BUNDESGERICHT: Mutmassliche Mörderin bleibt auf freiem Fuss

Die blosse Möglichkeit einer Fluchtgefahr rechtfertigt noch keine Sicherheitshaft. Dies hat das Bundesgericht im Fall eines Tötungsdelikts in Altdorf entschieden.

Drucken
Teilen
Innenansicht eines Gerichts. (Symbolbild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Innenansicht eines Gerichts. (Symbolbild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Die heute 53-jährige Frau war im April und Mai 2007 unter anderem wegen Mordes durch Unterlassung an ihrer behinderten Stieftochter zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren und einer Busse verurteilt worden. Freigesprochen wurde sie vom Vorwurf der Tötung ihres damals 80-jährigen, pflegebedürftigen Ehemannes. Die Vorfälle sollen sich 2000 in Altdorf ereignet haben. Im Berufungsverfahren im vergangenen Mai sprach das Obergericht des Kantons Uri die Frau aus Ex-Jugoslawien zwar von der Tötung ihrer Stieftochter frei, verurteilte sie aber wegen vorsätzlicher Tötung ihres Ehemannes zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren und einer Busse. Das entsprechende schriftliche Urteil steht noch aus.

Gesuch gestellt
Am vergangenen 28. Mai erliess die stellvertretende Vorsitzende der strafrechtlichen Abteilung des Obergerichts einen Haftbefehl und ordnete die Verhaftung der Frau zur Sicherung des Strafvollzuges wegen Fluchtgefahr an. Die Frau stellte in der Folge ein Gesuch um umgehende Haftentlassung und bestritt das Vorliegen von Fluchtgefahr, da sie bereits bisher in Freiheit gewesen sei. Als das Gesuch abgewiesen wurde, erhob die 53-Jährige Beschwerde beim Bundesgericht.

Flucht unwahrscheinlich
Die Richter in Lausanne haben die Beschwerde nun mit vier zu eins Stimmen gutgeheissen. Eine Sicherheitshaft wegen Fluchtgefahr sei nur dann zulässig, wenn die Fluchtgefahr auch wahrscheinlich sei. Die blosse Möglichkeit einer Fluchtgefahr reiche nicht, urteilten die Richter. So habe die Frau die angeordneten Massnahmen nach ihrer Entlassung aus der Untersuchungshaft während fast sieben Jahren immer erfüllt. Eine Fluchtgefahr sei deshalb zwar nicht gänzlich auszuschliessen, aber auch nicht wahrscheinlich. Die Frau aus Ex-Jugoslawien muss nun sofort aus der Sicherheitshaft entlassen werden.

ap