Dätwyler verkauft Kabelsparte an Hauptaktionär

Der Urner Industriekonzern Dätwyler gliedert sich um: Die Kabelsparte wird für 95 Mio. Fr. an die Pema Holding, den Hauptaktionär der Dätwyler-Gruppe verkauft. Von den restlichen drei Konzernbereichen werden zwei zusammengelegt.

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Dätwyler ist als grosser Arbeitgeber von Bedeutung für die Urner Volkswirtschaft. Blick in die Anlage zur Prodktion von Kupferkabel in Altdorf. (Bild: Angel Sanchez / Neue UZ)

Dätwyler ist als grosser Arbeitgeber von Bedeutung für die Urner Volkswirtschaft. Blick in die Anlage zur Prodktion von Kupferkabel in Altdorf. (Bild: Angel Sanchez / Neue UZ)

Damit wolle sich Dätwyler auf wachstums- und margenstarke Geschäfte konzentrieren, sagte Konzernchef Paul Hälg am Dienstag vor den Medien in Zürich. Dazu gehört die Kabelproduktion nicht. Während die übrigen Konzernbereiche Betriebsgewinnmargen von über 10 Prozent erzielten, warf die Kabelsparte im letzten Jahr gerade einmal 1,9 Prozent ab.

Wegen der Franken-Stärke und Restrukturierungskosten war bei einem leicht tieferen Umsatz von 241 Mio. Fr. (-1,1 Prozent) der Betriebsgewinn (EBIT) von 9,6 Mio. auf 4,6 Mio. Fr. eingebrochen. Ohne Restrukturierungskosten hätte die Kabelherstellung eine Marge von 4,3 Prozent erzielt.

Die Kabelherstellung habe sich in den letzten Jahren weltweit zu einem Volumengeschäft entwickelt, sagte Hälg. Es sei immer schwieriger geworden, sich auf Produktebene von der Konkurrenz unterscheiden zu können.

Verlagerungen in billigere Länder

Angesichts der Lage zog Dätwyler Restrukturierungen durch. So wurde entschieden, die Liftkabelproduktion nach China und die arbeitsintensive Kabelkonfektionierung nach Tschechien zu verlagern. Dies kostete 100 Stellen in Altdorf, wobei es zu 40 Entlassungen kam. In Altdorf werden künftig nur noch technisch hochwertige Kabeltypen hergestellt, wozu das Werk bis 2013 modernisiert wird.

Im Vergleich zu anderen Kabelherstellern seien die Margen allerdings durchaus ansprechend, sagte Hälg: Das Geschäftsmodell stimme. Aber die Marge sei zu tief für die Gruppe, so dass Dätwyler den Bereich auf Anfang 2013 an die Pema verkaufe. Die Pema Holding AG besitzt 52,65 Prozent des Aktienkapitals der Dätwyler Holding, womit sie 80,3 Prozent der Stimmen kontrolliert.

Mit der Ausgliederung verschwindet die Kabelsparte vom Radar der Börsianer, die höhere Margen sehen wollen. Damit kann sie künftig aggressivere Preise anbieten und Aufträge gewinnen, die sie bisher aus Renditegründen ablehnen musste.

Die Pema, die sich die Förderung des Werkplatzes Uri auf die Fahne geschrieben habe, sei die ideale Eigentümerin für die Kabelsparte, sagte Hälg. Sie übernehme alle Mitarbeiter und Standorte. Auch die operative Führung bleibe an Bord. «Dies garantiert Kontinuität bei der Weiterführung des Geschäfts», sagte Hälg. Für die 850 Mitarbeiter, davon 420 in Altdorf, ändere sich nichts.

Bündelung der Dichtungssparten

Von den verbleibenden drei Konzernbereichen legt Dätwyler zwei zusammen. Davon stellt der eine Dichtungen für flüssige Medikamente her und der andere Dichtungen für Industrieprodukte wie beispielsweise Autobremsen. Mit der Bündelung könne Dätwyler neue Märkte angehen und global schneller wachsen.

So wolle man neue Aufträge aus der Lebensmittelbranche oder etwa der Öl- und Gasindustrie gewinnen. Der Grossauftrag von Nespresso, wo bereits die Kompetenzen beider Sparten genutzt worden seien, sei erst der Anfang gewesen, erklärte Hälg.

sda