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DAS ANDERE INTERVIEW: «Wenn das Stück gelingt, sind wir alle Helden»

Pan Aurel Bucher (26), Tell-Darsteller
Schauspieler Pan Aurel Bucher (26) aus Luzern ist der jüngste und erste Nichturner Tell-Darsteller. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Schauspieler Pan Aurel Bucher (26) aus Luzern ist der jüngste und erste Nichturner Tell-Darsteller. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Pan Aurel Bucher spielt an den Tellspielen Altdorf den Wilhelm Tell. Der 26-jährige Luzerner ist der erste Nichturner, der diese Rolle spielt. Bucher studiert an der Zürcher Hochschule der Künste Schauspiel. Im nächsten Jahr will er mit dem Master abschliessen. Die Tellspiele sind Teil seiner Ausbildung. Seine ersten Lebensjahre verbrachte der Schlagzeuger der Luzerner Band Norman Die in Kalifornien. In Luzern besuchte er die Kantonsschule Musegg, wo er 2009 erfolgreich die Musikmatura abschloss. Warum ihm die Rolle des Tell schon als Schulbub auf den Leib geschrieben wurde, erzählte er uns letzte Woche auf dem Segelschiff seiner Familie in Luzern – kurz vor seiner Abreise über den See ins Urnerland.

Pan Aurel Bucher, sind Sie nicht der Bursche, der singend mit einer Frau im Ruderboot auf dem Vierwaldstättersee unterwegs war und fast mit dem Nauen «Goliath» kollidierte, der die grösste Leinwand der Schweiz transportierte?

Pan Aurel Bucher: Genau, das war ein Werbespot fürs Verkehrshaus-Filmtheater.

Ein herrlicher Werbefilm. Werden Sie oft darin erkannt, so wie jetzt von mir?

Bucher: Das kommt schon vor. Die Kinder, die an den Tellspielen mitwirken, sagten zu mir: «Du bist doch der mit dem Böötli.»

Eben, man kennt Sie anhand dieses Spots. Dabei haben Sie davor und später schon einige andere Rollen, darunter auch viele in Musicals, gespielt, etwa bei «Ewigi Liebi» oder dann Danny Zuko in «Grease», der im Kinofilm von John Travolta verkörpert wurde.

Bucher: Ja, klar. Die Schauspielerei mit meiner anderen Leidenschaft, der Musik, zu verbinden, ist für mich als Schlagzeuger einer Band natürlich super. Musicals liebe ich sowieso, sie erfordern ein breites Können.

Der Tell an den Tellspielen Altdorf ist aber eine andere Geschichte. Was reizt Sie an dieser Figur?

Bucher: Das Schauspiel ist eine völlig andere Disziplin. Man ist viel vertiefter in seiner Figur. Die Aufgabe ist: Wie kann ich mit ihr die Leute berühren?

Gute Frage. Wie sehr können Sie sich in Tell hineinversetzen, abgesehen davon, dass Sie sich einen Bart wachsen liessen?

Bucher: Haha, der gehört dazu. Mode­technisch bin ich damit ja im Trend. Mit dem Tell habe ich mich aber schon vor zwei Jahren in meinem letzten Bachelorjahr auseinandergesetzt. Mein Dozent Philipp Becker, der auch Regisseur der diesjährigen Tellspiele Altdorf ist, arbeitete damals schon an der Tell-Fassung. Er motivierte mich, den Monolog in meine Bachelorabschlussarbeit zu integrieren. Er meinte, dass dies für mich als Luzerner und Zentralschweizer das richtige Thema sei. Damit gewann ich sogar den Förderpreis der Armin-Ziegler-Stiftung.

Dann war der Weg für die Tell-Rolle damals bereits geebnet?

Bucher: Nein, das hatte überhaupt nichts damit zu tun. Daran dachte ich keine Sekunde. Becker meldete sich erst im letzten Winter bei mir und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, den Tell zu spielen.

Die Frage beantwortete sich von selbst, oder?

Bucher: Nein, gar nicht. Ich hätte eher gedacht, dass ich als junger angehender Schauspieler als Tells Bub in Frage käme. Aber Becker wollte mich als jüngsten Tell der Spiele engagieren.

Und erst noch dazu als erster Nichturner. Wie wurden Sie denn mit dieser «Bürde» in Altdorf empfangen?

