DÄTWYLER: Die Strategie von Paul Hälg hat sich bewährt

Paul Hälg legt sein Amt als CEO der Dätwyler Gruppe auf Ende Jahr nieder. Seine Erfolgsstrategie, mit der er die Betriebsgewinnmarge anhob, war geprägt vom Mut zum Verzicht.

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Paul Hälg war bedacht, die Unternehmen der Dätwyler Gruppe kontinuierlich weiter zu verbessern, indem er etwa Kunden- und Mitarbeiterbefragungen einführte. Bild: PD (Altdorf, September 2014)

Paul Hälg war bedacht, die Unternehmen der Dätwyler Gruppe kontinuierlich weiter zu verbessern, indem er etwa Kunden- und Mitarbeiterbefragungen einführte. Bild: PD (Altdorf, September 2014)

In der schnelllebigen Welt von Aktiengesellschaften ist es fast schon eine Ausnahme, wenn ein Geschäftsführer über Jahre an der Spitze eines Unternehmens bleibt. Mit zwölf Jahren bei der Dätwyler Gruppe ist Paul Hälg somit einer der dienstältesten CEOs in der Schweiz. Nun tritt er per Ende Jahr zurück – und hinterlässt ein Unternehmen, das heute anders ausgerichtet ist, als er es vor seinem Amtsantritt angetroffen hatte.

So umfasste die Dätwlyer Gruppe im August 2004 noch fünf Konzernbereiche, von denen drei nur knapp in der Gewinnzone waren oder sogar Verluste schrieben. Entsprechend ungenügend war mit knapp 4 Prozent Betriebsgewinnmarge die Profitabilität der Gruppe. Durch Hälg hat sich der Konzern auf die beiden Bereiche Sealing Solutions und Technical Components konzentriert. Dieser Schachzug führte zu einer Betriebsgewinnmarge von deutlich über 10 Prozent.

Fokussierung auf der strategischen Ebene

Nach einer sorgfältigen Analyse hat sich die Gruppe 2005 zum Ziel gesetzt, in den margenstarken Bereichen Dichtungstechnik und Elektronikdistribution zu den führenden Anbietern zu gehören. Als Konsequenz davon hat die Gruppe Geschäftsaktivitäten mit mehr als 650 Millionen Franken Jahresumsatz verkauft. Die Erlöse aus den Verkäufen wurden genutzt, um die Dichtungstechnik und die Elektronikdistribution gezielt zu stärken und auszubauen. Dies erfolgte durch den Aufbau von eigenen neuen Standorten sowie durch die Übernahme von passenden Unternehmen. Mit Elfa, Reichelt und Nedis in der Elektronikdistribution sowie Phoenix, Zhongding, Hankook, Columbia, Origom und Ott in der Dichtungstechnik hat Dätwyler über 600 Millionen Franken neuen Jahresumsatz dazugekauft. Zusätzlich konnte durch den gezielten Auf- und Ausbau von Standorten im Ausland die Position als anerkannter Zulieferer von globalen Kunden gestärkt werden. Durch die Privatisierung des ehemaligen Konzernbereichs Cabling Solutions konnte das Dätwyler Kabelgeschäft Ende 2012 dem Margendruck der Börse entzogen werden. Als hundertprozentige Tochtergesellschaft der Pema Holding AG kann die Dätwyler Cabling Solutions AG seither als privates Unternehmen ihre Stärken ausspielen.

Paul Hälg war bedacht darauf, die Dätwyler Gruppe kontinuierlich zu verbessern. 2008 wurden Kunden- und Mitarbeiterumfragen eingeführt. Die Prozesse und Strukturen werden laufend hinterfragt und wenn nötig angepasst. In den ergangenen zwölf Jahren hat Dätwyler an beiden Urner Standorten über 200 Millionen Franken in die Modernisierung der Anlagen und Gebäude investiert. Auch der Einkauf der Dätwyler Gesellschaften beim Urner Gewerbe beläuft sich auf rund 20 Millionen Franken pro Jahr.

Auch Dätwyler war wegen des starken Frankens gezwungen, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern. Ein schmwerzhafter Entscheid. Doch heute werden gerade durch die kostengünstigen Produktionsstandorte im Ausland auch die Kompetenzzentren in der Schweiz gestärkt. Mit dem Auf- und Ausbau der Zusammenarbeit mit Nespresso in Schattdorf hat Dätwyler bewiesen, dass hochautomatisierte Fertigungen für hohe Stückzahlen in der Schweiz möglich sind. Unter der Führung von Paul Hälg haben sich auch das Selbstverständnis und das Selbstbewusstsein der Mitarbeiter der Dätwyler Gruppe verändert. Aus einem Schweizer Unternehmen mit wenigen Niederlassungen im Ausland ist eine starke internationale Gruppe mit eigenen Produktionswerken in den drei wichtigsten Wirtschaftsregionen Europa, Nafta und Asien geworden.

Im Fall der ehemaligen «Gummi» in Schattdorf hat auch die erfolgreiche Bewältigung des Hochwassers 2005 das Selbstbewusstsein der Mitarbeiter auf allen Hierarchiestufen gestärkt. Mit der Einführung von Unternehmenswerten und Feierlichkeiten zum 100-Jahr-Jubiläum ist es 2015 gelungen, die starken Wurzeln der Dätwyler Gruppe an allen Standorten rund um die Welt zu verankern.

Beide Dätwyler-Konzernbereiche sind heute in attraktiven Marktnischen gut aufgestellt. Der strategische Fokus für die Zukunft liegt ganz klar auf profitablem Wachstum.

Viel versprechendes Wachstumspotenzial

Mit Dirk Lambrecht geht das CEO-Amt an eine erprobte und international erfahrene Führungskraft. Er hat als Leiter des Konzernbereichs Sealing Solutions seit 2005 die Entwicklung und das Wachstum dieses Konzernbereichs geprägt.

Paul Hälg bleibt der Dätwyler Gruppe ebenfalls erhalten: Er wird zur Wahl als Verwaltungsratspräsident vorgeschlagen. Er tritt die Nachfolge von Ulrich Graf an, welcher sein Amt nach zwölf Jahren altershalber zur Verfügung stellt. (red)

Hinweis

Der Text wurde von der Dätwyler Gruppe zur Verfügung gestellt.