Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

BÜRGLEN: «Tell ist der grössere Held als Spider-Man»

Der Schweizer Comic-Künstler David Boller hat in den USA verschiedene Superhelden gezeichnet. Nun widmet er sich Wilhelm Tell. Im Interview sagt der 49-Jährige, was er mit Schillers Version angestellt hat und wie es heute um Comics steht.
Interview Florian Arnold
Der Schweizer Comic-Künstler widmet sich nach vielen amerikanischen Superhelden nun Wilhelm Tell. (Bild: David Boller)

Der Schweizer Comic-Künstler widmet sich nach vielen amerikanischen Superhelden nun Wilhelm Tell. (Bild: David Boller)

Spider-Man, Batman und X-Men: Der Zürcher David Boller hat sie alle auf Papier gebracht. Jetzt widmet sich der Comic-Zeichner dem Schweizer Nationalhelden. In einigen Bänden wird Tell selber zum Superhelden. Doch Boller hat auch den klassischen Stoff aufgearbeitet. Am Ort des Geschehens, in Tells Heimat Bürglen, ist der 49-Jährige kommende Woche zu Gast, wo er auch über sein Handwerk spricht.

David Boller, wer ist der grössere Held: Tell oder Spider-Man?

Natürlich Tell.

Wieso so bestimmt?

Tells Ziel, die Freiheit eines Volks herbeizuführen, ist sicher nobler als jenes von Spider-Man, der nur gegen Verbrechen ankämpft.

Zeichnen Sie demnach auch lieber Tell?

Ja. Spider-Man ist nur schon wegen all der Spinnweben schwieriger zu zeichnen. Hinzu kommt etwa New York als Hintergrund. Ich bin nicht so ein Fan von Autos und Häusern. Da geht es mit Tell in der Naturlandschaft besser.

Sind Sie ein Patriot?

Ich bin Schweizer, und ich finde die Schweiz eines der besten, wenn nicht sogar das beste Land, was die Lebensqualität betrifft. Aber mit Patriotismus wird eben sehr viel Missbrauch betrieben, wie dies etwa die Amerikaner nach 9/11 taten.

Haben Sie deshalb die USA wieder verlassen und sind wieder zurück in die Schweiz gezogen?

Die Gesellschaft hat sich so stark verändert, dass ich das nicht mehr mit dem vereinen konnte, was ich gut fand.

Wie viel Politik steckt in Ihren Comics?

Sie spielt eine Rolle. Ich habe einige sehr politische Stoffe umgesetzt, wie etwa Bände zu den Tuareg in Nordafrika oder «Der letzte Tag der Menschheit» nach dem Buch von Karl Kraus, das vom Ersten Weltkrieg handelt. Im Superhelden-Comic «Tell – die Legende kehrt zurück» gibt es Seitenhiebe auf die Schweizer Politik: eine Einzelpartei, die von einem Typen geleitet wird, der nicht nur aussieht wie Blocher, sondern dessen Name auch ein Anagramm von Blocher ist. Das ist das Schöne an Superhelden-Comics. Man kann sich zu ernsten Dingen satirisch äussern.

Neben dem Superhelden haben Sie nun einen Comic über den klassischen Tell gemacht. Wie stark halten Sie sich an Schillers Vorlage?

Das Theaterstück funktioniert nicht gleich wie ein Comic. Wir haben zwei Szenen hinzugefügt. Das Einzige, was bei Schiller schwierig ist, ist der etwas altmodische Schreibstil. Es ist sehr viel Religiöses drin. Drei Viertel von dem Gottgeschwafel haben wir herausgenommen und bringen es nur in den Szenen, wo es wichtig ist. Und wir haben am Umgang untereinander gearbeitet. Die Figuren reden etwas netter miteinander als bei Schiller. Auch Tell mit seiner Frau. Früher war das vielleicht anders, aber das kann man heute nicht mehr so bringen.

Sie sträuben sich gegen das Altmodische, zeichnen aber noch immer mit Pinsel und Tusche.

Ich bin kein 20-jähriger Mangazeichner, der mit Computern aufgewachsen ist. Ich komme aus einer Zeit, wo man noch mit Pinsel und Feder gearbeitet hat. Ich bin auf diese Weise viel schneller. Und man hat dadurch schöne Originalzeichnungen. Zudem sieht es von Hand etwas emotionaler aus. Mein Strich ist schon sehr glatt. Mit dem Computer wäre das zu poliert.

Der Tell-Comic kommt auch in Asien gut an. Wie erklären Sie sich das?

Wir wissen noch nicht, wie erfolgreich der Comic wird. Tell ist in Asien eine Grösse. Jeder, der eine einigermassen gute Ausbildung genossen hat, kennt die Geschichte, das ist auch in den USA so, was mich immer wieder erstaunt. Für uns ist der Touristenmarkt sehr wichtig, deshalb gibt es die Comics auch dreisprachig – und auch als App.

Setzen Sie auf Swissness?

Relativ dezent. Bei uns hängen nicht überall Schweizer Kreuze. Die Swissness kommt über die Natur rüber. In den Tell-Comics, die im Ausland gemacht wurden, sieht die Landschaft einfach nicht so aus wie hier. Noch stärker auf die Natur wollen wir bei einem Kinderbuch setzen, in dem Tells Sohn Walter die Hauptrolle spielt.

Das Tell-Projekt ist also nicht zu Ende.

Wir haben noch einige Ideen, über die ich noch nicht reden kann. Tell als Superheld ist bald abgeschlossen. Aber wir möchten erzählen, was geschah, nachdem Tell Gessler umgebracht hat. Jährlich soll ein Band erscheinen.

Ist der Comic nicht am Aussterben?

Das Gute am Comic ist, dass man ein ganzes Universum schaffen kann, was aber nicht so kostspielig ist wie ein Film. Aber klar: Die Verkäufe von Comics sind tiefer denn je. Social Media und Games haben beim Markt der Kinder ein massives Loch hineingerissen.

Ihnen nimmt das nicht den Mumm?

Der Tell läuft gut. Da kann man sich nicht beklagen. Mit anderen Dingen geht es eher Richtung Luxus. Da gibt es zwei Ausgaben. Die teurere mit Hardcover und signiert lief viel besser als die broschierte, obwohl sie doppelt so teuer war. Die Leute zahlen lieber mehr für etwas Schönes, als dass sie etwas Billiges bekommen.

Interview Florian Arnold

florian.arnold@urnerzeitung.ch

Hinweis

David Boller ist zur Saisoneröffnung im Tell-Museum Bürglen zu Gast. Am Samstag und am Sonntag, 13. und 14. Mai, von 10 bis 17 Uhr, signiert er Bücher. Am Samstag um 17 Uhr zeigt er öffentlich im Gasthaus Tell, Bürglen, wie seine Werke entstehen.

Wilhelm Tell im Comic von David Boller: «Die Figuren reden netter miteinander als bei Schiller.» (Bild: David Boller)

Wilhelm Tell im Comic von David Boller: «Die Figuren reden netter miteinander als bei Schiller.» (Bild: David Boller)

Der Umschlag des Comics vom Schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell. (Bild: David Boller)

Der Umschlag des Comics vom Schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell. (Bild: David Boller)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.