Corona macht kreativ
Virtuell durch Uri: Geomatiker aus Bürglen geben Einblick in ihre digitale Werkzeugkiste

Weil sie im Herbst einen Informationsanlass absagen mussten, suchten Fachkräfte vom Vermessungsbüro Acht Grad Ost in Bürglen Alternativen, um aktuelle Projekte und Themen im Kanton vorzustellen. Das Resultat ist ein digitaler Rundgang durch Uri.

Kristina Gysi
Merken
Drucken
Teilen

Laien sagt der Begriff «Geomatik» wohl nicht allzu viel. Auch den Beruf des Geomatikers zu erklären, dürfte dem einen oder anderen schwerfallen. Das sind jene Menschen, die man ab und zu am Strassenrand stehen sieht, ein Ding vor sich, das aussieht wie eine grosse Kamera auf langen Stativbeinen. Man weiss vielleicht gerade noch, dass da irgendwas vermessen wird. Und hat ein schlechtes Gewissen, wenn man mit dem Velo vor die vermeintliche Linse fährt, obwohl man gar nicht weiss, ob das in irgendeiner Weise störend ist.

Diesem Unwissen möchte die Urner Abteilung der Firma Acht Grad Ost in Bürglen entgegenwirken. So wurde kürzlich ein virtueller Rundgang lanciert, der anhand einer Karte aktuelle Themen und Projekte visualisiert und in 3D-Form darstellt. Das Vermessungsbüro möchte seinen Kunden und der Öffentlichkeit so die räumliche Vermessung des Kantons Uri näher bringen. Besucher erhalten so etwa eine Vorstellung des möglichen Neubaus am Bahnhof Hospental:

Der geplante Neubau beim Bahnhof Hospental visuell dargestellt.

Der geplante Neubau beim Bahnhof Hospental visuell dargestellt.

Bild: Screenshot

Digital informieren statt physisch treffen

Stephan Furrer, Abteilungsleiter der Firmenniederlassung in Bürglen.

Stephan Furrer, Abteilungsleiter der Firmenniederlassung in Bürglen.

Bild: PD

«Grund für die Idee des virtuellen Rundgangs war der Ausfall eines Kundenanlasses im vergangenen Herbst», sagt Stephan Furrer, Abteilungsleiter der Firmenniederlassung in Bürglen. Als Alternative zum physischen Treffen entstand der virtuelle Rundgang von Martin Imholz. Er ist Spezialist für Raumentwicklung und -planung und hat mit einer Gruppe von 3D-Experten die digitale Plattform mit Inhalten befüllt – zum Beispiel mit Gebäuden. «Tatsächlich arbeiten wir im Alltag mit ähnlichen Tools», sagt Imholz. So könne man anhand der digitalen Hilfsmittel ein geplantes Gebäude visuell darstellen und prüfen, wie dieses in der Umgebung wirkt – so wie beim Beispiel des Bahnhofs Hospental. Dass Imholz seinen Spass an digitalen Werkzeugen hat, gibt er selbst zu. Deshalb auch die Idee des digitalen Rundgangs. «Wir sind natürlich gespannt, wie der Rundgang auf jene wirkt, die sich im Bereich der Geomatik weniger gut auskennen.»

Sehen ist das eine, verstehen das andere

Martin Imholz, Experte für Planung und Raumentwicklung.

Martin Imholz, Experte für Planung und Raumentwicklung.

Bild: PD

Ein paar Klicks und schon schwebt man über der Urner Topografie. Fliegt zwischen den Bergen von Erstfeld nach Altdorf, zoomt heran, swiped herum, wechselt von einfachen Kartenansichten zu detaillreichen Landkarten. Die Handhabung ist selbsterklärend, das Programm läuft fliessend, lädt schnell. Sich im Portal zurechtzufinden ist das eine – das Gesehene richtig einzuordnen etwas ganz anderes. So sieht die sogenannte Punktwolke beim Steinbruch Eielen (siehe Bild) zwar ganz hübsch aus, ohne eine detaillierte Erklärung der Fachpersonen per Telefon könnte man als Laie jedoch kaum einordnen, was man daraus lesen kann. In diesem Punkt merke man ganz besonders, dass die physischen Treffen und Informationsanlässe fehlen, räumt Imholz ein. «Bei einer Veranstaltung würde man sich zum Beispiel nach einem Vortrag ebendiese Hintergrundinformationen in einem persönlichen Gespräch einholen», sagt er. Jedoch sei der virtuelle Rundgang in erster Linie für Kunden, darunter etwa Architekten, Ingenieure oder Baubehörden, gedacht, die über gewisse Kenntnisse verfügen und diese Grundlagen einordnen können.

Die Punktwolke beim Steinbruch Eielen.

Die Punktwolke beim Steinbruch Eielen.

Bild: Screenshot

Zur Aufklärung: Die Farben der Punktwolke machen die Höhe des Geländes erkenntlich. Blau gleich tiefer, je röter, desto höher. Die Punktwolke hilft zum Beispiel dabei, zu erkennen, wie viel Material in einer gewissen Zeitspanne abgebaut oder aufgeschüttet wurde. Dafür werden zwei Punktwolken miteinander verglichen, die zu verschiedenen Zeitpunkten aufgenommen wurden.