Furka-Dampfbahn feiert heuer gleich dreifach

Eine spektakuläre Rückholaktion aus Vietnam und Jubiläen der Fertigstellung der Furka-Bergstrecke geben im Sommer Anlass zum Feiern.

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Die Dampflok, hier bei ihrer Jungfernfahrt im vergangenen Jahr, steht im August erneut im Rampenlicht.

Die Dampflok, hier bei ihrer Jungfernfahrt im vergangenen Jahr, steht im August erneut im Rampenlicht.

Bild: Paul Gwerder,Gletsch, 25. Juni 2019

(RIN) Die Dampfbahn Furka-Bergstrecke (DFB) hat dieses Jahr Anlass zum Feiern – und dies gleich dreifach. Am 12. August ist es runde 10 Jahre her, seit der Streckenabschnitt Gletsch- Oberwald, und damit die gesamte ehemalige Bergstrecke, in Betrieb genommen werden konnte. Gleichzeitig ist es 20 Jahre her, seit die Strecke Realp-Gletsch durchgehend befahrbar ist. Und zu guter Letzt ist es 30 Jahre her, seit Pioniere der DFB in einer spektakulären Aktion mehrere verrostete Zahnrad-Dampfloks aus dem vietnamesischen Hochland in die Schweiz zurückholten.

Am Wochenende des 22. und 23. August werden die drei Jubiläen im Rahmen eines Festes in Gletsch ausgiebig gefeiert. Die Vorarbeiten für ein gelungenes Fest seien bereits gestartet worden: «Mit diversen Partnern von Bahn und Region wird ein attraktives Programm erarbeitet», sagt Karl Reichenbach, Leiter Verkauf. Geplant seien Extrafahrten mit der Lok HG 4/4 Nr. 704, nostalgische Postautofahrten, Marktstände mit regionalen Produkten sowie Ausstellungen über und Führungen durch Gletsch.

Bergstrecke wurde nach und nach wieder befahrbar

Der 12. August 2010 war für die DFB ein besonderes Datum. An jenem Tag wurde der letzte in Stand gestellte Streckenabschnitt zwischen Gletsch und Oberwald wieder in Betrieb genommen. Dies bedeutete gleichzeitig, dass die Bergstrecke über die Furka erstmals seit 1981 wieder in ihrer ganzen Länge zwischen Realp im Urserntal und Oberwald im Goms befahrbar war. Die anderen Teilstrecken und der Grossteil der Infrastruktur waren für den Betrieb vorbereitet worden. Am 11. Juli 1992 ging es erstmals fahrplanmässig von Realp bis Tiefenbach; am 30. Juli 1993 konnte der Betrieb bis zur Station Furka verlängert werden. Und am 24. Juli 2000, also vor 20 Jahren, verkehrten erstmals fahrplanmässige Züge zwischen Realp und Gletsch durch den Furka-Scheiteltunnel. Danach vergingen erneut sechs Jahre, bis der Spatenstich für das verbleibende Teilstück vorgenommen werden konnte. Nochmals vier Jahre brauchte es, bis auch dieser Teil der Bergstrecke wieder benützt werden konnte.

Josef Hamburger wird neuer Geschäftsleiter

(RIN) Nach dem Rücktritt des langjährigen Geschäftsleiters Urs W. Züllig hat die Dampfbahn Furka-Berstrecke AG ihre Leitung neu organisiert und teilweise umstrukturiert. Neuer Geschäftsleiter ist der 36-jährige Entlebucher Josef Hamburger. Sein Stellvertreter ist Reto Brehm, zugleich auch Leiter Bau. Die weiteren Mitglieder der Geschäftsleitung sind: Mark Steiner, Leiter Zugförderung und Werkstätten, Karl Reichenbach, Leiter Verkauf, Hajo Spross, Leiter Informatik, Martin Alther, Leiter Finanzen und Controlling und Beat Frautschi, Leiter Dienste. Marcel Bänziger leitet die Stabstelle Sicherheit und ist an den Geschäftsleitungssitzung beratend dabei. 

«Back to Switzerland» ist 30 Jahre her

Mittlerweile sind 30 Jahre vergangen, seit im Sommer 1990 17 mutige Männer und eine Frau unter der Leitung von Ralph Schorno und Hansgeorg Bühler im Südwesten von Vietnam nach jahrelangen Vorarbeiten und zähen Verhandlungen den entscheidenden Schritt der spektakulären Aktion «Back to Switzerland» in Angriff nahmen. Dieser bestand darin, vier seit Jahren vor sich hinrostende Zahnrad-Dampflokomotiven und einen Güterwagen von Da Lat auf 1500 Metern über Meer über 108 Kilometer mit teilweise unbefestigten Strassen und wackeligen Brücken nach Thap Cham zu transportieren. Von dort ging es mit der «Beute» via Bahn nach Saigon, dann via Schiff nach Hamburg und dann erneut mit der Bahn in die Schweiz.

Die beiden repatriierten HG 3/4 Nr. 1 und Nr. 9, die vor ihrem Verkauf nach Vietnam bereits bis 1947 auf der Furka-Bergstrecke eingesetzt waren, stehen seit 1993 wieder an ihrer früheren Wirkungsstätte in Betrieb. Von den zwei HG 4/4, die Anfang der 1920er-Jahre direkt von der Schweiz nach Vietnam verkauft wurden, bildet die Nr. 704 seit dem Sommer 2019 als stärkste Zahnrad-Dampflokomotive Europas das Paradepferd der DFB.