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BÜRGLEN: «Die Kirche muss nicht cool sein»

Wegen des Hypes um Pfarrer Bucheli findet Peter Vorwerk, der Sprecher des Kirchenrats, derzeit kaum eine ruhige Minute. Trotzdem hat er bislang die Nerven behalten.
Anian Heierli
Das Handy von Kirchenratsvizepräsident Peter Vorwerk klingelt zurzeit im Minutentakt. (Bild Urs Hanhart)

Das Handy von Kirchenratsvizepräsident Peter Vorwerk klingelt zurzeit im Minutentakt. (Bild Urs Hanhart)

Das Handy von Peter Vorwerk (46) klingelt fast im Minutentakt, während gleichzeitig sein Mail-Ordner überquillt. Ganze Horden von Journalisten belagern Vorwerk täglich. «Wegen der vielen Anrufe komme ich oft gar nicht dazu, mein Handy aus der Hand zu legen», sagt er. Denn als Kirchenratsvizepräsident von Bürglen beantwortet Vorwerk derzeit sämtliche Medienanfragen, die Pfarrer Bucheli betreffen. Rund um Bucheli ist schweizweit ein grosser Medien-Hype ausgebrochen, da der katholische Pfarrer im vergangenen Oktober ein lesbisches Paar aus seiner Gemeinde Bürglen gesegnet hat.

Medien rufen privat an

«Die ersten Anrufe kommen morgens um 7 Uhr, die letzten abends um 10 Uhr», so Vorwerk. Die Journalisten rufen auch ungeniert zu Hause bei seiner Familie oder im Büro an. Vorwerk ist stellvertretender Kantonsingenieur, doch ein normaler Arbeitsablauf ist momentan kaum möglich. Für seine Aufgaben als Mediensprecher des Bürgler Kirchenrats musste er extra einige Tage frei nehmen. «Zum Glück ist mein Arbeitgeber verständnisvoll», sagt er.

Mit Vorurteilen aufräumen

Trotz Medienrummel behält Vorwerk die Nerven. «Die Journalisten machen nur ihre Arbeit. Der Hype ist sogar positiv für Bürglen.» Vorwerk ist sicher, dass wegen der schweizweiten Medienpräsenz Vorurteile und Stereotypen gegen die «verkorksten Hinterwäldler» aus der Welt geräumt werden. «Auswärtige Journalisten, die auf der Strasse Leute befragt haben, sind jeweils erstaunt über die Offenheit der Urner», sagt er. «Man hat gemerkt: Auch wir kennen die Elektrizität, haben einen Fernseher und hören Radio.»

Kürzlich habe ihn ein Journalist gefragt, ob die beiden homosexuellen Frauen weiter in Bürglen wohnen könnten, ob das hier überhaupt noch möglich sei. «Daraufhin habe ich zurückgefragt: Wieso nicht?»

Gott hat den Menschen geschaffen

In seiner Position vertritt Vorwerk die Ansichten des Kirchenrats. Doch wie steht der vierfache Familienvater und regelmässige Kirchgänger der umstrittenen Segnung des lesbischen Paars persönlich gegenüber? «Der Herrgott hat die Menschen so geschaffen, wie sie sind – mit all ihren Fehlern», betont Vorwerk. «Papst Franziskus hat es auf den Punkt gebracht, als er sagte: Wenn jemand kommt und mich um den Segen Gottes bittet: Wer bin ich, ihm diesen Segen zu verweigern?» Für Vorwerk steht aber nicht die Frage nach der Richtigkeit der Segnung homosexueller Paare im Zentrum der aktuellen Debatte. Pfarrer Buchelis Entscheid, die Segnung durchzuführen, habe keine allgemeingültige Auswirkung. «Jetzt geht es primär darum, wie man mit unserem Pfarrer umspringt.» Und dieser Umgang geht ihm nahe.

Schnell wird klar, der Mann mit dem markanten Schnurrbart schätzt seinen Pfarrer. «Wendelin Bucheli hat es geschafft, die Leute und gerade die Jungen wieder in die Kirche zu holen», so Vorwerk. In Bürglen bestehe das Ministrantenteam aus rund 70 Freiwilligen, und ein beachtlicher Teil der Dorfjugend arbeite ehrenamtlich bei Kirchenprojekten mit.

Definition über Grundwerte

Die Frage, ob die katholische Kirche zu konservativ sei, will Vorwerk nicht mit Ja oder Nein beantworten. «Die Kirche muss nicht cool sein, sie muss nicht jeden Trend mitmachen. Wir definieren uns über Grundwerte.» Die katholische Kirche entwickle sich seit 2000 Jahren mit der Gesellschaft mit, ohne dass sie übermässig anpasserisch sei. Vorwerk ist ein gläubiger Mann, der gerne die Messe besucht. Früher hat er als Ingenieur unter Tage, das heisst im Tunnelbau, gearbeitet. «Im Stollen wird man sich der Naturgewalten, des Lebens und des Todes bewusst. Das festigt die Beziehung zu Gott.»

Noch ist der mediale Hype um Pfarrer Bucheli präsent, weshalb Vorwerk weiter fleissig Anfragen beantwortet. Der Kirchenrat hat entschieden, dass Vorwerk als Vizepräsident die Aufgabe des Mediensprechers übernehmen soll. Vorwerk hatte schon früher Anfragen von Medien beantwortet. Zudem ist er auch durch seinen Beruf als stellvertretender Kantonsingenieur bei der Baudirektion Uri mit Medien in Kontakt.

Anian Heierli

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