Neujahrskonzert in Altdorf: Cellist  demonstriert die Vielfalt seines Instruments

Mit einem Konzert voller Spielfreude läuteten Christoph Croisé und das Eurasian Soloists Chamber Orchestra das Jahr 2020 ein.

Florian Arnold
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Christoph Croisé spielt am Neujahrskonzert im Theater Uri mit grosser Passion.

Christoph Croisé spielt am Neujahrskonzert im Theater Uri mit grosser Passion. 

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 1. Januar 2020)

Alles beginnt mit einem grossen Lächeln. Es ist wie der rote Faden des Neujahrskonzerts im Theater Uri. Das Eurasian Soloists Chamber Orchestra bewies grosse Spielfreude – und allen voran Ausnahme-Cellist Christoph Croisé, der dem Dirigenten Jakob Lehmann zuzwinkert, bevor es losgeht. So wünscht man sich einen gelungenen Start ins neue Jahr.

Das Zusammenspiel zwischen Solist und Orchester ist perfekt, was wohl nicht zuletzt daran liegt, dass die meisten Musikerinnen und Musiker im Stehen spielen – mit wenigen Ausnahmen bedingt durch ihr Instrument. Das lässt nicht nur andere Ausdrucksweisen zu, sondern fördert auch die Kommunikation untereinander. Dies nützt der Solist gekonnt. Er ist es, der das Lenkrad in den Händel hält, während Dirigent Jakob Lehmann Gaspedal, Scheibenwischer und Blinker bedient.

Die Violinisten, die im Stehen spielen, sind mit dem Solisten besonders gut verbunden.

Die Violinisten, die im Stehen spielen, sind mit dem Solisten besonders gut verbunden.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 1. Januar 2020)

Ein starkes Wir-Gefühl auf der Bühne

Croisé geniesst die volle Aufmerksamkeit von Publikum wie Mitmusikern. Das liegt auch daran, dass er auswendig spielt. Dies lässt einen wunderbaren Blick auf seine Griff- und Bogentechnik zu – aber auch auf seine Gesichtszüge, auf denen sich die grosse Passion widerspiegelt, die er in sein Spiel legt. Obwohl der Fokus auf ihm liegt, demonstriert Croisé aber ein starkes Wir-Gefühl auf der Bühne. Er zieht Läufe an, die fliessend von den Violinen übernommen werden. Orchester und Solist werfen sich gegenseitig Bälle zu – und beide haben Spass daran.

Schon im ersten Werk, den Rokoko-Variationen von Piotr Tschaikowski, beweist der Ausnahme-Cellist, dass er sein Instrument im Griff hat. Die Verzierungen sind verspielt, lang gezogene Noten füllt er mit Hingabe. Nicht zu Unrecht gilt er als ein Musiker, der sein Publikum mit einem einzigen Ton packen kann. Zuweilen verlässt Croisé das Griffbrett, um in die höchsten Lagen vorzustossen. Die exponierten Stellen nutzt er dazu, seiner Virtuosität freien Lauf zu lassen. In der Nocturne, ebenfalls von Tschaikowski, sowie der Cello-Bearbeitung eines katalanischen Weihnachtslieds von Pablo Casals serviert Croisé wieder neue Klangfarben. Der wehmütig-singende Ton berührt die Zuhörer. Der Cellist lässt aber auch genügend Platz für die Solo­stellen der Bläser, die sich sauber ins Ganze einfügen.

Höchste Virtuosität auch auf einer einzigen Saite

Das zweite Konzert für Violoncello von Joseph Haydn bietet genügend Möglichkeiten, seine akkurate Technik unter Beweis zu stellen. Die Komposition lässt keine Unsauberkeiten zu. Wie erwartet, ist Croisé diesem Druck gewachsen – um sich gleich der nächsten Herausforderung zu stellen: Die Zigeunerweisen von Pablo de Sarasate sind Kompositionen für Violine. Das Spezielle daran: Sie werden auf einer einzigen Saite gespielt, was die Sache umso schwieriger macht. Danach setzen das Orchester und Croisé noch einen obendrauf mit den Variationen über ein Rossini-Thema von Niccolò Paganini, dem «Teufelsgeiger» – und genau so fühlt sich das Stück an.

Das Eurasian Soloists Chamber Orchestra beweist grosse Spielfreude.

Das Eurasian Soloists Chamber Orchestra beweist grosse Spielfreude.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 1. Januar 2020)

Applaus und Standing Ovations sind den Musikern gewiss. Christoph Croisé bedankt sich gleich mit zwei Zugaben und beweist damit, dass sich die Bluestonleiter auch auf dem Cello groovig anhört.