Corona
Massentests an Urner Oberstufen gestartet

Zwei Drittel der Urner Oberstufenschüler haben die Erlaubnis ihrer Eltern, sich testen zu lassen. Diesen Wert möchte die Regierung noch erhöhen.

Florian Arnold
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Spucken gehört neu zum Unterricht: Seit dieser Woche werden an Urner Oberstufen Covid-19-Speicheltests durchgeführt. Der Regierungsrat hat diese vergangene Woche als zusätzliche Massnahmen beschlossen. Bildungsdirektor Beat Jörg betont aber: «Die Schulen sind nicht Treiber der Pandemie.» Vielmehr sieht der Regierungsrat in den Schulen ein Spiegelbild der Gesellschaft, denn hier würden sich Kinder und Jugendliche aus allen Bevölkerungsgruppen treffen. Das bedeute auch, dass sich hohe Fallzahlen in den Schulen widerspiegelten und hier Infektionsketten erkannt und unterbrochen werden könnten.

Keine Ansteckungen in den Klassen

Die Regierung geht davon aus, dass das Virus innerhalb der Klassen nicht um sich greife. Das lasse sich aus den erhobenen Zahlen schliessen. «In den rund 220 Abteilungen an der Urner Volksschule (Kindergarten, Primarstufe, Oberstufe) kam es bis heute jedenfalls weniger als zehnmal vor, dass gleichzeitig mehrere Schülerinnen und Schüler einer Abteilung coronapositiv waren». Die Regierung und der Kantonsärztliche Dienst gehen deshalb davon aus, dass die aktuellen Schutzkonzepte ihre Wirkung zeigen.

Der Urner Bildungsdirektor Beat Jörg.

Der Urner Bildungsdirektor Beat Jörg.

Bild: Urs Hanhart

Die Reaktionen aus der Schule seien durchwegs positiv, sagt Beat Jörg. Die Tests seien gut angelaufen. Jeweils Anfang Woche würden die Utensilien geliefert und dann bis Mitte Woche abgeholt und im Labor ausgewertet. «Eine Rückmeldung an die Schulen gibt es nur, wenn es positive Coronatests darunter hat. Dann werden innert weniger Stunden Massnahmen eingeleitet, um die Ausbreitung einzudämmen», erklärt Jörg.

«Ein erfreulicher Wert»

Im Gegensatz zum Tragen der Schutzmasken, die für die Oberstufenschüler obligatorisch sind, kann freiwillig an den Speicheltests teilgenommen werden. «Trotz Freiwilligkeit ist die Zustimmung zum Testen aktuell hoch», schreibt der Regierungsrat in einer Mitteilung. Bis am 19. April lag bereits von rund zwei Dritteln der Urner Schülerinnen und Schüler der Oberstufe die Einverständniserklärung der Eltern vor. Die Regierung wertet dies so, dass die Bevölkerung die Massnahmen mittrage. «Die zwei Drittel sind sicher ein erfreulicher Wert. Wir möchten aber die Zustimmungsrate in den kommenden Wochen noch erhöhen», so Jörgs Wunsch.

Gegenüber den Massentests sind einige Eltern aber auch skeptisch eingestellt, wie auch in den Leserbriefspalten der «Urner Zeitung» zu lesen war. Befürchtet wird, dass die Schüler, die sich nicht testen lassen, von anderen ausgegrenzt oder Opfer von Mobbing würden. «Das muss ich klar dementieren», sagt Bildungsdirektor Jörg. «Uns sind keine solchen Fälle bekannt.» Mit den Schulleitungen sei diese Thematik besprochen worden. Fest steht auch, dass auch nicht getestete Schüler den Unterricht besuchen dürfen.

Maskenpflicht bald überflüssig?

Doch wird durch die Tests bald die Maskenpflicht an der Oberstufe überflüssig? Auch das verneint Jörg. «Die Maskenpflicht verhindert, dass wir ganze Klassen in die Quarantäne schicken müssen. So lange die Maskenpflicht eingehalten wird, kann der Unterricht vor Ort stattfinden und wir können auf einen weiteren Fernunterricht verzichten.» Trotzdem bringen die Massentests auch Lichtblicke für die Schülerinnen und Schüler. «Die Tests können zum Beispiel Sicherheit gewähren, wenn die ganze Klasse etwa auf eine Exkursion oder Schulverlegung geht.» Gerade in solchen Fällen werden auch Primarschulen Massentests empfohlen.

Antworten auf viele Fragen rund um die Massentests sind zu finden unter www.ur.ch, Suchbegriff: «Flächentestungen».