Leserbrief

«Damaliger Sicherheitsdirektor hätte einschreiten sollen»

«Landrat will Antworten zur Polizei», Ausgabe vom 11. Januar

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Landrat Franz-Xaver Simmen zieht mit Kanonen in den Krieg. Er meint, dass die Öffentlichkeit ein Recht auf Aufklärung hat, im Zusammenhang mit den unliebsamen Vorkommnissen im Urner Polizeikorps. Wo er recht hat, da hat er recht.

Aber, und da kommt ein «grosses Aber» daher; denn man hätte beim Vorgänger des jetzigen Kommandanten einen Untersuch betreffend der früheren Führung vornehmen sollen – ich erinnere nur an die nachträglichen Forderungen des damaligen Kommandanten. Das Korps, das heisst die Mitarbeitenden, die Kommandant Pfister übernahm, hat eine Vorgeschichte. Dazu stelle ich fest: Wo waren die Verantwortlichen der Politik vor der «Ära Pfister»?

Der heutige Kommandant übernahm das Korps, das sein Vorgänger zurückgelassen hatte; es gab kein anderes. Beim Vorgänger wurde angerichtet, was nun zutage kommt. Sofort einen anderen Korpsgeist zu erreichen, ist eine Aufgabe, die nicht von heute auf morgen erreicht werden kann. Die Situation kann nicht einfach geklärt werden. Gewisse Leute konnten sich in eine Rolle hineinmanövrieren und sich ein kleines «Reich» schaffen oder zumindest sich so aufzuführen als ob. Daraus ergaben sich Zwistigkeiten in den Abteilungen. Um Remedur zu schaffen, war es offenbar nötig, die Reissleine zu ziehen und eine, nun bemängelte Konsequenz, zu vollziehen. Da hätte der damalige Chef eingreifen müssen, hat es aber unterlassen, weil ihm wichtig war, dass der Wagen läuft.

Jetzt Kommandant Pfister und den Sicherheitsdirektor anzugreifen, scheint nicht zielführend zu sein. Im Gegenteil, man nimmt den beiden Protagonisten den Rückhalt und bezichtigt sie der Unfähigkeit, das Korps zu führen. Wenn sich gewisse Mitarbeitende hassen, ist es nicht dem heutigen Vorgesetztenstab anzukreiden. Früher schon hätte der damalige Sicherheitsdirektor einschreiten sollen.

Als damaliger Mitarbeiter der Urner Polizei ist es mir ein Anliegen, dass der Fokus auf das gerichtet werden soll, was in meiner Erinnerung von Korpsangehörigen immer wieder erörtert wird und den Fakten entspricht. Ob ein Aussenstehender, der von der damaligen Situation keinen blassen Schimmer hat, in die Öffentlichkeit zu treten, der Sache nützt, ist mehr als fraglich.

Paul Spiess, Altdorf