Cuche glaubt an Andermatt und Danioth

Die Skilegende spricht über ihre Karriere, die Weltcup-Chancen des Urner Tourismusorts und das Nachwuchstalent Aline Danioth.

Christian Tschümperlin
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Ex-Skirennfahrer Didier Cuche im Hotel Chedi in Andermatt

Ex-Skirennfahrer Didier Cuche im Hotel Chedi in Andermatt

Urs Hanhart / Urner Zeitung

Eigentlich hat sich Didier Cuche am Montag auf einen schönen Skitag gefreut. Mit den Gästen der «Audi Race&Ski Experience», einem exklusiven Kundenevent der Auto-Marke mit den vier Ringen, wollte er die Pisten der Skiarena Andermatt-Sedrun erobern. Doch das Sturmtief Sabine machte der Gruppe einen Strich durch die Rechnung. «Alle Pisten haben geschlossen, dafür war ich am Sonntag mit meinen Kindern in den Bergen», sagt Cuche zu Beginn des Treffens im Luxushotel The Chedi. Für unsere Zeitung blickt er auf seine Skikarriere zurück und sagt, was ihn heute besonders beeindruckt.

Didier Cuche, können Sie sich vorstellen, dass in Andermatt einmal ein Weltcup-Rennen stattfindet?

Ich glaube schon, dass es möglich wäre, den richtigen Hang zu finden. Der Nätschen ist exponiert, hat aber Schneekanonen. Steil wäre es, was mega ist für einen schönen Slalom-Hang. Man müsste in Andermatt wahrscheinlich ein paar Dinge umbauen, von der Infrastruktur her, damit es genügend Parkplätze hat und auch, dass der Zug regelmässig hält. Aber mit der ganzen Entwicklung der Ortschaft, mit den Hotels, den Skigebieten, liegt schon etwas drin.

Vermissen Sie das Leben als Ski-Profi?

Ich blicke auf eine fast zwanzigjährige Karriere zurück. Aber jetzt geniesse ich es fast mehr, mit neuen Bekanntschaften das Skifahren teilen zu können. Meine Karriere habe ich mit 38 Jahren beendet. Es stimmte damals für mich mit dem Erfolg. Im letzten Jahr habe ich aber gespürt, dass der Moment gekommen ist, loszulassen.

Was waren die Gründe, weshalb Sie aufgehört haben?

Es war nicht so, dass ich aufhören musste, wegen einem Mangel an Resultaten oder einer Verletzung. Ich bin also nicht frustriert aus dem Rennsport ausgestiegen. Es war ein eigener Entscheid. Aber ich schaue mit gesundem Wehmut auf den Rennsport zurück. Es bleibt etwas, was ich gerne gemacht habe. Heute schaue ich auch selber gerne Rennen und bin manchmal vor Ort.

Welche Erinnerungen sind Ihnen die wichtigsten?

Bevor man Erfolg hat, muss man viele Misserfolge einstecken. Die harten Momente sind immer noch sehr präsent bei mir. Es kam immer wieder zu Verletzungen. Mit 15 erlitt ich eine Knieverletzung, mit 19 einen Oberschenkelbruch, mit 22 einen Unterschenkelbruch, mit 31 wieder eine Knieverletzung. Das sind immer wieder Momente, wo man etwas über sich herausfindet. Man lernt, mit sich umzugehen.

Ex-Skirennfahrer Didier Cuche vor dem Hotel Chedi

Ex-Skirennfahrer Didier Cuche vor dem Hotel Chedi

Urs Hanhart / Urner Zeitung

Und welches waren die schönen Momente?

Was am meisten bleibt, sind die grossen Erfolge. Der Sieg am Weltcup-Rennen in Adelboden 2002, das war verrückt, da waren 25000 Zuschauer da. Für mich war es der erste Riesenslalom-Sieg überhaupt. In meiner Jugend hätte ich nie daran gedacht, dass ich einen Riesenslalom gewinnen könnte. Der WM-Titel 2009 im Super-G war sicher ein grosses Ziel, das ich erreicht habe. Und dass ich über die Jahre in Kitzbühel fünfmal gewinnen durfte und dazu nie gestürzt bin. Das ist verrückt, wenn man sieht, was alles passiert dort. Es wirkt fast surreal auf mich.

Sie können es noch immer fast nicht glauben, was Sie während ihrer Skikarriere alles erreicht haben?

Ich bin zwar selten gestürzt, aber man weiss, wie stark man sich an die Grenze bewegen muss in Kitzbühel. Und die Grenze überschreiten bedeutet: Sturz, Verletzung, Ende Saison oder bei gewissen Athleten sogar das Ende der Karriere. Ich wusste nie, bin ich jetzt so nah, dass ich kippe oder nicht? Ich musste die Grenzen spüren.

Wie stark verfolgen Sie den Weltcup heute?

Ich versuche, mir fast jedes Rennen anzuschauen. Es ist natürlich schwierig, sonst würde man fast das ganze Wochenende vor dem Fernseher verbringen. Zum Glück kann man mit den heutigen Tools, dem Smartphone oder Tablet beispielsweise, die Rennen live mitverfolgen oder es nachholen, wenn man ruhig zu Hause sitzt. Ich habe ja zwei Kinder, vier- und eineinhalbjährig. Mit ihnen mache ich gerne etwas draussen. Aber ich weiss praktisch jedes Wochenende, was passiert ist. Ich verfolge den Weltcup intensiv. Speziell dieses Jahr sieht es beim Nationen-Cup sehr gut aus.

Wie meinen Sie das?

Dieses Wochenende gab es einen riesigen Sprung nach vorne mit 500 Punkten Vorsprung für die Nati. Ich hoffe, dass sie alle weiterhin so gut fahren und dass man endlich nach dreissig Jahren die Nationen-Wertung wieder in die Schweiz holt. Es wäre schade, wenn die Schweizer diese Chance vergeben würden. Jeder Athlet schaut mit einem Auge auf die Gesamtpunkte des Weltcups und jeder weiss, wenn er im Weltcup seine Top-Leistung bringt, dann bringt es ihm auch etwas beim Nationen-Cup.

Die Schweizer Nati ist gut in Form – woran könnte es jetzt noch scheitern?

Manchmal braucht es wenig, damit es wieder kippt, vor allem wenn es zu Verletzungen kommt. Einmal ein Kantenfehler und dann ist das Knie kaputt.

Denken Sie etwa an die Andermatter Hoffnung Aline Danioth?

Ja. Sie kommt zurück von einer Verletzung, fährt auf einem Niveau wie noch nie, fällt dummerweise im Parallel-Slalom um, und muss wieder bei Null anfangen. Aber ich denke, Aline hat ein riesen Potenzial. Sie hat es geschafft, nach der Kreuzbandverletzung aufzustehen. Sie wird es auch dieses Jahr wieder schaffen. Es braucht einfach viel Geduld und Kraft.