CVP: Neuer Präsident: «Wir müssen uns stärker engagieren»

Flavio Gisler ist gestern zum Präsidenten der Urner CVP gewählt worden. Im Gespräch mit unserer Zeitung spricht der Rechtsanwalt aus Schattdorf über seine Erfahrung, was er mit der Partei erreichen will und ob er dereinst Regierungsrat wird.

Matthias Stadler
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Flavio Gisler ist der neu gewählte Präsident der CVP Uri. (Bild: Matthias Stadler (Schattdorf, 13. Januar 2017))

Flavio Gisler ist der neu gewählte Präsident der CVP Uri. (Bild: Matthias Stadler (Schattdorf, 13. Januar 2017))

Flavio Gisler, Sie sind 28-jährig und bei der CVP soeben zum Präsidenten der grössten Partei des Kantons Uri gewählt worden. Sind Sie nicht zu jung dafür?

Ich denke nicht. Entscheidend ist die Erfahrung. Da ich seit zehn Jahren in der Urner Politik aktiv bin, habe ich schon viel Erfahrung sammeln können. Bei den letzten Landratswahlen konnte ich den Lead übernehmen und gut mit den Ortsparteien zusammenarbeiten. Entsprechend kenne ich die Leute in der Partei gut.

Hat es in der CVP Stimmen gegeben, die gesagt haben, dass Sie zu jung seien?

Bis jetzt nicht, nein. Ich habe sehr positive Rückmeldungen erhalten. Und ich glaube, der Parteivorstand ist froh, dass jemand das Präsidium übernimmt und es damit kein Co-Präsidium braucht. Zudem habe ich einen engen Draht zur Landratsfraktion, was dem Vorstand ebenfalls sehr wichtig war. Da ich keinem Flügel der CVP angehöre, sehe ich es auch als eine der wichtigsten Aufgaben, Brücken zu bauen und die Partei zu einen.

Sie waren bei der Jungen CVP sechs Jahre lang Präsident. Können Sie nun davon profitieren?

Sicher. Bezüglich Umgang mit Medien und Aufgleisen von Initiativen kann ich von diesem Amt einiges mitnehmen.

Was möchten Sie als Präsident der CVP erreichen?

Das Wichtigste ist, dass wir uns für unsere Überzeugungen einsetzen. Wir sind keine Mehrheitspartei mehr wie früher und werden es auch nicht mehr. Wir müssen unsere Arbeit vermehrt gegen aussen tragen. Wir wollen, dass der Kanton Uri als Wohnraum attraktiv und familienfreundlich bleibt. Und auch, dass wir als Wirtschaftsstandort so attraktiv sind, dass man als KMU auch noch etwas aufbauen kann. Als grösste Partei werden wir uns aber breit engagieren und uns nicht auf einzelne Themen beschränken.

Die CVP wird von einigen auch als Wischiwaschi-Partei wahrgenommen. Was unternehmen Sie gegen diesen Ruf?

Für mich ist wichtig, dass die demokratische Tradition, welche in der CVP herrscht, weiterhin aufrecht erhalten bleibt. Wir müssen aber Wert darauf legen, dass wir diese gefällten Entscheide ganz klar vertreten und an die Öffentlichkeit tragen. Das wurde in den vergangenen Jahren bereits intensiviert. Es gibt aber noch Verbesserungspotenzial.

Wie soll das genau aussehen?

Wir müssen uns in den Abstimmungskämpfen stärker engagieren. Wir sollten uns auch früher für Parolen entscheiden. Denn wir wollen, dass die CVP in Zukunft in der Öffentlichkeit vermehrt wahrgenommen wird. Wir wollen uns künftig auch vermehrt bei nationalen Abstimmungen öffentlich engagieren.

Welche Ziele haben Sie mit der Partei?

Wir wollen die stärkste Partei im Kanton bleiben. Der Ist-Zustand soll längerfristig gehalten werden.

Die Parteien haben Mühe, gewisse Teile der Bevölkerung für Politik zu interessieren. Wie möchten Sie diese Leute ansprechen?

Für uns ist es am besten, die Leute in den Gemeinden in die Ämter zu bringen. So kommen sie schliesslich in die Politik und auch in die CVP. Die CVP ist in den Urner Gemeindebehörden von allen Parteien am stärksten vertreten. Das war schon immer der beste Personallieferant für kantonale Wahlen.

Wie wollen Sie den Nachwuchs für sich gewinnen?

Hier haben wir mit der Jungen CVP einen starken Rückhalt. Als Mutterpartei müssen wir uns deshalb wenig darum kümmern, da unsere Jungpartei gute Arbeit leistet.

Kommen wir zu Ihrer Karriere. Man sagt im Kanton gerne: zuerst Parteipräsident, dann Regierungsrat.

Ich sage heute sicher nicht Nein. Es wäre ein interessanter Job. Aber wir haben viele Leute in der Partei, die für ein solches Amt in Frage kämen. Das muss man anschauen, wenn es so weit ist. Denn es ist in der Politik schwierig, so weit im Voraus zu planen. Zudem müssten der Wahlausschuss und danach der Parteitag der CVP über eine Nomination bestimmen.

Wie steht es um Ihre Ambitionen für die Bundespolitik?

Ich kenne mich in der kantonalen Politik besser aus. National bin ich zwar Delegierter der CVP Schweiz, aber wir haben in der Partei andere Personen, die sich besser dafür eignen.

Was sind Ihre persönlichen Ziele in den nächsten Jahren?

Ich habe mich vor zwei Jahren selbstständig gemacht. Ich möchte mich deshalb nicht nur auf die Politik, sondern auch auf mein Büro konzentrieren. Den politischen Fokus möchte ich als Präsident auf die Partei legen. Anstatt weit nach vorne zu schauen und zu hohe Ziele zu setzen, bin ich bestrebt, jetzt möglichst gute Arbeit zu leisten.

 

 

Interview: Matthias Stadler

matthias.stadler@urnerzeitung.ch