Urner bieten auf Facebook ihre Hilfe an

Die Gruppe «Wir helfen! Kanton Uri» startet eine Aktion zur Unterstützung betroffener Menschen.

Christian Tschümperlin
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Das gesellschaftliche Leben kommt zusehends zum Erliegen: Heime werden für Besucher geschlossen, der Präsenz-Unterricht ausgesetzt und ältere Menschen oder solche mit einem geschwächten Immunsystem sollten zu Hause bleiben. Unterdessen organisiert sich das soziale Leben im Kanton Uri neu: Auf Facebook etwa wird in der Gruppe «Wir helfen! Kanton Uri» dazu aufgerufen, Hilfe anzubieten oder anzufordern. Die Gruppe zählt am Montagnachmittag bereits 250 Mitglieder. Viele bieten an, Einkäufe zu besorgen oder Fahrdienste zu erledigen, sowie Kinder zu hüten.

Eine, die gerne Hilfe anbietet, ist Melitta Russi aus Altdorf. Die selbstständige Masseurin hat derzeit Corona-bedingt freie Kapazitäten. «Ich stelle mich gerne zur Verfügung, um betroffenen Menschen etwas Gutes zu tun», sagt die 57-Jährige. Mitgefühl hat sie vor allem mit älteren Mitmenschen, die zu vereinsamen drohen. Russi bietet Fahrdienste und Besorgungen an. «Bei mir kann sich aber auch melden, wer einfach jemanden zum Reden benötigt.» Selbstverständlich würde sie all dies ohne Bezahlung tun. «Es geht jetzt um Solidarität in Zeiten der Not.»

«Gespenstische Stimmung» beobachtet

Bisher sind noch keine Anfragen bei Russi eingegangen. So recht erklären kann sie sich das auch nicht. «Getrauen sich die Leute vielleicht nicht?», fragt sie. Russi fällt auf, dass beim Einkaufen eine gespenstische Stimmung herrscht. «Die Leute machen sich viele Sorgen und tätigen Hamsterkäufe.» In ihrem Umfeld treffen sich aber nach wie vor Bekannte zum gemeinsamen Abendessen oder einem Spieleabend. «Es ist nicht leicht, sich so viel Freizeit zu vertreiben.» Das Problem dürfte sich verschärfen, wenn der Bundesrat weitere Massnahmen einleitet. «Das wird sehr einschneidend sein für die Menschen.»

Von der Gruppe «Wir helfen! Kanton Uri» hat Russi über eine Facebook-Kollegin erfahren. «Zuerst dachte ich, es wäre eine Falle.» Dann habe sie sich die Seite aber genauer angeschaut und festgestellt, dass keine bösen Absichten dahinterstecken.

Hinter dem Projekt steht die JCVP Uri

Initiiert hat die Gruppe die JCVP Uri. «Wir haben im Chat darüber gesprochen, wie Junge in der Krise Verantwortung übernehmen können», sagt JCVP-Präsident Tobias Schilter. «Es geht darum, etwas für die Allgemeinheit zu leisten. Viele Leute haben jetzt organisatorische Schwierigkeiten.» Die Mitgliederzahlen seien bereits kurz nach dem Aufschalten der Seite am Samstag explodiert. Schilter begrüsst es, die Gruppe bekannter zu machen, da gerade ältere Menschen häufig kein Facebook nutzen. «Wenn Sie jemanden kennen, der Hilfe benötigt, vermittelt doch gerne einen Kontakt!», so sein Appell. Angedacht sei zudem eine Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) Uri oder mit Lebensmittelläden.

Auf die Frage, ob das Projekt auch politisch motiviert sei, sagt Schilter: «Eine Jungpartei ist eine Gruppe von jungen Leuten, die sich gerne für die Allgemeinheit einsetzt. Es geht überhaupt nicht darum, dass wir uns profilieren wollen. Die meisten Teilnehmer gehören nicht der JCVP an. Wir stellen nur die Plattform zur Verfügung.»

Beim Kanton ist man unterdessen dabei, die verschiedenen Hilfsgruppen, die nun am Entstehen sind, unter einem Dach zusammenzuführen. «Künftig werden alle Aktivitäten im Kanton Uri nur noch über eine Stelle koordiniert», sagt Ignaz Zopp, Leiter des Amtes für Bevölkerungsschutz und Militär. Auf www.ur.ch/coronavirus unter dem Reiter Freiwilligenunterstützung sollen die entsprechenden Informationen demnächst aufgeschaltet werden.