Kolumne

«Gehen Sie auswärts essen, falls es für Sie finanziell möglich ist»

Ralph Aschwanden über veranstaltungslose Abende und das Hochfahren von Konzerten und Trainings.

Ralph Aschwanden
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Ralph Aschwanden, Vorsteher Amt für Kultur und Sport des Kantons Uri.

Ralph Aschwanden, Vorsteher Amt für Kultur und Sport des Kantons Uri.

Bild: PD

Nun geht’s in der Schweiz also nach und nach wieder los. Schritt für Schritt, oder besser gesagt Schrittchen für Schrittchen geht es wieder aufwärts. Endlich wieder Konzerte. Endlich wieder Trainings. Endlich wieder Veranstaltungen. Sie werden nach und nach wieder erlaubt – wenn auch mit Einschränkungen.

Ich würde lügen, wenn ich einige der veranstaltungslosen Abende der letzten Woche nicht auch genossen hätte. Anstelle von zahlreichen Anlässen, Versammlungen, Sitzungen, Vernissagen oder Konzerte habe ich die Abende mit dem «Verrückten Labyrinth» oder «Monopoly» gemeinsam mit meiner Familie verbracht. Oder dann beim Joggen, Wandern, Spazieren oder Velofahren.

Und dennoch bin ich froh, dass wir uns jetzt wieder mehr erlauben können, einen Teil unseres gewohnten Umfelds wieder geniessen dürfen. Denn die Coronamassnahmen waren in meinem Arbeitsumfeld von Kultur, Sport und Jugendförderung in den vergangenen Wochen das alles dominierende Thema. Zahlreiche professionelle Kulturschaffende, Kulturunternehmen, Jugendtreffs sowie Laienvereine in Sport und Kultur konnten ihre Tätigkeit nicht mehr ausüben. Von einem Tag auf den anderen mussten sie sich vor allem mit Verschiebungen, Absagen, Erwerbsersatzmassnahmen und Kurzarbeit beschäftigen, anstatt kreativ tätig zu sein.

Einige von ihnen mussten und müssen sogar um ihre berufliche Lebensgrundlage bangen. Neben den finanziellen Einbussen war es vor allem das «Nichts-tun-» und «Nichts-planen-können», das viele Personen aus dem Kultur- und Sportbereich bedrückte. Die Ungewissheit, wann was wieder möglich sein würde, hemmte viele. Für sie bedeuten die aktuellen schrittweisen Lockerungen, dass es in den kommenden Wochen wieder aufwärtsgeht – wenn auch je nach Tätigkeitsfeld in unterschiedlichem Tempo. So werden gewisse Branchen noch mehrere Monate unter den direkten finanziellen Folgen zu leiden haben.

Im Kultur- und Sportbereich heissen die Lockerungen indes, dass viele Tätigkeiten wieder möglich sind. Trainings in Sportvereinen sind wieder mit Einschränkungen erlaubt, Proben von Musikvereinen können wieder stattfinden, Versammlungen werden wieder durchgeführt. Schon bald werden wieder Konzerte auf den Bühnen stattfinden, Fussballschuhe geschnürt oder Vereinslokale geöffnet. Auch ich freue mich, dass ich demnächst wieder in «meinem» Musikverein gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen proben kann und wir das Herbstkonzert planen können.

Der Geruch von Desinfektionsmitteln, die stetige Präsenz von Masken und die allgegenwärtigen Erinnerungen zum Abstandhalten ermahnen uns aber, dass es weiterhin gewisse Regeln einzuhalten gilt. Nicht alles ist möglich. Viele Betriebe leiden weiterhin darunter, dass sie nur eingeschränkt öffnen können. Wir alle können ihnen helfen: Gehen Sie auswärts essen, falls es für Sie finanziell möglich ist. Besuchen Sie die angebotenen Veranstaltungen in den kommenden Wochen. Benutzen Sie die lokalen Wandermöglichkeiten, fahren Sie mit den Seilbahnen, kaufen Sie lokal ein. Und halten Sie sich an die Abstandsregeln und Vorsichtsmassnahmen. Denn dann können wir baldmöglichst auch ohne Schutzmaske sagen: Bühne frei!