«Da bleibt uns eigentlich nur der Axen»

Für einige Guggenmusiker beginnt die Fasnacht bereits am Dienstag. Sie organisieren einen Umzug von Schwyz bis nach Altdorf.

Drucken
Teilen
Die Guggenmusik Chyybääderli wird auch nach dem Marsch für Stimmung sorgen können. (Bild: Angel Sanchez / Neue UZ)

Die Guggenmusik Chyybääderli wird auch nach dem Marsch für Stimmung sorgen können. (Bild: Angel Sanchez / Neue UZ)

Sieben Mitglieder der Guggenmusik Chyybääderli aus Altdorf wollen am Dienstag von Schwyz nach Altdorf marschieren – und dabei immer Musik spielen. Geschwollene Lippen, blutige Hände und Blasen an den Füssen sind auf der 23 Kilometer langen Strecke so gut wie vorprogrammiert. Der Event nennt sich «Drum for record». Gestartet wird um 8 Uhr auf dem Schwyzer Hauptplatz. Am späten Nachmittag wollen die sieben Guggenmusiker im «Tellenbräu» in Altdorf eintreffen. Die beiden Erstfelder, der 22-jährige Luca Marcacci und der 20-jährige Rico Zwyer, organisieren diesen Umzug.

Rico Zwyer, warum tun Sie sich diese Strapazen überhaupt an?

Rico Zwyer: Wir legen nicht zum ersten Mal solch lange Strecken zurück. Vor drei Jahren marschierten
wir mit Rhythmusinstrumenten von Wassen nach Altdorf. Und vor zwei Jahren organisierten wir einen Sternmarsch quer durch den Urner Talboden. Es war zwar jedes Mal ein strenges, aber doch einfach unvergessliches Erlebnis.

Doch warum marschieren Sie ausgerechnet durch den Axen? Es gibt doch bestimmt schönere Strecken als entlang dieser lauten Transitstrecke.

Zwyer: Wir wollen einfach einmal von einem anderen Kanton aus nach Altdorf marschieren. Im Winter, wenn alle Pässe gesperrt sind, haben wir nicht gerade viele Möglichkeiten, um dieses Ziel zu verwirklichen. Und mit unseren Schlagzeugküchen kommt man ja schlecht von Nidwalden via Seelisberg über die Treppen nach Bauen hinunter. Da bleibt uns eigentlich nur der Axen. Doch uns ist klar: Im Axen werden wir bestimmt massiv weniger Publikum haben als in einem Siedlungsgebiet.

Das Ganze wird aber eine trockene Angelegenheit. Zwischen Brunnen und Flüelen gibt es auf gewissen Abschnitten kilometerlang keine Beiz, wo man sich stärken könnte.

Zwyer: Für Verpflegung ist gesorgt. Wir werden von einem sogenannten Care-Team begleitet, das sich aus Mitgliedern der Chyybääderli-Guggenmusik zusammensetzt. Das Team wird uns Getränke, Zwischenverpflegung und wenn nötig auch Blasenpflaster oder Perskindol bringen. Zudem wird es dafür sorgen, dass uns die Autofahrer an den engen Stellen entlang der Axenstrasse bereits von weitem sehen werden.

Wie haben Sie sich selber als Schlagzeuger auf dieses Unterfangen vorbereitet?

Zwyer: Ich habe mich eigentlich nicht speziell vorbereitet. Einige meiner Kollegen schwören auf Intimpflaster, damit sie beim Marschieren nicht den «Wolf» bekommen. Andere trinken viel Red Bull. Ich selber habe da aber kein spezielles Rezept, wie ich am besten von Schwyz nach Altdorf komme. Es wird schon gut kommen.

Die eigentliche Fasnacht beginnt erst am Mittwochabend. Haben Sie nach Ihrem Gewaltsmarsch überhaupt noch die Kraft, nächtelang durchzufeiern?

Zwyer: Ja, das macht uns eigentlich am meisten Angst. (lacht) Wir werden die richtige Fasnacht aber bestimmt nicht auslassen. Wir können uns ja am Mittwoch durch den Tag noch einmal richtig ausruhen.

Interview Elias Bricker