Bürglen
Unregistriertes Heuseil führte zu Helikopterabsturz

Im August 2018 kam es zu einem Helikopterunfall in Bürglen. Bereits hat sich etwas an der Registrierungspflicht für Hindernisse geändert.

Florian Arnold
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Ein Pilot und dessen Flughelfer schlitterten im August 2018 haarscharf am Tod vorbei. Kurz vor dem Absetzen an einem Hang in Bürglen hatte der Helikopter mit den Hauptrotorblättern ein Heuseil berührt. Es kam zu einem grossen Knall. Mit voller Kraft drückte der Pilot den Hebel herunter und landete direkt unter sich. Er und sein Flughelfer blieben unverletzt, auch wenn der Helikopter durch die starke Bodenresonanz unruhig stand und kurzzeitig vom Boden sprang. Rechtzeitig gelang es dem Piloten, die Tür aufzuziehen, um sich einen Fluchtweg zu verschaffen.

Die Flughelfer am Ort, wo der Helikopter abgestürzt ist.

Die Flughelfer am Ort, wo der Helikopter abgestürzt ist.

Bild: Sust Aviatik

«Ebenso gut hätte die Kollision mit dem Heuseil zu einem Kontrollverlust und einem Unfall mit tödlichem Ausgang für die beiden Insassen führen können», schreibt die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) in ihrem Bericht unmissverständlich.

Es sei den glücklichen Umständen zuzuschreiben, dass es dem erfahrenen Piloten gelang, den Helikopter aus geringer Höhe an dieser einzigen landbaren Stelle innerhalb dieses Abhangs aufzusetzen – trotz der plötzlich heftig auftretenden Vibrationen. Hauptrotorblätter und Rotorkopf, Landegestell, Kabine, Zwischenflansch des Triebwerkes wurden bei der Bruchlandung stark beschädigt, heisst es im Sust-Bericht weiter. Auch Martin Burgener, Einsatzleiter von Swiss Helicopter, ist überzeugt davon, dass der Pilot keine Möglichkeit gehabt hat, das Unglück zu verhindern: «Dank seiner sehr grossen Erfahrung hat der Pilot die einzig richtige Entscheidung getroffen.»

Die Sust hat nun untersucht, welche Schlüsse aus dem Vorfall gezogen werden können. Der Helikopter war zwar mit einem Kabelkappsystem (cable cutter) ausgerüstet, verfügte jedoch nicht über ein Kollisionswarngerät, das vor Hindernissen warnt. Auf Anfrage beteuert Martin Burgener, dass alle Helikopter der Swiss Helicopter mit den entsprechenden Geräten ausgerüstet sind – und dies bereits vor diesem Zwischenfall. Allerdings seien noch keine Geräte vorhanden, die auch nicht registrierte Kabel zuverlässig erkennen.

Fakt ist jedenfalls, dass das Heuseil nicht registriert war. Im Kanton Uri gebe es zwar eine Stelle, welche Daten zu Materialseilbahnen zusammentrage. «Das Hindernis hätte beim Bau dem Kanton gemeldet werden müssen», bestätigt Martin Burgener auf Anfrage. Generell sei der Kanton Uri in Bezug auf die Eintragung von Flughindernissen «sehr vorbildlich», so Burgener. So sei Uri der erste Kanton gewesen, der mithalf, die Flughindernisse auch unter 25 Meter über Grund auf die elektronische Karte (Swiss Map Mobile) abzubilden.

Und dennoch sollten sich Piloten nicht auf die vorhandenen Daten von Hindernissen verlassen. Im Bericht heisst es nämlich: «Aus Sicht des BAZL ist es jedoch fraglich, inwieweit solche Listen vollständig und punkto Lage und Genauigkeit zutreffend sind.» Und weiter:

«Helikopterpiloten sollten sich bewusst sein, dass die in Hinderniskarten verzeichnete Hindernissituation unvollständig oder falsch sein kann.»
Das Gebiet, in dem der Helikopter abgestürzt ist.

Das Gebiet, in dem der Helikopter abgestürzt ist.

Bild: Sust Aviatik

Dies war der Besatzung offenbar bewusst. Denn vor der Landung hatte diese die Hindernissituation nochmals aus der Luft beurteilt – die beiden Flughelfer begutachteten die ausgedruckten Kartenausschnitte, der Pilot die elektronischen Karten im Cockpit. Wie Martin Burgener erklärt, sind nicht eingezeichnete Flughindernisse aus der Luft nur sehr schwer zu erkennen: «Solche Hindernisse kommen in der Regel aus dem Boden und enden an einem Baum, ohne einen sichtbaren Masten. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass die Hindernisse auf den Karten eingezeichnet sind.»

Im vorliegenden Fall wurde vom Piloten und den Flughelfern gemeinsam entschieden, einen der Flughelfer aussteigen zu lassen, damit dieser vom Boden aus die Hindernisse im Blick haben konnte. Die Sichtverhältnisse waren jedoch an diesem Tag nicht optimal, sodass der Unfall nicht verhindert werden konnte.

Zum Zeitpunkt des Unfalls musste der Eigentümer eines Hindernisses bei der Meldung ans Bazl eine Gebühr entrichten, «was keine motivierende Wirkung haben dürfte», wie es im Bericht heisst. Gefährliche Hindernisse wurden so möglicherweise nicht in die Datenbank eingetragen. 2019 wurde die bisherige Bewilligungspflicht von Luftfahrthindernissen durch eine gebührenfreie Registrierungspflicht abgelöst. Dazu steht ein elektronisches Registrierungssystem gratis zur Verfügung. Im Juni 2014 wurde zudem eine neue digitale Plattform für Luftfahrtdaten angekündigt, wodurch die Sicherheit verbessert werden soll.

Die Sust hat die Untersuchungen des schweren Vorfalls abgeschlossen.