BÜRGLEN: Johann Herger: Ein origineller Erzähler taucht wieder auf

Johann Herger war einst Führer im Tell-Museum. Unerwartet hat Filmemacher Fredi M. Murer nun eine Filmspule eines Interviews mit dem Bürgler Original entdeckt. Dieses wird am Freitag gezeigt.

Romed Aschwanden
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Das Bürgler Original Johann Herger war ein Kenner des Schächentals. (Bild: Fredi M. Murer)

Das Bürgler Original Johann Herger war ein Kenner des Schächentals. (Bild: Fredi M. Murer)

Romed Aschwanden

redaktion@urnerzeitung.ch

Das Bürgler Original Johann Herger ist wohl den meisten Bürglern ein Begriff. Durch Fredi M. Murers Film «Wir Bergler in den Bergen sind eigentlich nicht schuld, dass wir da sind» erlangte er als Lokalhistoriker weit über Uri hinaus Bekanntheit.

Am 8. September um 19.30 Uhr ist Fredi M. Murer Gast des Tell-Museums. Im Restaurant Tell wird er unter anderem ein Filminterview mit Johann Herger zeigen. Mit Hilfe von Tondokumenten soll Hergers originelle und kenntnisreiche Erzählkunst nochmals aufleben und den Zuhörern in Erinnerung gerufen werden.

Sammler von Geschichten und Dokumenten

Der im Februar 1900 in Bürglen geborene Johann Herger war ein profunder Kenner des Schächentals und dessen Bewohnern. Bekannt auch als «Schutzängäli», kannte er praktisch alle Schächentaler Stammbäume, sammelte Dokumente, Geschichten und Gegenstände. Sein Haus in Bürglen, heute steht an dieser Stelle die Raiffeisenbank, war ein überwältigendes Sammelkabinett. Die einen hielten ihn für klüger als manchen Studierten, die anderen für einen Spinner. «In Johann Herger lernte ich einen der liebenswürdigsten und sensibelsten Menschen kennen», so Fredi M. Murer. Der bekannte Filmemacher lernte Herger 1973 bei der Vorbereitung auf seinen Dok-Film kennen und fand in ihm einen unkonventionellen und scharfsinnigen Gewährsmann, der auch im Tell-Museum Führungen machte. Murer gewann ihn als «Stimme eines Lokalhistorikers» für seinen Dokumentarfilm.

Anlass für Murers Besuch in Bürglen ist ein glücklicher Zufall: In seinem Archiv stiess er auf eine Filmrolle mit der Aufschrift «Schutzängeli», die ihm sein Filmerkollege Peter Ammann um 1970 zuschickte, aber unbesehen in der Blechdose liegen blieb. Es handelte sich um ein Interview mit dem Tell-Museum-Führer Johann Herger, das Ammann auf Empfehlung Murers für seinen Dokumentarfilm «Le Neinsager» im Tell-Museum aufgenommen hat. Es ist das einzige Filmdokument von Johann Herger. In Murers Film «Wir Bergler in den Bergen ...» ist nur Hergers Stimme zu hören. Denn er wollte nicht gefilmt werden, mit der Begründung: «Ich habe es eben wie die Wilden Afrikas, die befürchten, dass die Kamera ihnen die Seele stehle.»

Eine Kopie des Films übergab Murer an das Tell-Museum und erklärte sich bereit, seine Bild- und Tondokumente in Bürglen zu präsentieren. Im Sinne einer Hommage an diesen verkannten Sammler und Forscher organisiert das Tell-Museum diesen Anlass. Zur Filmvorführung und dem anschliessenden Gespräch mit Fredi M. Murer ist die Öffentlichkeit herzlich eingeladen

Hinweis: Die Veranstaltung beginnt am Freitag, 8. September, um 19.30 Uhr im Hotel Tell, Bürglen. Eine Türkollekte wird erhoben.