte: 69 Stimmberechtigte wohnten am Freitag der 42. ordentlichen GV der Biel-Kinzig AG Sportbahnen Bürglen bei. Der Grund: Es ging um nichts Geringeres als um den Weiterbestand der Gesellschaft.

Zur Ausgangslage: Die letzten, wetterbedingt schlechten Geschäftsjahre haben das Eigenkapital der Biel-Kinzig AG massiv reduziert und die Liquidität stark beeinträchtigt. Da über mehrere Jahre nicht mehr genügend Cashflow erwirtschaftet werden konnte, mussten auf den Anlagen Sonderabschreibungen in der Höhe von rund 1,1 Millionen Franken vorgenommen werden. Aufgrund dieser Abschreibungen ist die Biel-Kinzig AG massiv überschuldet, und zwar mit insgesamt rund 1,8 Millionen Franken.

Gemeinde will Schulden erlassen

Um die Gesellschaft zu sanieren, hat der Verwaltungsrat ein Konzept erarbeitet. Darin enthalten sind im Wesentlichen Forderungsverzichte der grössten Kapitalgeber (Kanton, Gemeinde und Urner Kantonalbank) sowie eine Herabsetzung und Wiederaufstockung des Aktienkapitals. Den Versammlungsteilnehmern blieb quasi nichts anderes übrig, als dem vorgelegten Sanierungskonzept zuzustimmen – wenn auch zum Teil zähneknirschend. Das taten sie nahezu einstimmig, aber erst nach langen Diskussionen. Es gab nur eine Gegenstimme eines Anwohners. Im Falle einer Ablehnung des Konzepts hätte umgehend der zuständige Richter benachrichtigt werden müssen, womit der Konkurs der AG besiegelt gewesen wäre.

Bestehende Aktien werden wertlos

Vor der Abstimmung stellte Vizepräsident Bruno Betschart das Sanierungskonzept sehr detailliert vor. Er betonte: «Es besteht kein Plan B, und es gibt auch keine andere Möglichkeit, die Bilanz wieder auf gesunde Beine zu stellen.» Das Konzept sieht vor, dass das gesamte Aktienkapital von 1,025 Millionen Franken vernichtet wird. Die Aktien werden somit wertlos. Zudem verzichten die drei grossen Kapitalgeber auf ihre Darlehen. Laut Betschart liegen vom Kanton und von der UKB, die zusammen Forderungen von mehreren hunderttausend Franken haben, schriftliche Zusagen vor, allerdings verbunden mit gewissen Auflagen. Zudem beantragt der Gemeinderat Bürglen, an der Offenen Dorfgemeinde vom 24. November das 2014 gewährte zinslose Darlehen von 110 000 Franken abzuschreiben.

«Die Kapitalgeber legen uns im Moment keine grossen Steine in den Weg», betonte Beschart. «Sie helfen uns.» Nun müssen allerdings neue Aktien gezeichnet werden, da eine AG nur weiterbestehen kann, wenn sie über ein Aktienkapital verfügt. Der Verwaltungsrat hofft, dass er genügend neue Aktionäre findet, die Geld investieren. «Unser Ziel ist es, ein Aktienkapital von 500 000 bis 600 000 Franken zusammenzubringen. Das erste wichtige Zeichen muss jetzt von den Anwohnern, den Gastwirten und auch von den Ferienhausbesitzern kommen.»

Definitive Entscheide erst im Herbst 2017

Der zeitliche Rahmen der Sanierung sieht vor, dass der Verwaltungsrat bis im Februar 2017 ein neues Reglement erarbeitet, in dem festgelegt wird, wer zum Anwohnertarif fahren darf. Bis im April sollen Absichtserklärungen von Aktionären vorliegen, die bereit sind, die Gesellschaft zu unterstützen. Das Geld muss bis Ende Juni 2017 auf ein Aktionärskonto einbezahlt sein. Genau genommen wurde am Freitag lediglich darüber abgestimmt, ob der Verwaltungsrat den von ihm vorgeschlagenen Weg einschlagen soll. Erst an einer GV im Herbst 2017 soll dann definitiv entschieden werden.

Luftseilbahn hat Sanierungsbedarf

An der GV wurde noch ein weiterer Knackpunkt erwähnt. In zwei bis drei Jahren müssen die Steuerung und der Antrieb der Seilbahn saniert werden. Man rechnet mit Kosten von 2,2 bis 2,4 Millionen Franken. Möglichkeiten zur Finanzierung sind vom Verwaltungsrat bereits abgeklärt worden. Gesichert ist jedoch noch nichts. Hoffnungen setze man unter anderem in die neue Seilbahnstrategie des Kantons, die der Biel-Kinzig AG bei gewissen künftigen Investitionen helfen könne. Verwaltungsratspräsident Bruno Imhof versicherte: «Wir haben einen Businessplan erarbeitet, der den Betrieb für die nächsten 15 bis 20 Jahre sichern sollte. Voraussetzung ist allerdings, dass wir das Sanierungskonzept wie geplant umsetzen können.»

Etlichen Anwohnern stiess sauer auf, dass sämtliche bestehenden Aktien vernichtet respektive auf null abgeschrieben werden. Dadurch entfällt auch das Recht, zum Anwohnertarif fahren zu können. Trotz mehrmaligen Nachfragens aus der Versammlungsmitte wollte der Verwaltungsrat zum künftigen Preis einer Pflichtaktie, die zum Fahren zum Anwohnertarif berechtigt, keine konkreten Zahlen herausrücken. Man habe bisher schlicht keine Zeit gehabt, das Ganze seriös durchzurechnen, so die Begründung der AG-Verantwortlichen.

Von Seiten der Aktionäre wurde aber auch grundsätzliche Kritik an der Strategie der vergangenen Jahre geübt. Mehrere Votanten bezeichneten den Bau des Sessellifts als Fehler. Man habe sich mit diesem Projekt eindeutig übernommen.

Drei neue Mitglieder im Verwaltungsrat

Die Verwaltungsräte Peter Schuler, Anja Gisler und Josef Brand traten an der GV vom Freitagabend zurück. Präsident Bruno Imhof bemängelte die fehlende Wertschätzung gewisser Anwohner gegenüber den Verwaltungsräten. Das sei auch der Grund für die drei Demissionen. Als Ersatz wurden Bernhard Riedi, Wendelin Arnold und Nadja Gisler gewählt. Bruno Imhof, Bruno Betschart, Cordula Schuler, Hans­ueli Arnold und Ruth Schmucki liessen sich für eine weitere Amtsperiode bestätigen.

Urs Hanharturs.hanhart@urnerzeitung.ch

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