Reportage

Uri im Ausnahmezustand – leere Autobahnen und Chicken-Nuggets zum Mitnehmen

Der Journalist Christof Hirtler hat die Coronakrise in Uri mit Notizblock und Kamera dokumentiert. Text und Bilder von leeren Autobahnen bis zu Hinweisen in den Kirchen.

Christof Hirtler
Drucken
Teilen

Die vier Spuren sind leer – mit Ausnahme von einzelnen Lastwagen und wenigen Autos. So hat man die Gotthard-Autobahn in Uri tagsüber noch selten erlebt wie an diesem Mittwoch im März.

Christof Hirtler / Urner Zeitung

Die Coronakrise zeigt sich im Kanton Uri auf die unterschiedlichste Weise und löste vielerlei mitunter kreative Reaktionen hervor.

An der Kummetstrasse in Attinghausen beschäftigt sich ein Pensionierter mit Spalten von metrigen Holzträmeln. «Was soll man sonst tun», sagt er. Ich bin allein, das ist jedenfalls nicht gefährlich. Diese Coronaepidemie werden alle, die den Zweiten Weltkrieg nicht erlebt haben, nie vergessen.» In Unterschächen ist das Schulhaus geschlossen, der Pausenplatz leer. Die Stille ist so präsent, als könnte man sie greifen. Einige Bauern sind unterwegs, Mist wird ausgebracht, Land verbessert, Stauden geschnitten – eigentlich nichts Aussergewöhnliches für einen sonnigen Frühlingstag. Ein paar Meter weiter, neben dem Dorfladen ist ein grosses Schild angebracht: Nur ein einziger Kunde wird jeweils für seinen Einkauf in den Laden gelassen.

Christof Hirtler / Urner Zeitung

150 Personen sind in der Migros das Limit

Im Urnertor in Bürglen wird mehr Aufwand betrieben. Desinfektionssprays, Warnplakate, Warteräume markiert mit rot- weissen Absperrbändern prägen das Bild. Wachpersonal in Warnwesten steuert die Anzahl Menschen, die im Zentrum einkaufen dürfen. «150 Personen in der Migros sind das Limit», sagt eine Aufsichtsperson. Im Denner ist die Anzahl auf 40 begrenzt, in der Drogerie Geiser auf vier.

Im Urnertor sind die Desinfektionssprays nicht zu übersehen
5 Bilder
Bei der Einfahrt zum Kantonsspital Uri wird bereits mit der Triage begonnen.
Im Urnertor sind gewisse Abschnitte für Kunden gesperrt.
Ein Schild beim Urnertor: Nur ein Teil der Läden sind geöffnet.
Aus Sicherheitsgründen kann in Bürglen keine Papiersammlung stattfinden.

Im Urnertor sind die Desinfektionssprays nicht zu übersehen

Christof Hirtler / Urner Zeitung

Leichtes Schneetreiben im Urserntal, Warten bei der Barriere in Zumdorf: Ein Panoramazug nähert sich, eine Lok, zwei Wagen, ohne Licht. Keine Passagiere, nur ein Lokführer. In Hospental ist das Speiserestaurant Turm zwar geschlossen, wie alle Gastrobetriebe in Uri. Allerdings werden zweimal täglich «Take-away» und ein Hauslieferdienst angeboten: Chicken-Nuggets, Pizze, Bratwurst mit Pommes frites sind erhältlich.

Christof Hirtler / Urner Zeitung

Ein Service, den einige Restaurants im Kanton anbieten. Andernorts steht die Tafel «Heute Ruhetag» vor der Eingangstüre.

Auch die Kirchen stellen in den Coronamodus um

Ebenfalls «nicht in Betrieb» sind die Kirchen für gewöhnliche Messen – sie bleiben aber offen für die Gläubigen. Doch die Weihwasserschalen sind leer. Selbst in die Gotteshäuser haben es die Warnplakate des Bundesamtes für Gesundheit geschafft.

Christof Hirtler / Urner Zeitung

In Attinghausen klebt ein Anschlag an der Kirchentüre: «Die Messen werden weiterhin vom Pfarrer und vom Vikar unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Kirche gefeiert. Die Kirchenglocken läuten zu Beginn des Gottesdienstes wie gewohnt.» In Notsituationen werden Kinder getauft.

Der Schutz Gottes scheint vielen in diesen Zeiten wichtig zu sein. In den Kirchen von Amsteg und Silenen stehen Statuen der Schutzpatronin Muttergottes vor dem Hauptaltar.

Die Madonna in der Kirche Silenen soll Schutz bieten.

Die Madonna in der Kirche Silenen soll Schutz bieten.

Christof Hirtler / Urner Zeitung

Kerzen brennen, Gebetszettel liegen zum Mitnehmen auf. Ein Eintrag in einem Bittbuch: «Lieber Gott, wir bitten dich inständig darum. Vergiss uns Menschen nicht! Schenke uns Gesundheit! Hilf uns, das Virus zu bekämpfen. Danke.»

In der Kirche Amstag kann man sich in ein Bittbuch eintragen.

In der Kirche Amstag kann man sich in ein Bittbuch eintragen.

Christof Hirtler / Urner Zeitung