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CANNABIS: Jeder dritte 15-Jährige hat schon gekifft

Kiffen ist nicht mehr so beliebt wie vor einem Jahrzehnt. Nun zeigt eine neue Erhebung erstmals, wie oft Urner Jugendliche zum Joint greifen.
Matthias Stadler
Gemäss der Studie hat jeder dritte Urner im Alter von 15 Jahren mindestens ein Mal Cannabis konsumiert. (Symbolbild) (Bild: Keystone)

Gemäss der Studie hat jeder dritte Urner im Alter von 15 Jahren mindestens ein Mal Cannabis konsumiert. (Symbolbild) (Bild: Keystone)

Matthias Stadler

Die Kantonspolizei Uri konnte in letzter Zeit einige Erfolge im Kampf gegen den Marihuana-Konsum vermelden (Ausgabe vom 21. April). Vor allem Jugendliche wurden bei den Polizeikontrollen verzeigt. Und 2015 wurden im Vergleich zum Vorjahr massiv mehr Cannabis-Fälle registriert («Zentralschweiz am Sonntag» vom 8. Mai). Dass sich ein neues Kiffer-Problem im Kanton abzeichnet, wollen Experten aber weder bestätigen noch in Abrede stellen. So sagt etwa Christoph Schillig, Leiter der Jugendberatungsstelle Kontakt Uri, dass die Häufung auch Zufall sein könne.

Eine neue Studie, die unserer Zeitung exklusiv vorliegt, zeigt nun erstmals, wie oft 14- und 15-jährige Jugendliche in den Kantonen Uri, Nid- und Obwalden kiffen. Die Studie wurde von Sucht Schweiz, der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme, im Jahr 2014 durchgeführt. Dies im Zusammenhang mit der internationalen Studie «Health Behaviour in School-aged Children», welche das Gesundheitsverhalten europäischer Jugendlicher untersucht.

Urner Männer über CH-Durchschnitt

Markant ist, dass mehr als jeder dritte männliche Jugendliche (34,2 Prozent) aus Uri, Nid- und Obwalden im Alter von 15 Jahren bereits mindestens einmal im Leben Cannabis konsumiert hat. Zum Vergleich: Schweizweit haben rund 30 Prozent der gleichaltrigen jungen Männer schon einmal gekifft. Bei den Frauen hat mit 21,1 Prozent jede fünfte in Uri, Nid- und Obwalden bereits mindestens einmal Marihuana zu sich genommen. Landesweit liegt dieser Wert bei 19,2 Prozent.

Bei den 14-Jährigen liegen diese Zahlen tiefer. So kiffen Urner, Nid- und Obwaldner in diesem Alter noch deutlich seltener als ihre um ein Jahr älteren Kollegen. 16,7 Prozent der Burschen haben mit 14 Jahren bereits mindestens einmal gekifft. Damit greifen sie auch seltener zum Hanf als die restlichen Schweizer in diesem Alter (21,1 Prozent). Bei den gleichaltrigen Mädchen sind es 9,2 Prozent in Uri, Nid- und Obwalden (schweizweit 10,4 Prozent).

Konsum nimmt seit 2002 ab

Ob die Anzahl der jugendlichen Kiffer in Uri, Nid- und Obwalden zu- oder abgenommen hat, könne nicht eruiert werden, wie Markus Fehlmann erklärt. Er ist Beauftragter für Gesundheitsförderung und Prävention im Kanton Uri. Diese Zahlen seien für die erwähnten Kantone so zum ersten Mal repräsentativ ausgewiesen worden. «Meine Einschätzung ist, dass der Cannabiskonsum in unserer Region rückläufig ist.» Er verweist auf Zahlen von Sucht Schweiz, die aufzeigen, dass der Hanfkonsum im Jahr 2002 schweizweit am höchsten war und seither stetig abnimmt – für Uri, Nid- und Obwalden verhalte es sich wohl ähnlich. Knapp 46 Prozent der 15-jährigen Männer und 37 Prozent der gleichaltrigen Frauen gaben damals an, mindestens einmal in ihrem Leben Cannabis konsumiert zu haben. Danach sank der Wert kontinuierlich auf die erwähnten 30 Prozent bei den Burschen und 19,2 Prozent bei den Frauen im Jahr 2014.

Jugendliche treiben vermehrt Sport

Fehlmann erklärt sich den abnehmenden Cannabiskonsum mit verschiedenen Gründen. «Wir stellen bei den Jugendlichen einen Trend zu mehr körperlicher Aktivität in Form von Sport und Bewegung fest.» Dies habe auch mit Gesundheitsförderungsprojekten zu tun. So würden an den Volksschulen Projekte zur Förderung der Bewegung sowie Trendsportarten durchgeführt. «Wir wollen damit aufzeigen, was mit Bewegung alles erreicht werden kann», sagt Fehlmann. Zudem würden Smartphones zunehmend wichtiger, was wiederum auf das Freizeit- sowie das Konsumverhalten einen Einfluss habe. Der Experte sagt aber auch, dass es Wellenbewegungen beim Cannabiskonsum gebe, dementsprechend könne es auch wieder Zeiten mit vermehrtem Kiffen geben. «Aber ich erwarte trotzdem, dass sich das auf dem jetzigen Niveau einpendeln wird.» Wichtig aus Sicht der Prävention sei, dass ein risikoarmer und vernünftiger Umgang mit Marihuana gefunden werden kann. «Denn alles aus der Welt zu schaffen, ist nicht das Ziel der Prävention.»

Bezug von Eltern und Bekannten

Betrachtet man nur die vergangenen 30 Tage, fällt die Anzahl der kiffenden Jugendlichen ab. Knapp 15 Prozent der männlichen 15-Jährigen haben in Uri, Nid- und Obwalden innert Monatsfrist mindestens einmal Hanf geraucht. Damit liegen sie im Landesschnitt. Bei den Frauen liegt dieser Wert bei 8,3 Prozent und damit rund 2 Prozentpunkte unter dem Schnitt. Bei den 14-Jährigen haben 8,2 Prozent der Burschen innerhalb des vergangenen Monats mindestens einmal Cannabis konsumiert. Die Frauen kommen auf 3,1 Prozent.

Doch woher beziehen die Jugendlichen eigentlich ihr Marihuana? In knapp mehr als der Hälfte der Fälle beziehen sie es über Kollegen, Eltern, Geschwister oder andere ihnen bekannte Personen. Jeder Zehnte kauft Marihuana in illegalen Geschäften oder im Ausland. Neun Prozent bauen es selbst an, und weitere neun Prozent kaufen Gras von einer ihnen unbekannten Person.

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