BÜRGLEN: Eine Urnerin wird Miss World

Valo und Tino Gisler sind definitiv im Olymp der Züchter angelangt: Ihre «O’Kalibra» ist Weltkuh des Jahres. Dies ist aber nicht der einzige Titel der Holsteinkuh.

Bruno Arnold
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Neben dem Europameistertitel 2013 in Fribourg (unser Bild) hat die Kuh O'Kalibra noch weitere prestigeträchtige Titel abgeräumt. (Bild: Schweizerbauer)

Neben dem Europameistertitel 2013 in Fribourg (unser Bild) hat die Kuh O'Kalibra noch weitere prestigeträchtige Titel abgeräumt. (Bild: Schweizerbauer)

Die Leser der Fachzeitschrift Holstein International (HI) loben sie in höchsten Tönen: «Eine Kuh wie ‹O’Kalibra› hätte jeder gerne im Stall», schreibt etwa Reto Isenschmid aus dem bernischen Heimenschwand. «Die Schaukuh meiner Träume», meint der Italiener Alberto Sandrone. Und für den aus Frankreich stammenden Fabian Coupilleau ist «Decrausaz Iron O’Kalibra», so der vollständige Name der Urner Kuh, gar die «schönste Europäerin seit Jahren».

Als Grand Champion erkoren

Das erfolgreiche Tier stammt aus dem Stall der Gisler-Steiner (GS) Alliance in Bürglen. Die beiden Urner Brüder Valo und Tino Gisler sind zusammen mit den Schwyzer Brüdern Mathias und Edwin Steiner junior aus Wilen bei Wollerau sowie dem Amerikaner Pat Conroy Mitbesitzer von «O’Kalibra». Mathias Steiner ist bei der GS Alliance für die Aufzucht verantwortlich. Edwin Steiner junior betreut die Tiere im Stall in Bürglen. Innerhalb von wenigen Tagen holte «O’Kalibra» zwei grosse Titel. Zuerst wurde sie von den Lesern von «Bullvine», einer kanadischen Holsteinzucht-Onlineplattform, mit grossem Mehr (49 Prozent der Stimmen; 21 Prozent für die zweitklassierte Kuh) zur Grand Champion erkoren. Oder in den Worten von «Bullvine»: «Die extrem populäre O’Kalibra wurde sogar in einem erdrutschähnlichen Sieg zur ‹Breeders Choice Grand Champion 2013› gewählt.» Diesen Titel hat noch keine aus Europa stammende Kuh geholt. Die Holsteinzucht-Onlineplattform Bullvine ist relativ neu, aber mittlerweile schon recht populär, vor allem in Amerika. Die «Breeders Choice»-Wahl wurde 2012 erstmals durchgeführt, und zwar in 16 Kategorien. Nominiert wurden damals allerdings nur Kühe aus Nordamerika (USA und aus Kanada). Die diesjährige Wahl wurde in 15 nordamerikanischen Kategorien sowie in einer internationalen Kategorie ausgeschrieben. «O’Kalibra» dominierte nicht nur in der internationalen Kategorie, sondern liess als Grand Champion gleich auch sämtliche Kühe aus Nordamerika hinter sich.

Eine legendäre Erfolgsliste

Doch damit nicht genug: 43 Prozent der Leser der Fachzeitschrift Holstein International (HI) wählten «O’Kalibra» zusammen mit einer Fachjury auch noch als «Weltkuh des Jahres». Nicht nur die rund 40 000 HI-Leser in rund 60 Ländern, sondern auch die beiden Fachexperten setzten die Urner Kuh bei der 17. Auflage dieses Wettbewerbs auf den 1. Platz. «Noch nie war ein Wahlergebnis auf Seiten von Jury und Lesern so eindeutig», heisst es in der jüngsten Ausgabe von «Holstein International». «‹O’Kalibra› gewann überzeugend den Titel der Weltsiegerin 2013.» Die Schweizer Kuh könne damit ihrer «ohnehin schon legendären Erfolgsliste nun auch einen einstimmig beschlossenen Titelgewinn hinzufügen, so der Autor des Beitrags in der Fachzeitschrift.

«Mehr als nur speziell»

Grosse Genugtuung herrscht natürlich auch bei den Mitbesitzern der erfolgreichen Kuh, den beiden aus Bürglen stammenden Brüdern Valo und Tino Gisler. Zu Recht, denn die Erfolge der Kuh aus dem Stall GS Alliance schlagen effektiv alle Rekorde. Auf ihrer Homepage (www.gs-alliance.ch) schreiben die Besitzer denn auch: «2013 ist definitiv das Jahr von ‹Decrausaz Iron O’Kalibra›: Sie wird – nach 2012 – wieder Supreme Champion an der Swiss Expo in Lausanne, holt in März den European Grand Champion-Titel, wird in Mai als erste viertlaktierende Kuh überhaupt Ex-96 eingestuft. Und nun wird sie von den Lesern von ‹Bullvine› mit überwältigendem Mehr zur Grand Champion erkoren. Dann doppelt sie beim HI-Wettbewerb noch nach, indem sie von den Lesern und auch von der Jury zur 17. Weltsiegerin ernannt wird.» Für Valo Gisler sind diese Erfolge «einfach nur genial». «Wir haben uns natürlich schon Chancen auf den Titel Weltkuh des Jahres ausgerechnet. Trotzdem sind wir nun effektiv überwältigt von diesem Erfolg – dies umso mehr, weil Europa in Sachen Holsteinzucht hinter dem nordamerikanischen Kontinent steht», betont Valo Gisler. «Dass nun ausgerechnet ein Holsteintier aus der Schweiz zur schönsten Kuh der Welt gekürt wird, ist natürlich mehr als nur speziell.»

Noch grössere Nachfrage

«Die beiden Titel bringen uns vor allem marketingmässig einiges», ist Valo Gisler überzeugt. «Sie werden zusammen mit der hervorragenden Abstammung zu einer noch grösseren Nachfrage für Tiere aus unserem Stall führen.» Und auf die Frage nach dem Marktwert von «O’Kalibra» meint Valo Gisler: «Das ist relativ schwierig zu sagen, vor allem, wenn man den europäischen Markt anschaut.» Gisler weiss allerdings, dass seltene Prachtexemplare wie «O’Kalibra» in den USA schon für bis zu 1,5 Millionen verkauft worden sind.