«Orange Zone» für Uri sorgt für Irritationen

Belgien setzt Uri auf die orange Liste der erhöhten Coronawachsamkeit. So reagiert man beim Kanton und bei Uri Tourismus.

Christian Tschümperlin
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Dem belgischen Aussenministerium ist die Coronasituation im Kanton Uri derzeit nicht ganz geheuer: Das Land an der Nordsee hat den Gotthard-Kanton am Sonntag auf seine orange Coronaliste gesetzt. Damit ist Uri einer von 13 Kantonen, die in Belgien als Risikogebiet gelten.

Sorgfalt wird im Tourismus derzeit grossgeschrieben: In Beizen werden sogar Pfeffermühlen desinfiziert.

Sorgfalt wird im Tourismus derzeit grossgeschrieben: In Beizen werden sogar Pfeffermühlen desinfiziert.

Bild: Eveline Beerkircher

Beim Kanton kommt dieser Entscheid erwartungsgemäss nicht gut an: «Wir bedauern den Entscheid, er ist für uns schwierig nachzuvollziehen», sagt Roland Hartmann, Leiter des Amtes für Gesundheit. Aus epidemiologischer Sicht sei die Einstufung nicht gerechtfertigt. «Die Neuinfektionen verteilen sich lediglich auf zwei Cluster. Diese haben wir unter Kontrolle.» In der Schweiz gilt als Risikogebiet, wenn in den letzten 14 Tagen mehr als 60 neu gemeldete Fälle auf 100'000 Einwohner kommen. Dieses Kriterium erfüllt Uri nicht.

Statistik erweckt falschen Eindruck

Roland Hartmann vermutet, dass es sich im Falle von Belgien auch um das statistische Problem der kleinen Zahl handelt: «In den letzten vierzehn Tagen wurden bei uns 14 Personen positiv auf das Coronavirus getestet», sagt er. Rechnet man die rund 36'000 Einwohner des Kantons Uri auf den Fixwert der 100'000 Einwohner hoch, würde sich die Zahl der Coronafälle im Kanton Uri nahezu verdreifachen.

Tatsächlich zitiert «The Brussels Time» den belgischen Virologen Steven van Gucht mit der Aussage: «In einem orangefarbenen Gebiet verbreitet sich das Virus vermehrt mit 20 bis 100 Neuerkrankungen pro 100'000 Einwohner in den letzten zwei Wochen.» Damit hätte Uri den Wert mit statistisch gesehen 39 Infektionen auf 100'000 Einwohner überschritten.

Regierungsrat sieht keinen Grund zur Intervention

Reisenden empfiehlt Belgien in der «orangenen Zone» «erhöhte Wachsamkeit» sowie Quarantäne und Coronavirus-Tests, erklärt beides aber nicht für obligatorisch. Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind findet, dass derzeit kein Handlungsbedarf von Seiten des Kantons Uri besteht. «Die Schweizer Einreisebestimmungen für Personen aus Belgien sind strenger als umgekehrt: Für sie gilt eine zehntägige Quarantänepflicht.»

Bei Uri Tourismus zeigt man sich etwas überrascht. Laut Geschäftsführer Maurus Stöckli generieren belgische Gäste pro Jahr knapp 9000 Logiernächte im Kanton, zwei Drittel davon im Urner Unterland. «Belgien ist für uns ein guter Markt, weil es sich dabei mehrheitlich um Langaufenthalter zwischen zwei und vier Tagen handelt», sagt er. Besonders Seelisberg sei in dem Markt aktiv, was auch Christoph Näpflin von Seelisberg Tourismus bestätigt: «Über den Sommer und Herbst waren bei uns 19 Reisegruppen à zirka 40 Personen angemeldet. Nur zwei davon sind dieses Jahr tatsächlich gekommen.» Diesen Ausfall spüren verschiedene Leistungsträger von Seelisberg über das Isenthal bis ins Urserntal. Weil Uri nun Risikogebiet ist, dürfte sich die Lage nicht gerade verbessern. Für Näpflin ist aber auch klar, dass man die Vorgaben aus Belgien akzeptieren muss: «Jeder Staat hat seine eigenen Regeln.»

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