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CASTING: «Das reicht höchstens zum Geissbub»

Geplant ist eine Grossproduktion mit über 600 Statisten: Ihr Glück haben auch zwei Redaktoren unserer Zeitung versucht. Doch genügt ein Hals ohne Tattoo?
Anian Heierli und Elias Bricker
Die beiden Redaktoren der «Neuen Urner Zeitung» Anian Heierli (links) und Elias Bricker lassen sich beim Casting vermessen und fotografieren. (Bilder Elias Bricker und Anian Heierli)

Die beiden Redaktoren der «Neuen Urner Zeitung» Anian Heierli (links) und Elias Bricker lassen sich beim Casting vermessen und fotografieren. (Bilder Elias Bricker und Anian Heierli)

Anian Heierli und Elias Bricker

«Kräftige Männer» und Typen mit «urchigem Aussehen»: Die Produktionsfirma Zodiac Pictures sucht momentan im Kanton Uri rund 600 Statisten für einen historischen Spielfilm über den Bau des Gotthardtunnels vor 140 Jahren. «Dieses Profil ist genau auf uns zugeschnitten», sagten sich die Redaktoren der «Neuen Urner Zeitung», Anian Heierli und Elias Bricker. Deshalb haben sie am Mittwoch am Casting im Theater Uri in Altdorf teilgenommen. Doch ob Heierlis Fitnesstraining und Brickers grimmiger Blick für eine Rolle reichen? «Nein», sagt Redaktionsleiter Bruno Arnold. «Mit ihrem schütteren Bartwuchs erhalten die beiden allerhöchstens eine Rolle als Göschener Geissbub. Richtige Mineure hatten einen Bart.»

Heierli und Bricker dürfen hoffen

Gedreht wird im September in Andermatt, Ilanz GR und in der Stadt Luzern. Der Zweiteiler soll nächstes Jahr an der Neat-Eröffnung im Schweizer Fernsehen SRF ausgestrahlt werden. Regie führt Urs Egger. Mehr wollen die Verantwortlichen noch nicht verraten. Die Produktionsfirma Zodiac Pictures hatte in der Vergangenheit bereits mit Filmen wie «Achtung, fertig, Charlie!» oder «Stationspiraten» für Aufsehen gesorgt. Und momentan produziert sie auch den neuen «Heidi»-Film. Sollte es Heierli und Bricker für eine Rolle als Mineur nicht reichen, besteht also immer noch Hoffnung für eine Rolle als Geissbub ...

Statistensuche am Open Air

«Wir suchen Leute in jedem Alter», sagt Regieassistentin Jessica Hefti, die das Casting leitete. «Wichtig ist einfach, dass die Statisten keine Tattoos am Hals oder im Gesicht haben.» Da haben die beiden Redaktoren also nochmals Glück gehabt. «Zudem sollte ihr Bauchumfang nicht zu gross sein», sagt Hefti. Damals seien die Menschen eher unterernährt als übergewichtig gewesen. Für die Produktion des historischen Films werden aber speziell viele junge Männer gesucht. Doch als die beiden Redaktoren Anian Heierli und Elias Bricker beim Casting eintreffen, warteten dort neben vereinzelten jungen Männern vor allem Pensionierte und einige Mütter mit Kindern. «Das ist bei Castings oft so», sagt Hefti. Pensionierte und Kinder hätten unter der Woche am ehesten Zeit. Das habe man auch bei den Castings in Chur und Flims vergangene Woche gesehen. Junge müsse man direkt auf der Strasse angehen. Zudem habe sie am Wochenende am Bündner Open-Air Lumnezia nach Charakterköpfen gesucht. Mit Erfolg. Gestern gabs zudem ein weiteres Casting in Andermatt.

«Schöggeli» statt Kaviar

Das Casting in Altdorf verlief weniger glamourös, als man es von einer so grossen Filmproduktion erwarten würde. Lachs- oder Kaviarbrötchen suchte man vergebens, stattdessen gab es «Schöggeli». «Spätestens an diesem Punkt haben wir gemerkt, dass wir noch nicht zu den ganz Grossen im Filmbusiness gehören – noch nicht», sagt Elias Bricker mit einem Lachen. «Hier waren wir zwei von vielen.» Heierli wurde zur Nummer 507 und Bricker zur Nummer 508.

Vorsprechen und Shakespeare rezitieren? Fehlanzeige. Stattdessen drückte Casting-Assistentin Anna Sigrist den Redaktoren Kugelschreiber und ein Formular in die Hand. Die Fragen darauf bezogen sich hauptsächlich auf körperliche Eigenschaften: Grösse, Gewicht, Augenfarbe, Haarfarbe und Schuhgrösse. Danach wurden den beiden Redaktoren Kopf- und Bauchumfang gemessen. Die zwei Casting-Verantwortlichen wollten sichergehen, dass unsere Redaktoren in die Kostüme passen. Danach schoss die Regieassistentin mehrere Fotos: Nahaufnahmen vom Gesicht und Ganzkörperaufnahmen. Zudem mussten die beiden angeben, wann sie Zeit hätten, an einem Dreh mitzumachen. Lange Ferien im September können sich Statisten nicht leisten. Denn vor allem für die Massenszenen werden sie gebraucht.

Sprechrolle bleibt ein Traum

Bereits nach 15 Minuten war das Casting für unsere Redaktoren vorbei. Doch ob die beiden wirklich eine Rolle als Mineure erhalten, ist noch offen. «Nächste Woche werden wir Post erhalten», sagt Anian Heierli. «Doch ich bin überzeugt: Unsere Chancen auf eine Rolle als Mineure stehen sehr gut.»

Für eine Sprechrolle dürfte es aber nicht reichen. Denn Heierlis Bündner-Dialekt ist bei der Gotthard-Doku weniger gefragt, und bei Bricker hapert es an mangelnder Erfahrung. «Es gibt nur wenige Statistenrollen mit Text», sagt Regieassistentin Jessica Hefti. «Doch als Edelstatisten nehmen wir fast nur Leute, die wissen, wie es auf dem Set läuft.»

Pro Drehtag würden unsere Redaktoren 100 Franken erhalten. Von der grossen Hollywoodkarriere mit den saftigen Gagen sind sie also noch weit entfernt. Doch selbst Hollywoodstar Clint Eastwood hat einst mit ganz kleinen Rollen angefangen, allerdings nicht als Geissbub ...

Hinweis

Die Produzenten suchen weiterhin Statisten. Interessierte melden sich unter www.central­casting.ch per E-Mail mit Fotos an info@centralcasting.ch. Name, Alter, Grösse, Adresse und Handynummer sind zu vermerken.

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