Corona-Virus sorgt für leere Regale

In Zentralschweizer Apotheken und Drogerien sind Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken komplett ausverkauft.

Christian Tschümperlin
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Just zum Ende der Fasnachtszeit rückte am Dienstag Patient 0 ins Zentrum der Aufmerksamkeit: Im Tessin war ein 70-jähriger Mann positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Die Nachricht wirft nun ihre Schatten bis in die Zentralschweizer Apotheken. Man zeigt sich etwas besorgt. «Am Dienstag begann ein enormer Run auf Desinfektionsmittel. Diese sind komplett ausverkauft», sagt Ursula Huwiler von der Amavita Apotheke in Altdorf. «Es kommen viele Leute zu uns, die ich noch nie gesehen habe. Wahrscheinlich haben diese an anderen Orten schon probiert, ein Desinfektionsmittel zu erwerben. Ohne Erfolg.»

Auch die Telefone laufen heiss: In der Altdorfer Apotheke sind nach Schätzungen von Huwiler bestimmt schon mehr als 50 Telefonate eingegangen, die sich fast ausschliesslich um das Corona-Virus drehten. «Manche Leute interessieren sich auch für Schutzmasken. Doch diese sind schon seit dem ersten Ausbruch in China vergriffen.» Und wie reagieren die Kunden auf den Ausverkauf? «Die meisten nehmen es gelassen. Die Bevölkerung ist zwar besorgt aber nicht in Panik», sagt Huwiler.

Eigenproduktion ist angelaufen

Inzwischen versucht man in der Apotheke, ein Desinfektionsmittel selber herzustellen, auf der Basis von Alkohol und Glycerin. «Wir haben keine Ahnung, ob wir den Alkohol noch geliefert bekommen, denn wir sind nicht die Einzigen, die jetzt Alkohol bestellen.» Huwiler gibt den Menschen darum vorsorglich den Ratschlag, sich die Hände gründlich und regelmässig mit Seife zu waschen.

Bei der Erstfelder Apotheke Birchler ist man bei der Produktion von Desinfektionsmitteln ebenfalls auf Eigenproduktion umgeschwenkt. Apotheker Hanspeter Birchler vermisst im Prozedere, dass nicht alle Medizinalpersonen «im Sinne der Interprofessionalität» durch den ins Leben gerufenen Krisenstab miteinbezogen wurden. «Ich vermisse auch diesbezügliche Informationen, die behördlicherseits hätten erfolgen müssen.» Er rät dazu, mehr Ruhe zu bewahren und wie bei einer normalen Grippe die Hygiene einzuhalten. «Man sollte nicht hysterisch werden.» In Schwyz, Nid- und Obwalden zeigt sich dasselbe Bild: Atemschutzmasken und Desinfektionsmitteln sind ausverkauft.

Auf Anfrage kann Kantonsapothekerin Regula Willi-Hangartner bestätigen, dass gewisse Produkte momentan nicht erhältlich sind. «Die meisten Waren werden in China produziert und das Land braucht diese Produkte momentan selber.» Der Bund verfüge aber durchaus über Pflichtlager, etwa für Atemschutzmasken FFP2. «Diese braucht es aber nur im Spital oder in einer Arztpraxis in engem Kontakt mit betroffenen Patienten.» Sie würden nach Erhalt gezielt an entsprechende Gesundheitsinstitutionen verteilt. Was die Verwendung von einfachen Hygienemasken durch die Bevölkerung betrifft, so verweist sie auf die Informationsseite des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Bei den Händedesinfektionsmitteln spricht sie die Möglichkeit der Eigenproduktion in Apotheken und Drogerien an. «Alkohol ist eigentlich immer verfügbar.» Grundsätzlich sei aber das Händewaschen mit Wasser und Seife vorzuziehen und nur bei fehlender Möglichkeit auf Händealkohol zurückzugreifen.

Behörden informieren Apotheker jetzt

Mit Blick auf die Kommunikation der Behörden gegenüber den Apothekern sagt sie: «Die Apotheken haben bisher keine direkten Informationen von Seiten der Behörden erhalten. Eine Information ist aber in Bearbeitung und wird noch heute rausgehen.»

Hinweis: Weitere Informationen zum Corona-Virus und dem richtigen Umgang mit der Epidemie finden Sie auf www.bag.admin.ch unter dem Suchbegriff Corona-Virus.