BÜRGLEN: Die kluge Taktik des Sennenvaters

Die Anhänger von Brauchtum und Folklore kamen an der Sennenchilbi voll auf ihre Kosten. Sennenvater Toni Arnold hätte sich aber einen kürzeren Auftritt gewünscht.

Urs Hanhart
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Das Alphorntrio Tells Apfelschuss sorgte für urchige Töne auf dem Bürgler Kirchplatz. (Bild Urs Hanhart)

Das Alphorntrio Tells Apfelschuss sorgte für urchige Töne auf dem Bürgler Kirchplatz. (Bild Urs Hanhart)

Urs Hanhart

Für jene, die den ersten Höhepunkt nicht verpassen wollten, war gestern nichts mit Ausschlafen. Die festlich gekleidete Sennenfamilie machte sich bereits kurz vor 9 Uhr auf den Weg zur Kirche, um dem von Generalvikar Martin Kopp gehaltenen Festgottesdienst beizuwohnen. Während der Einzug nur vereinzelt Zuschauer anzulocken vermochte, waren es nach der Messe umso mehr, die sich aus gutem Grund bei herrlichem Sonnenschein auf dem Kirchplatz versammelten.

Sennenfamilie im Fokus

Zu bestaunen gab es dort nämlich das traditionelle Fahnenschwingen, bei welchem nicht einfach irgendwer, sondern der kürzlich gewählte Sennenvater Toni Arnold, Spiringen, sowie die ebenfalls neu bestimmten Beamten Karl Herger (Hauptmann), Jonas Arnold (Statthalter), Lukas Herger (Vorfähnrich) und Matthias Stadler (Nachfähnrich) ihre Künste zum Besten gaben. Jeder der fünf wartete mit einer Solodarbietung auf. Zusätzlich performte auch noch der abgetretene Sennenvater Anton Gisler. Dabei zeigte sich, dass auch in dieser Disziplin noch kein Meister vom Himmel gefallen ist. Es gab grösstenteils etwas zaghafte Vorführungen zu sehen, zumindest im Vergleich mit den absoluten Könnern. Ab und zu fiel das Banner beinahe zu Boden, was die Auftretenden allerdings nicht tragisch nahmen. Ihnen und dem Publikum entlockten diese kleinen Missgeschicke den einen oder anderen Schmunzler.

Eröffnet worden war der Reigen durch Vorfähnrich Lukas Herger, der mit einer eindrücklichen Darbietung aufwartete. Er hätte wohl mit Abstand die beste Note erhalten, wenn eine Fachjury vor Ort gewesen wäre. Sennenvater Arnold wählte eine kluge Taktik. Er verzichtete auf Würfe und geriet so nie in Gefahr, die Kontrolle über die Schweizer Fahne zu verlieren respektive von den Gesetzen der Schwerkraft überrumpelt zu werden. Zu seinem Auftritt als Fahnenschwinger meinte er augenzwinkernd: «Für meinen Geschmack hat die Musik viel zu lange gespielt. So musste sich das Publikum meine bescheidenen Künste halt recht lange anschauen. Fahnenschwingen ist wirklich sehr schwierig, für mich als Debütant erst recht. Wir haben im Vorfeld zweimal etwas geübt. Das war natürlich viel zu wenig, um das Ganze in den Griff zu bekommen.» Von der Ambiance auf dem Kirchplatz zeigte sich Arnold beeindruckt: «Die Stimmung hier ist ausgezeichnet. Alle sind gut gelaunt. Dazu trägt sicherlich auch das prächtige Herbstwetter bei. Heute gibt es bestimmt eine schöne Sennenchilbi.»

«Eine grosse Ehre»

Sein zweites persönliches Highlight erlebte der Sennenvater beim nachmittäglichen Einzug mit der Sennenfamilie zum Festgelände, auf dem ein buntes Programm geboten wurde. Die Palette reiche von Trachtengruppen über Alphornbläser und Trychlern bis hin zu Auftritten der Sechsermusik und des Musikvereins Bürglen. Mit dabei waren auch wieder Fahnenschwinger, diesmal jedoch absolute Könner ihres Fachs. Zur Bedeutung des Amts sagte Sennenvater Arnold: «Ich bin sehr stolz, dass ich dieses Ehrenamt ein Jahr lang bekleiden darf. Für mich ist dies eine grosse Ehre. Allerdings stehe ich nicht so gerne im Mittelpunkt. Wenn ein anderer zum Sennenvater gewählt worden wäre, hätte mich dies keineswegs geärgert.»