Bucher: Unglaublich herzlich. Ich lebte mich auch sehr schnell ein. Zuerst fuhr ich zweimal pro Woche von Luzern nach Altdorf, später wohnte ich im Segelboot unserer Familie im Hafen von Flüelen.

Dann sind Sie inzwischen fast ein Einheimischer?

Bucher: Fast. Ich ging bewusst nicht aus der Gegend. Ich wollte die Region spüren, etwa indem ich mit dem Boot zum Schillerstein und zum Rütli segelte. Ich lernte auch meine Rolle im Boot. Wenn man bedenkt, wie Schiller die Gegend allein aus den Erzählungen von Goethe beschrieb, da er ja nie selber hier war. Also das begeistert mich schon ... (der Vollblutschauspieler Bucher gerät ins Schwärmen).

Wenn ich Ihnen so zuhöre, besteht für mich kein Zweifel, dass Sie der richtige Mann für die Rolle sind.

Bucher: Unsere Familie ist mehr oder weniger mit der Figur verbunden. Mein Grossonkel Arnold Claudio Schärer schrieb das Buch «Und es gab Tell doch». Und ich selber bin auf einer Schulreise als achtjähriger Bub in der Gesslerburg in Küssnacht auf den Kopf gefallen und habe mir eine Hirnerschütterung zugezogen. Eine gewisse Abneigung gegen Gessler bestand also bei mir schon von klein auf.

Das ist nachvollziehbar. Was ist Ihre persönliche Meinung: Spielen Sie die Rolle einer Märchenfigur, oder glauben Sie, dass Tell wirklich existierte?

Bucher: Ein Historiker sagte einmal, dass es ganz viele Tells gegeben habe. Ich teile diese Meinung. Tell löste in der Geschichte nur etwas aus, aber das Volk stemmte sich schliesslich gegen die Obrigkeit und bestritt den Kampf. Wir bei den Tellspielen sind eine Gruppe von rund hundert Leuten. Wenn das Stück gelingt, sind wir auch alle Helden.

Da haben Sie die Frage elegant umschifft, aber das passt. Was mich noch interessiert: Sie leben derzeit auf dem Segelboot der Familie in Flüelen, wo doch jetzt eine gute Zeit zum Segeln wäre. Es ist also quasi ein Familienprojekt, da die andern Mitglieder auf ihre Segeltouren verzichten müssen ...

Bucher: ... was ich ihnen hoch anrechne. Aber auf die Unterstützung meiner Familie darf ich zählen. Meinem Vater wurde im Gymnasium seinerzeit verboten, den Tell zu spielen, weil er zu viel Zeit bei den Proben statt beim Lernen verbrachte. So musste es wohl sein, dass später irgendeiner aus der Familie den Tell spielt. Das freut die Familie vermutlich umso mehr.

Sind Sie selber auch einer wie Tell?

Bucher: Kommt darauf an. An ein paar Punkten kann ich andocken. Tell beschrieb sich so: «Bedürft ihr meiner zu bestimmter Tat, dann ruft den Tell, es soll an mir nicht fehlen.» Wenn man mich braucht, dann bin ich auch zur Stelle. Ausserdem war Tell ein Familienmensch, das bin ich auch.

Und wie haben Sie es mit dem Armbrustschiessen?

Bucher: Ich werde mit einer echten Armbrust den Apfel vom Kopf des Buben schiessen. Am 1. August in Meggen habe ich beim Armbrustschiessen geübt. Einmal hätte ich fast in die Mitte getroffen.

Da wird sich Ihr kleiner Schauspielpartner aber sicher freuen. Aber Sie bedienen sich bestimmt eines Tricks?

Bucher: Kommen Sie an eine Vorstellung und sehen Sie selbst. Aber setzen Sie sich nicht in die Mitte.

Roger Rüegger

Hinweis

Premiere der Tellspiele Altdorf ist am 20. August. Die weiteren Spieldaten sowie Informationen über die Darsteller und die Eintrittspreise finden Sie im Internet unter www.tellspiele-altdorf.ch

mit Pan Aurel Bucher (26), Tell-Darsteller

Das andere Interview: Weitere Beiträge finden Sie im Internet auf www.luzernerzeitung.ch/serien

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