BÜRGLEN: Pfarrer bedauert – und darf bleiben

Pfarrer Bucheli muss nicht demissionieren. Im Gegenzug verspricht er, keine gleichgeschlecht­lichen Paare mehr zu segnen. Für den Kirchenrat gibt es nur Gewinner.

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Pfarrer Wendelin Bucheli bleibt weiterhin in der Kirchgemeinde Bürglen im Amt. Das Bild stammt vom 26. Februar 2015 und zeigt ihn in der Pfarrkirche von Bürglen. (Bild: Boris Bürgisser  / Neue LZ)

Pfarrer Wendelin Bucheli bleibt weiterhin in der Kirchgemeinde Bürglen im Amt. Das Bild stammt vom 26. Februar 2015 und zeigt ihn in der Pfarrkirche von Bürglen. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Bruno Arnold

Im Oktober 2014 hat Pfarrer Wendelin Bucheli in der Pfarrkirche Bürglen ein gleichgeschlechtliches Paar gesegnet. Der Churer Bischof Vitus Huonder hatte den Seelsorger daraufhin aufgefordert, freiwillig zu demissionieren und in sein früheres Bistum Genf-Lausanne-Freiburg zurückzukehren. Dies führte nicht nur zu Empörung und Unverständnis in der Pfarrei Bürglen, sondern auch zu einem schweizweiten Medienrummel. Innert kurzer Zeit unterzeichneten über 44 000 Personen die Online-Petition «Pfarrer Wendelin Bucheli muss in Bürglen UR (Schweiz) bleiben».

«Weder öffentlich noch heimlich»

Im März wurde Generalvikar Martin Grichting von Bischof Huonder beauftragt, «angesichts der entstandenen Situation eine Lösung zu suchen, die in Einklang und der Einheit der Kirche steht sowie dem Wohl der Pfarrei Bürglen, aber auch von Pfarrer Bucheli dient». Anfang März stellten die Verantwortlichen des Bistums Chur eine Lösung bis spätestens Ende April in Aussicht: Der interne Dialogprozess werde einige Zeit in Anspruch nehmen, hiess es damals in einer schriftlichen Erklärung. «Er soll nicht durch mediale Unruhe gestört werden.» Daher werde sich das Bistum erst wieder öffentlich verlauten lassen, wenn alle Gespräche stattgefunden hätten.

Seit gestern ist die Lösung bekannt: «In Übereinstimmung mit der Erklärung der Schweizer Bischofskonferenz vom 3. Oktober 2002 betreffend deren Haltung zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare erklärt Pfarrer Bucheli, dass er zukünftig weder öffentlich noch heimlich die Segnung eines gleichgeschlechtlichen Paars durchführen wird», heisst es in einer gemeinsamen Medienmitteilung des Bistums Chur und der Pfarrei Bürglen. «Aufgrund dieses Versprechens von Pfarrer Wendelin Bucheli und seiner Erklärung, die Lehre der Kirche respektieren zu wollen, hält der Bischof von Chur nicht länger an seiner Bitte an Pfarrer Bucheli fest, die Demission als Pfarrer von Bürglen einzureichen», schreiben die beiden ­Parteien.

Peter Vorwerk, Vizepräsident und Mediensprecher des Kirchenrats Bürglen, zeigte sich gestern sehr erfreut über die Einigung: «Nicht nur der Kirchenrat ist erleichtert, sondern auch der Pfarrer.» Für die Pfarrei Bürglen sei eine gute Lösung getroffen worden: «Die wochenlange Unsicherheit ist nun vorbei, und wir wissen nun endlich, wie es in Sachen Pfarrer in Bürglen weitergeht.»

Der Lösungsprozess sei in den vergangenen Wochen auf zwei Schienen verlaufen: «Zum einen war dies der mehrmalige direkte Kontakt zwischen Bischof Huonder, Generalvikar Martin Grichting und Pfarrer Bucheli», so Vorwerk. «Zum andern hat der Kirchenrat zwei intensive Gespräche mit Martin Grichting geführt und dabei versucht, eine für beide Seiten befriedigende Lösung zu finden.» Vorwerk ist auch überzeugt, dass die ganze Angelegenheit das Verhältnis zwischen dem Bistum Chur und der Pfarrei Bürglen kaum trüben wird.

«Wir haben jetzt drei Gewinner: das Bistum Chur mit dem Bischof, die Kirchgemeinde mit dem Pfarrer und die ganze katholische Glaubensgemeinschaft», freut sich Vorwerk. «Denn es hätte ja unter Umständen auch eine Lösung mit drei Verlierern geben können.» Auf die Frage, ob man gezielt versucht habe, dass beide Parteien das Gesicht wahren könnten, gibt sich Vorwerk diplomatisch: «So sieht für mich eine christliche Konfliktlösung aus: im Dialog und in gegenseitigem Respekt. Es ist eine Lösung gefunden worden, bei der keiner sein Gesicht verliert.» Gemäss Mitteilung bedauert Pfarrer Bucheli nicht nur, «dass durch die Segnung eines gleichgeschlechtlichen Paares viele Menschen verletzt wurden», sondern er bedauert auch «die Unannehmlichkeiten, die er dem Bischof bereitet hat, in dessen Auftrag er in Bürglen tätig ist». Pfarrer ­Bucheli, der persönlich keine Stellungnahme abgeben wollte, betont in der Mitteilung schliesslich, dass er der Kirche sowie dem Bischof gegenüber loyal sei und sich an die kirchliche Lehre halte.

Der Churer Generalvikar Martin Grichting erklärt zur Einigung: «Wir freuen uns über dieses positive Zeichen. Man kann zu Versöhnung finden, wenn alle gemeinsam auf dem Boden der katholischen Glaubenslehre stehen.»

Papst soll nicht involviert sein

Das heisst für das Bistum aber noch lange nicht, dass künftig alle Pfarrer, die ein homosexuelles Paar gesegnet haben, mit einer gelben Karte davonkommen. So erklärt Bistumssprecher Giuseppe Gracia: «Nach dem Fall Bürglen ist wieder klar, wie die Lehre der Kirche bezüglich der Segnung eines gleichgeschlechtlichen Paars lautet. Dies hat auch die Schweizer Bischofskonferenz bestätigt. Wir vertrauen darauf, dass unsere Mitarbeiter sich daranhalten.» Am 3. Oktober 2002 hielt die Bischofskonferenz nämlich fest, dass eine gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft nicht mit dem Sakrament der Ehe gleichgesetzt werden könne. Wie das Bistum vorgehen würde, wenn Bucheli erneut ein homosexuelles Paar segnete, lässt Gracia offen: «Es gibt keinen Grund für solche Erwägungen. Wir vertrauen Pfarrer Bucheli, dass er sein Versprechen halten wird.» Laut Gracia hat sich weder der Papst noch der Vatikan in den «Fall Bürglen» eingeschaltet.

Das Bistum Genf-Lausanne-Fribourg hätte Bucheli wohl zurücknehmen müssen, falls dieser mit Chur nicht einig geworden wäre. Denn das Bistum ist Buchelis Heimatdiözese. «Wir sind über die nun getroffene Lösung glücklich», erklärt Bistumssprecherin Laure-Christine Grandjean auf Anfrage. Sie legt Wert darauf, dass die Einigung zwischen dem Bistum Chur und Bucheli zu Stande kam. «Natürlich hätten wir Pfarrer Bucheli auch in unserer Diözese gerne aufgenommen», so Grandjean.

Mitarbeit Alexander von Däniken