CHEDI: «Wir verdienen in Andermatt nun Geld»

Unternehmer Samih Sawiris hat mit seinem Urner Luxus-Hotel erstmals Gewinn gemacht. Und er verrät, dass er Interesse am Reiseveranstalter Kuoni hat.

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Der Unternehmer Samih Sawiris ist mit seinem Hotelprojekt in Andermatt auf Erfolgskurs. (Bild: Nadia Schärli)

Der Unternehmer Samih Sawiris ist mit seinem Hotelprojekt in Andermatt auf Erfolgskurs. (Bild: Nadia Schärli)

Interview Dominik Buholzer

ITB in Berlin. Die weltgrösste Tourismusfachmesse verlangt vom ägyptischen Unternehmer Samih Sawiris Stehvermögen. Ein Gesprächstermin reiht sich an den anderen. Und zwischendurch informiert er sich über die Regierungsumbildung in Ägypten. Präsident Abd al-Fattah al-Sisi hat mehrere Minister ausgewechselt, unter anderem auch jenen, der für den Tourismus zuständig gewesen ist. Samih Sawiris schüttelt beim Lesen der Nachrichten immer wieder den Kopf. «Sind Sie nicht zufrieden?» Sawiris lässt sich nicht auf die Äste hinaus. «Lassen Sie uns über die Messe hier sprechen», schlägt er vor.

Sie hatten soeben Besuch von der Chefetage von Kuoni ...

Samih Sawiris: (lacht) ... man kennt sich. Mit Peter Meier (der Finanzchef von Kuoni, Anm. d. Red.) pflege ich schon seit längerem Kontakt. Es gehört sich, dass man an solchen Veranstaltungen wie der ITB miteinander diskutiert. Und Sie wissen: Kuoni will sein Reisegeschäft veräussern. Wir beobachten dies mit Neugierde.

Ist Kuoni ein Thema für Sie?

Sawiris: Dafür ist es noch viel zu früh. Wir wissen erst Ende März, welches die Bedingungen sein werden.

Aber haben Sie grundsätzlich Interesse am Reisegeschäft von Kuoni?

Sawiris: Im Prinzip hat Kuoni einige Elemente, die sehr gut zur FTI-Gruppe passen würden. Deshalb haben sie unsere Neugierde geweckt, deshalb machen wir uns unsere Gedanken. Aber wir wissen heute noch nicht, ob Kuoni das Reisegeschäft als Ganzes verkauft, oder ob man auch Teile daraus übernehmen kann. Wenn Kuoni nur einen einzigen Käufer sucht, ist dies für uns kein Thema mehr. Denn es gibt Bereiche, die interessieren mich nicht. Ich will beispielsweise nicht in Indien tätig werden.

Welche Bereiche von Kuoni würden Sie denn interessieren?

Sawiris: Ich möchte darüber nicht reden. Es ist noch zu vieles unklar. Deshalb freut es uns, enger mit den Leuten von Kuoni in Kontakt zu kommen und mehr mit ihnen zu diskutieren.

Das «Chedi» in Andermatt hat jetzt dann bald seine zweite Wintersaison hinter sich. Wie lief es heuer bislang?

Sawiris: Es lief viel besser als noch vor einem Jahr. Wir haben wenigstens ein wenig Geld verdient. Das haben wir so nicht erwartet.

Also lag die Auslastung über den 50 Prozent vom Vorjahr?

Sawiris: Unter dem Strich zählt nicht die reine Auslastung, sondern wie viel man eingenommen und ausgegeben hat. Und so lange die Einnahmen höher sind als die Ausgaben, halte ich meinen Mund und kritisiere nicht so viel. Für mich war es im letzten Jahr alarmierend, dass wir selbst in der Hochsaison Geld verloren hatten.

Aber im ersten Jahr mussten Sie ja damit rechnen.

Sawiris: Das sagen Sie. Ich war besorgt. Ich habe mich gefragt, ob uns irgendein Fehler unterlaufen ist, oder ob es wirklich nur daran liegt, dass die Leute nicht geglaubt haben, dass wir das Hotel rechtzeitig eröffnen. Nun gut, jetzt, im zweiten Jahr, weiss ich, dass Letzteres der Grund dafür war.

Das «Chedi» in Andermatt macht neugierig. Zahlreiche klingende Namen wie Naomie Campell sollen schon gekommen sein. Stimmt es, dass auch der Emir von Katar in Andermatt war?

