Corona-Virus verunsichert Urner Gastro-Branche

Das Gastgewerbe hat mit diversen Herausforderungen zu kämpfen. Nun macht ihm auch noch das Corona-Virus zu schaffen.

Urs Hanhart
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Joe Herger, Präsident des Kantonalverbands Gastro Uri, legte beim Polit-Apéro dar, mit welchen Herausforderungen sich die Urner Gastronomiebetriebe in Zukunft konfrontiert sehen.

Joe Herger, Präsident des Kantonalverbands Gastro Uri, legte beim Polit-Apéro dar, mit welchen Herausforderungen sich die Urner Gastronomiebetriebe in Zukunft konfrontiert sehen.

Bild: Urs Hanhart (Attinghausen, 10. März 2020)

Die von der Politik gestalteten Rahmenbedingungen haben für das Gastgewerbe wie auch für den Tourismus eine grosse Bedeutung. Daher ist für Gastro Uri der Dialog mit den politischen, wirtschaftlichen und behördlichen Entscheidungsträgern sehr wichtig. Aus diesem Grund veranstaltete der Kantonalverband am Dienstag zum zweiten Mal einen Polit-Apéro, zu dem nebst den Mitgliedern auch Politiker, Gemeindevertreter und weitere Gäste geladen waren. In lockerer Atmosphäre konnten sich die Teilnehmer im Gasthaus Krone in Attinghausen unterhalten sowie zu gastgewerblichen und politischen Themen austauschen. Abgerundet wurde der Anlass mit einem Fondueessen und einem Glas Wein.

Schnelle und unkomplizierte Lösungen gefragt

Nebst den Regierungsrats- und Landratswahlen vom vergangenen Wochenende sorgte auch das Corona-Virus für viel Gesprächsstoff. Dazu sagte Gastro-Uri-Präsident Joe Herger: «Wie massiv und anhaltend die Folgen für das Gastgewerbe und für den Tourismus sein werden, ist momentan schwer abzuschätzen. Entscheidend wird sein, ob eine globale Eindämmung des Virus bis zur Sommersaison gelingt.» Für Herger ist klar: «Bundesrat und Behörden müssen in dieser ausserordentlichen Lage schnell und unkompliziert Unterstützungsmassnahmen für betroffene KMU einleiten.» Im Zentrum stehe dabei ein pragmatischer Ansatz bei der Kurzarbeit. Der administrative Aufwand müsse reduziert und allfällige Entschädigungen sollten rasch ausbezahlt werden. «Weiter muss die öffentliche Hand bei KMU mit Liquiditätsengpässen aufgrund der Umsatzeinbrüche angemessenen Aufschub gewähren.»

Immer weniger Hotelbetten im Unterland

Der Vorsitzende ging auch auf die Entwicklung der Logiernächte im Kanton Uri ein. 2019 wurde das beste Ergebnis seit über 15 Jahren erzielt. Gegenüber 2018 konnte ein Plus von 16 Prozent auf insgesamt 297 279 Logiernächte verzeichnet werden. Zulegen konnte allerdings nur die Ferienregion Urner Oberland und zwar mit einem Plus von 38 Prozent. Das Urner Unterland hatte hingegen ein Minus von 8,5 Prozent zu beklagen. Herger erklärte:

«Allein in den letzten fünf Jahren stellten zehn Hotelzimmeranbieter im Unterland den Betrieb ein. Dies ist der Hauptgrund für den Rückgang.»

Das Problem könnte in den nächsten Jahren sogar noch grösser werden, zumal ein halbes Dutzend Betriebe nach einer Nachfolgeregelung Ausschau halten muss.

Fachkräftemangel spitzt sich weiter zu

In seinem Referat wies der Präsident darauf hin, dass die Herausforderungen im Gastgewerbe nach wie vor zahlreich und vielfältig seien. «Unter anderem machen uns die steigenden Betriebskosten zu schaffen und insbesondere auch die Rekrutierung von Fachkräften. Der Fachkräftemangel stellt unsere Branche vor eine grosse Herausforderung. Die Entwicklung der Anzahl Lernender im Gastgewerbe lässt befürchten, dass sich diese Problematik in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird», erklärte Herger. Bürokratie und Regulierungen sowie veränderte Bedürfnisse der Gäste sind weitere Herausforderungen, mit denen sich das Gastgewerbe konfrontiert sieht. Zum Schluss gab der Präsident zu bedenken: «Die Unternehmen im Gastgewerbe sind nicht nur ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Sie haben darüber hinaus eine hohe Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Attraktivität einer Gemeinde, einer Region. Die Gastgewerbebetriebe sind Begegnungsstätten und damit Orte, an denen Menschen zusammenkommen und einen Teil ihrer Freizeit verbringen.»

Nach den einleitenden Gedanken des Vorsitzenden hielt Mario Britschgi, Vizedirektor Gastroconsult AG, ein Kurzreferat zum Thema Nachfolgeregelung. Er betonte, dass es sehr wichtig sei, sich möglichst früh mit dieser Thematik zu befassen, im Idealfall mindestens fünf bis zehn Jahre vor der geplanten Auf- oder Übergabe des Betriebs.