«Cheddite» gibt Produktion an Isleten auf

Das traditionsreiche Unternehmen, das einst für den Gotthard-Tunnelbau Dynamit herstellte, produziert noch bis im ersten Quartal 2020. Das Gelände soll touristisch genutzt werden.

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Das Areal der Sprengstofffabrik Cheddite an der Isleten. (Bild: Lucien Rahm, Bauen, 27. November 2019)

Das Areal der Sprengstofffabrik Cheddite an der Isleten. (Bild: Lucien Rahm, Bauen, 27. November 2019)

(zf) Die Sprengstofffabrik Cheddite an der Isleten ist bald Geschichte. «Der Verwaltungsrat der Schweizerischen Sprengstoff AG Cheddite hat beschlossen, die Produktion von Explosivstoffen und insbesondere von Nitroglyzerin für pharmazeutische Zwecke im ersten Quartal des Jahres 2020 aufzugeben», heisst es in einer Mitteilung. Damit neigt sich eine lange Ära der Sprengstofffabrikation seit dem Bau des Gotthard-Eisenbahntunnels ab 1873 dem Ende zu.

Mehrere langjährige Mitarbeiter mit grosser Erfahrung im Fabrikationsbereich sind bereits pensioniert oder stehen kurz davor. Durch diese Tatsache wurde der Entscheid des Verwaltungsrates zusätzlich begünstigt. Entlassungen oder Pensenreduktionen werden nur sehr wenige Personen betreffen.

Halbinsel soll verschiedene Möglichkeiten bieten

Durch den Wegfall der Produktion von Explosivstoff kann das Areal bald anders genutzt werden. Zum einen könne die Vermietung an kleine Gewerbebetriebe oder Einzelpersonen ausgedehnt werden. «Gleichzeitig wird nun intensiv an der Entwicklung von zukunftsträchtigen Projekten im Tourismusbereich gearbeitet», heisst es in der Mitteilung weiter. Möglich macht dies auch die Altlastensanierung, die in den vergangenen 7 Jahren durchgeführt wurde. «So rechnen wir damit, dass die Halbinsel Isleten in den nächsten Jahren verschiedene Möglichkeiten für neue Nutzungen bieten wird», schreibt Geschäftsführer Markus Sigrist.

Von 1873 bis 2001 wurden in Isleten vorwiegend «gelatinöse Sprengstoffe» (Dynamit), aber auch «Anfo-Sprengstoffe» (Ammoniumnitrat mit Heizöl) hergestellt. Aus wirtschaftlichen Gründen und als direkte Folge der Störfallverordnung hörte die Cheddite im Herbst 2001 mit deren Produktion auf. Im Jahr 2003 gelang es, auf dem Markt mit Nitroglyzerin für pharmazeutische Zwecke Fuss zu fassen, mit wesentlich kleineren Explosivstoffmengen, aber einer um einiges besseren Wertschöpfung.

Technik wird verdrängt

«Nitroglyzerin hat neben seiner explosiven Eigenschaft auch die pharmazeutisch interessante Wirkung der Erweiterung der Blutgefässe», heisst es in der Mitteilung. Diese wird zur Behandlung von Angina Pectoris und anderen Krankheiten genutzt. Nach anfänglicher Lieferung an einen einzigen Kunden im Inland wurde der Kundenkreis in den vergangenen Jahren auf mehrere weitere Kunden im Ausland ausgeweitet, so auf die Ukraine, die Türkei, aber auch bis nach Südamerika. «Dennoch ist tendenziell langfristig mit einem weltweit abnehmenden Bedarf an Nitroglyzerin als Pharma-Wirkstoff zu rechnen, da neue Medikamente mit weniger Nebenwirkungen und operative Techniken die Salpetersäureester wie das Nitroglyzerin zunehmend verdrängen.»

Die Nitrieranlage, die früher 2-3 Mal pro Woche ganztags lief, werde für die Pharma-Produktion nur noch 3-4 Mal pro Jahr während 2 Stunden gebraucht, was ebenfalls eine zusätzliche Herausforderung darstelle, dies etwa wegen des Erhalts des Know-hows für die Bedienung der äusserst anspruchsvollen Apparatur. Erschwerend kämen auch zunehmende Auflagen im Umwelt- und Sicherheitsbereich sowie immer strengere Qualitätssicherungsanforderungen an die pharmazeutische Industrie dazu, und dies bei eher sinkenden Preisen.

Nitroglyzerin-Produktion bleibt in der Schweiz

Die Kunden im In- und Ausland könnten künftig das Nitroglyzerin von der Société Suisse des Explosifs (SSE) in Gamsen / Brig mit der Pharma-Division Valsynthese beziehen. Diese Firma mit ebenfalls sehr langer Tradition stellt neben Sprengstoffen und Feinchemikalien auch Nitroglyzerin für Pharma-Zwecke her. Die SSE wird auch einen grösseren Teil der Cheddite-Produktionsmaschinen übernehmen. «Es ist erfreulich, dass damit die Nitroglyzerin-Produktion für pharmazeutische Zwecke in der Schweiz erhalten bleibt und durch die Konzentration auf eine Firma sogar gefestigt wird», so der Cheddite-Geschäftsführer Markus Sigrist.