Sawiris: Nicht dass ich wüsste. Aber es kommen tatsächlich sehr viele prominente Gäste nach Andermatt. Und nicht nur aus den arabischen Staaten, sondern von überall. Wir haben unter anderem viele Gäste aus Amerika, weil die «New York Times» vor einem Jahr geschrieben hat, wer nicht in Andermatt war, hat etwas verpasst. Wir können uns nicht beklagen. Das «Chedi» wird weltweit gelobt. Davon profitieren wir jetzt.

Zu viel Lob?

Sawiris: Nein, nein, das «Chedi» ist schon ein sehr spezielles Hotel. Nicht weil es von mir ist. Ich bin ja selber überrascht, wie gut es rausgekommen ist. Ich hatte mir dies im Vorfeld selbst nicht vorgestellt.

Seit dem 15. Januar gibt es den Mindestkurses nicht mehr. Spüren Sie das?

Sawiris: Natürlich ist dies ein weiteres Handicap. Für uns ist der Entscheid allerdings nicht so dramatisch, weil die Schweiz sowieso für ausländische Gäste so teuer ist, und wir in der obersten Klasse tätig sind. Schlimmer war die Ungewissheit, wann der Wechsel kommt. Dies mögen die Menschen nicht.

Ihr jüngstes Projekt führt Sie nach Montenegro. Sie wollen auf einer winzigen Insel ein Hotel bauen. Werden Sie damit jemals Geld verdienen?

Sawiris: Nein.

Und Sie machen es trotzdem?

Sawiris: So wie das «Chedi» Andermatt verholfen hat, weltweit mitzuspielen, möchte ich, dass diese Insel Montenegro zu Aufmerksamkeit verhilft. Die Botschaft ist: Kommt nach Montenegro, dort gibt es die coolste Insel mit dem coolsten Hotel auch wenn es nur 20 Zimmer hat. Aber wenn Sie schon kommen, werden Sie hoffentlich ganz in der Nähe in Lustica Bay absteigen, wo ich eine riesige Ferienanlage entwickle, oder zumindest ihr Boot dort anlegen oder eine Villa kaufen. Das Projekt bereitet mir Freude, es motiviert mich.

Bleibt die Schweiz für Sie ein Thema? Oder anders gefragt: Können Sie sich vorstellen, ein weiteres Projekt in der Schweiz zu verwirklichen?

Sawiris: Grundsätzlich schon. Die Frage ist nur wann. Wenn Sie mich heute fragten, bekämen Sie einen abschlägigen Entscheid. Ich muss mich disziplinieren. Ich kann mich nicht um ein zweites Grossprojekt kümmern, so lange das andere noch meine volle Aufmerksamkeit benötigt. In Andermatt müssen wir weiterhin die Basis schaffen, damit sich das Resort selber weiterentwickeln kann. Dazu müssen wir das zweite Hotel mit der Schwimmhalle bauen, die Skianlagen erneuern und ausbauen sowie das Golfclubhaus fertigstellen.

Am Donnerstag gaben Sie bekannt, dass Sie in den nächsten zwei Jahren 10 Millionen Franken zur Unterstützung der Raiffeisen-Reisebüros ausgeben. Weshalb?

Sawiris: Mit diesen 10 Millionen wollen wir die Umstände für die Angestellten dieser 6000 Reisebüros verbessern. Es geht nicht an, dass sie keine anständigen Gehälter ausbezahlt bekommen. Die Angestellten verdienen so wenig, dass langsam die Qualität darunter leidet. Das ist verheerend. Wir leben von diesen Menschen. Sie sind unser Kapital.

Heisst das, dass Sie an die Zukunft der Reisebüros glauben?

Sawiris: Nur wenn die Reisebüros mehr aus ihrem Potenzial herausholen. Diese Büros müssen zu einem privaten Con­cierge-Service werden, etwas, das das Internet nicht bieten kann. Es ist wie in einem Hotel. Sie können heute in zahlreichen Häusern mit ihrem Smartphone oder Tablet das Licht oder den Fernseher steuern. Aber wenn Sie einen Ratschlag brauchen, dann wenden Sie sich noch immer am besten an den Hotelempfang.

Wie soll die Hilfe fliessen?

Sawiris: Das genaue Konzept werden wir jetzt ausarbeiten. Wir suchen Wege, wie wir den Kunden, den Hotels und den Reiseveranstaltern mehr bieten und etwas mehr verdienen können. Das werden wir dann unseren Angestellten zugutekommen lassen. Es steht auch noch offen, wann wir damit anfangen.

Aber Sie haben doch sicherlich irgendwelche Vorstellungen?

Sawiris: Schauen Sie: Die Medien werden davon erfahren, wenn wir die Mitarbeiter informiert haben. Das ist uns ganz wichtig.