Chefarzt Innere Medizin des Kantonsspitals Uri: «Nur wenn nötig, werden wir geplante Eingriffe verschieben»

Georg Mang, Chefarzt Innere Medizin des Kantonsspitals Uri, und dessen Stellvertreterin Astrid Hurni haben sich in einer Videobotschaft an die Urner Bevölkerung gewendet. Corona belaste das Spital zwar, derzeit seien aber noch Betten vorhanden, so die beiden.

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(sok/ng) Georg Mang, Chefarzt Innere Medizin, und seine Stellvertreterin Astrid Hurni haben sich am Samstag mit einer Videobotschaft an die Urnerinnen und Urner gerichtet. Die Pandemie gebe dem Spital viel zu tun, auch weil zwei schwer erkrankte, ausserkantonale Patienten auf die Intensivstation aufgenommen wurden, so Mang im Video. Auch auf den Abteilungen sei viel los. Dennoch betont der Chefarzt:

«Wir haben Platz.»

Die Lage werde jeden Tag neu beurteilt. Im Video lobt Georg Mang die gut funktionierende Zusammenarbeit unter den Zentralschweizer Spitälern, insbesondere was die Belegung der Intensivstationen betrifft. «In einem Kanton alleine wäre es nicht mehr möglich gewesen, das System wäre völlig zusammengebrochen», so Mang. Niemand befinde sich derzeit im roten Bereich. Verschlechtert sich die Situation im Spital, so schliesst der Chefarzt die Verschiebung von geplanten Operationen nicht aus. Er erklärt:

«Das ist kein böser Wille, sondern Notwendigkeit, damit wir die Ressourcen für Covid-Patienten haben.»

Vor einer Woche übte Bundesrat Alain Berset scharfe Kritik an Spitälern, die nach wie vor nicht dringliche Eingriffe durchführen. Auf Anfrage hält Georg Mang dazu fest, dass dies auch schon bei der ersten Welle ein Diskussionspunkt war. «Wir beurteilen die Lage täglich mehrmals und halten uns an die Vorgaben des BAG bezüglich Vorhalteleistungen. Wenn wir also Patienten für nicht dringliche Eingriffe aufbieten, dann verfügen wir über ausreichend Kapazitäten.» Zudem gibt er im Gespräch mit unserer Zeitung zu verstehen, dass reguläre, planbare Eingriffe sinnvollerweise möglichst schnell durchgeführt werden. Denn: «Falls wir die nicht dringlichen Operationen weiter nach hinten schieben und gleichzeitig die Spitaleinweisungen von Covid-Patienten weiter ansteigen, könnte es im schlimmsten Fall zu Engpässen in der medizinischen Versorgung kommen, wenn diese Patienten notfallmässig eintreten müssen.» Dies gelte es zu vermeiden, so der Chefarzt.

Personal weiterhin positiv gestimmt, Spitalbesuche nach wie vor möglich

Die aktuelle Gemütslage des Spitalpersonals sei durchaus positiv, hält Mang auf Anfrage fest, denn alle hätten mit steigenden Infektionszahlen gerechnet. «Überrascht wurden wir einzig, dass die Fallzahlen nicht erst Ende Jahr gestiegen sind.» Und auch bei den Spitalbesuchen seien aktuell keine weiteren Einschränkungen geplant. Denn Georg Mang weiss, wie wichtig Besuche für die Spitalpatienten sind: «Man darf die seelische Gesundheit unserer Patienten nicht vernachlässigen.» Seit dem 1. Juni sind Spitalbesuche für Angehörige wieder erlaubt, jedoch unter Einschränkungen. So dürfen beispielsweise nur zwei Personen pro Patientenzimmer zu Besuch sein, die Besucherzeit beträgt maximal 30 Minuten.

Die Bedeutung der seelischen Gesundheit ist auch Astrid Hurni bewusst. Ihr ist es wichtig, dass die Urnerinnen und Urner zu sich und ihrem Gemüt schauen. «Tun Sie sich jeden Tag etwas Gutes, machen Sie sich eine Freude.»

Personen mit Zeichen ernster Erkrankung sollen ins Kantonsspital gehen

In der Videobotschaft bittet Hurni die Bevölkerung, die Schutzmassnahmen einzuhalten und sich bei Symptomen testen zu lassen. Hurni sagt:

«Ich weiss, ich kann mich auf Sie als Partner verlassen. Zusammen schaffen wir das.»

Zudem sollen Personen, die Anzeichen einer schweren Erkrankung aufweisen, sich ins Kantonsspital begeben, auch wenn es sich bei der Erkrankung nicht um Corona handelt: «Kommen Sie ins Spital, wir sind für Sie da.» Eine Ansteckung müssten die Patienten nicht fürchten, da ein Schutzkonzept bestehe. Am Kantonsspital werde mit verlässlichen PCR-Tests gearbeitet, Antigen-Schnelltests seien nur bei bestimmten Patientengruppen zugelassen. Die Kriterien, welche Personengruppen mit Antigen-Schnelltests getestet werden können, wurden vom BAG wie folgt definiert: Symptombeginn vor weniger als vier Tagen, keine Risikogruppenzugehörigkeit sowie keine Anstellung im Gesundheitswesen mit direktem Patientenkontakt.

Erst vor kurzem teilte das Kantonsspital Uri mit, dass Antigen-Schnelltests bereits bestellt wurden. Der Zeitpunkt der Einführung sei aber noch nicht abschliessend definiert, weil Prozesse noch aufeinander abgestimmt werden müssten. «Aktuell verfügen wir über 4000 Antigen-Schnelltests», bestätigt Mang. Das KSU setze aber weiterhin in erster Linie auf die verlässlicheren PCR-Tests: «In nächster Zeit werden wir ein zusätzliches PCR-Gerät kaufen, damit die Testresultate ebenfalls schneller ermittelt werden können.» Antigen-Schnelltests würden nur zum Zug kommen, falls man die PCR-Kapazitäten überschreite. «Davon sind wir im Moment noch weit entfernt», schätzt sich der Chefarzt glücklich.