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BÜRGLEN: «Jetzt herrscht grosse Unsicherheit»

Der Kirchenrat setzt auf den Dialog. Er ist deshalb erneut in Chur vorstellig geworden, um mit Bischof Vitus Huonder einen Gesprächstermin zu finden.
An der gestrigen Kirchgemeindeversammlung wurde bekannt, dass Bürglen erneut um einen Termin für ein Gespräch mit Chur ersucht hat. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

An der gestrigen Kirchgemeindeversammlung wurde bekannt, dass Bürglen erneut um einen Termin für ein Gespräch mit Chur ersucht hat. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Anian Heierli

Gestern Abend war beinahe jede Bank der Pfarreikirche in Bürglen voll besetzt. Gut 300 Gläubige waren gekommen, um aus erster Hand zu erfahren, was nun mit ihrem Pfarrer Wendelin Bucheli (61) geschieht. «In der Bevölkerung herrscht grosse Verunsicherung», sagte Kirchenratspräsidentin Susanne Bätscher-Planzer. Deshalb veranstalte der Kirchenrat eine ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung. «Momentan wird viel geredet. Es ist wichtig, dass Ruhe einkehrt und dass wir Gerüchte durch Informationen ersetzen.»

Der Fall Bucheli sorgte in den vergangenen Wochen schweizweit für Empörung. Der Churer Bischof Vitus Huonder hatte dem Bürgler Pfarrer klargemacht, dass er dessen Demission erwarte, weil er im vergangenen Oktober ein lesbisches Paar gesegnet hat. Doch Bucheli zeigt sich kämpferisch und widersetzt sich Huonders Wunsch vehement.

«Noch ist unser Pfarrer da»

Gerade dieser Konflikt schafft derzeit starke Ungewissheit. So wird der Bürgler Kirchenrat laufend mit Fragen bombardiert: Muss Bucheli jetzt gehen? Findet der Weisse Sonntag statt? Fällt die Firmung ins Wasser? «Noch ist unser Pfarrer da», betonte Vizepräsident Peter Vorwerk. Diese Aussage quittierte das Kirchenvolk mit lang anhaltendem Applaus. Auch die kirchlichen Feste würden wie gewohnt stattfinden. Es könne allerdings Engpässe bei Beerdigungen, Taufen oder Hochzeiten geben, wofür der Kirchenrat um Verständnis bitte.

Pfarrer Bucheli nahm persönlich an der Versammlung teil. Er meldete sich aber nur kurz zu Wort. Er will derzeit auch keine Interviews geben. «Der Herr soll euch segnen, er segne euch und eure Familien, er segne euch und eure Beziehungen, und er segne ganz besonders eure Kinder», sagte der Seelsorger, nachdem er alle Anwesenden dazu aufgefordert hat, gemeinsam ein «Vater unser» zu beten.

Für die katholische Basis des beschaulichen Urner Bergdorfs ist die momentane Situation belastend. «In den vergangenen Tagen hat uns ein medialer Tsunami getroffen. Wir wollen alles dafür tun, um zur Normalität zurückkehren zu können», betonte Vorwerk. «Deshalb muss nun der Konflikt am runden Tisch gelöst werden. Und dieses Gespräch wollen wir mit Bischof Huonder führen.» So hätten sich die Bürgler erst vorgestern, am 25. Februar, in einem weiteren Brief an Huonder gerichtet. Darin bitten sie den Bischof erneut um ein persönliches Gespräch. Dieses soll auf neutralem Boden stattfinden und wenn möglich von einem Moderator begleitet werden.

Chur statt Lausanne

Nun wird sich zeigen, ob Chur auf das Friedensangebot eingeht. Denn seit Bischof Huonder am 2. Februar Pfarrer Bucheli erklärte, dass er dessen Demission erwarte, weicht Chur weiteren Gesprächen aus: Der Freiburger Bischof Charles Morerod soll ein Gespräch mit dem Bürgler Pfarrer führen. Dies sei so abgesprochen, da Buchelis Heimatbistum das Bistum Lausanne-Genf-Freiburg sei, liess das Bistum Chur immer wieder verlauten. Doch Bucheli und der Bürgler Kirchenrat wollen eine Lösung mit Bischof Huonder finden. «Er ist unser Bischof. Natürlich sind wir auch zu Gesprächen mit dem Freiburger Bischof Morerod bereit», sagte Vorwerk am Rande der Veranstaltung. Aus seiner Sicht sei jetzt Chur gefragt. «Wir müssen den Konflikt auf christliche Art im Dialog lösen. Nur so kann weiterer Scha­- den in der Gemeinde Bürglen, im Bistum Chur und generell in der katholischen Glaubensgemeinschaft vermieden werden.»

Bistum sage die halbe Wahrheit

Es überrascht, dass Pfarrer Bucheli und der Kirchenrat noch immer den Dialog suchen. Am 19. Februar hat das Bistum Chur ein «fact sheet» an ausgewählte Medien gestreut. An dessen Inhalt stört sich die katholische Basis in Bürglen: «Darin war nur die halbe Wahrheit aufgelistet», sagte Vorwerk gestern. Dem Bürgler Kirchenrat missfällt, dass das Bistum Chur Pfarrer Bucheli einen Vorwurf gemacht hat, weil dieser krank war und noch immer zu 50 Prozent arbeitsunfähig geschrieben ist. Bucheli hatte Ende Oktober einen Streifschlag erlitten. Sobald Kirchenratsvizepräsident Peter Vorwerk weiss, ob es zu einem Gespräch kommt, will er die Öffentlichkeit darüber informieren.

Hinweis

Auf Seite 8 dieser Ausgabe lesen Sie einen Bericht über Gotteslästerung und den Umgang damit.

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