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BUNKER: Wo Firmen ihre Geheimnisse lagern

Vor zehn Jahren hat die Firma Deltalis den ehemaligen Kommandobunker K7 in Attinghausen gekauft. Entstanden ist eines der grössten Rechenzentren der Schweiz – inklusive «Private Suites».
Raphael Zemp
Alles streng geheim: Der Eingang zum Bunker K7 in Attinghausen wird mit Videokameras überwacht. (Bild: Archiv «Urner Zeitung»)

Alles streng geheim: Der Eingang zum Bunker K7 in Attinghausen wird mit Videokameras überwacht. (Bild: Archiv «Urner Zeitung»)

Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch

Bis 2005 war der Bunker K7 eine hochgeheime Kommandozen­trale der Schweizer Armee. Zwei Jahre später hat ihn die Firma Deltalis gekauft und umgenutzt – ein Schicksal, das auch andere Bunker im Kanton ereilte (siehe Kasten). Was sich heute im Felsen abspielt, ist hingegen nicht minder geheim: Banken, Cloud-Anbieter, Krypto-Firmen sowie sonstige Grossunternehmen aus der ganzen Welt lagern hier ihre sensibelsten Daten oder wickeln hier wichtige Geschäfte ab. Selbst Frank Harzheim, Geschäftsführer von Deltalis, weiss nicht immer alle Details zu dem, was seine Kunden an Hardware in die massiven Metallgestelle einbauen, geschweige denn, welche Daten dort zirkulieren. «Als neutraler Anbieter sind wir lediglich für Infrastruktur und Unterhalt zuständig.»

Und selbst wenn er es wüsste: Harzheims Geschäft basiert ­auf Sicherheit und Diskretion; Schweigen ist Geld. Der Wunsch nach Abschottung geht sogar so weit, dass in Einzelfällen hinter meterdickem Fels zusätzliche Mauern hochgezogen werden, weil Harzheims Kunden in der Regel ihre Rechen-Racks in einem separaten Raum aufgestellt wissen wollen. «Private ­Suite» nennt sich das im Fachjargon.

15000 Quadratmeter misst der Bunker, verteilt auf drei Etagen. Zwei Drittel davon lassen sich effektiv nutzen. Wie viel davon schon mit Rechnern vollgestellt ist, gibt Harzheim ebenso wenig preis wie die Anzahl nachträglich eingezogener Mauern. Er lässt einzig durchblicken, dass die Kapazitäten des Bunkers noch nicht ausgeschöpft sind, wenn er sagt: «Wir nehmen bald die nächste Ausbauphase in Angriff.»

Rechenzentrum produziert hohe Stromrechnung

Mit Schweigen quittiert Harzheim auch die Frage nach den Investitions- sowie jährlich anfallenden Unterhaltskosten. Klar ist: Nebst den Löhnen der Mitarbeiter sind die Stromkosten der grösste Ausgabenposten. «Mit effizienter Kühlung lässt sich einiges einsparen.» Um eine solche zu entwickeln, hat Deltalis im Bunker eigens ein Innovations-Lab eingerichtet. Seit Mitte Monat wird dort an einer «Tauch-Siede-Kühlung» getüftelt. Wie viel Strom das Rechenzentrum im Fels verbraucht? «Gleich viel wie andere Rechenzentren», weicht Harzheim aus und fügt immerhin an: «Wir verwenden ausschliesslich zertifizierten Urner Öko-Strom aus Wasserkraft, zu hundert Prozent CO2-frei.»

Der Daten-Bunker von Deltalis hat zudem auch ein ISO-Zertifikat erlangt sowie ein weiteres Zertifikat, das die Abgeschirmtheit des Rechenzentrums im Fels gegen elektromagnetische Strahlungen bestätigt. Das habe Zeit gekostet, sagt Harzheim, ebenso das Unternehmen international klar zu positionieren. Einen Bunker in der Westschweiz hat man aufgegeben, ebenso wie das anfänglich beabsichtigte Geschäft mit Einlagern von Wertge­gen­ständen und Edelmetallen. «Rich­tig aktiv geworden im Vertrieb sind wir deshalb erst in den letzten Jahren.»

Standortvorteil der Schweiz wird ausgenutzt

Unterdessen ist Harzheims Geschäft in die Gänge gekommen und verzeichnet ein stetiges Wachstum – wenn auch «kein schnelllebiges». Dem Rechenzentrum prophezeit Harzheim eine rosige Zukunft, auch weil Menschen im Umgang mit Daten immer sensibler würden. «Sie wollen wissen, wo sich die IT tatsächlich befindet.» Und gerade in diesem Punkt gelte es den Schweizer Standortvorteil international auszuspielen: «Die Schweiz ist eines der stabilsten Länder mit einer hervorragenden Infrastruktur.» Gibt es einen Ort, der noch sicherer ist als ein ehemaliger Geheimbunker der Armee, gebaut, um einen Nuklearkrieg zu überdauern?

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