Das «Feld» in Gurtnellen schliesst – so erklären die Urner Gourmets das Ende ihres Restaurants

Beat Walker und Marco Helbling müssen das Gasthaus im Feld in Gurtnellen schliessen. Sie hoffen aber auf einen Wiedereinstieg.

Christian Tschümperlin
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Der Spitzenkoch Beat Walker und sein Partner Marco Helbling sind Gastgeber mit Leib und Seele. Ihr Gasthaus im Feld in Gurtnellen steht für ur-urnerische Küche, die modern interpretiert wird. Die Spitzenküche im schwach besiedelten Urner Dörfchen hat sich einen Namen weit über die Kantonsgrenze gemacht. Noch am Abend vor dem Lockdown war das Restaurant bis auf den letzten Platz ausgebucht. Doch nun mussten die Beiden die Schliessung des Betriebs bekannt geben.

Im Gasthaus im Feld in Gurtnellen präsentierten die beiden Gastgeber Marco Helbling und Beat Walker (Koch) während Jahren Kochkunst auf hohem Niveau.

Im Gasthaus im Feld in Gurtnellen präsentierten die beiden Gastgeber Marco Helbling und Beat Walker (Koch) während Jahren Kochkunst auf hohem Niveau.

Bild: Boris Bürgisser (13. April 2016)

In dieser schwierigen Zeit einen Kredit aufzunehmen, kommt für Helbling und Walker nicht in Frage: «Dessen Rückzahlung innert Fünfjahresfrist, obschon zinslos, dürfte zu einer unlösbaren Aufgabe verkommen», sagt Walker. «Fünf Jahre sind schnell vorbei und wir können die notwendigen Schutzmassnahmen des Bundes nicht umsetzen, ohne dass der Betrieb noch weiter defizitär wird.»

Zweier-Tische reichen nicht für genügend Umsatz

Zwar habe die Abwicklung der Kurzarbeitsentschädigung nahtlos geklappt. Und auch die Öffnung der Restaurants komme früher als gedacht. Doch all dies vermag die Situation im «Feld» nicht zu entschärfen: «Würden wir beispielsweise auf Zweier-Tische setzen, so könnte man auf den drei Stöcken maximal 18 Personen bedienen, das sind zu wenig.»

Damit noch nicht genug: Auch die Maskentragpflicht sei nicht praktikabel. «Gehen Sie mal den ganzen Tag eine Treppe rauf und runter mit einer Schutzmaske», gibt Walker zu bedenken. Darum habe man schweren Herzens die Notbremse ziehen müssen. «Man fährt nicht etwas an die Wand, das man liebt.» Walker hat das Wochenende damit verbracht, Arbeitszeugnisse zu schreiben. Den 15 Mitarbeitern wurde die Kündigung ausgesprochen.

Bild: Urs Flüeler/Keystone

Pechsträhne will nicht enden

Das Aus für das Restaurant mit 16 Gault-Millau-Punkten geht Walker nahe. «Als wir das ‹Feld› 2012 in der fünften Generation seit 1876 übernahmen, haben wir viel Herzblut investiert.» Der Erfolg kam – doch vergangenes Jahr auch das Pech. Strassensperren am Axen und Lawinenniedergänge hielten Gäste fern. Mit neuem Elan starteten sie nach der Winterpause, doch dann Lockdown.

Trotz allem kann der Spitzenkoch der Krise auch etwas Positives abgewinnen: «Viele Menschen glauben heute, es gäbe alles gratis.» Durch die Krise können man beginnen, darüber nachzudenken, was wirklich wichtig sei im Leben. «Ein Restaurant ist ein Farbtupfer in einem Dorf. Wir sollten wieder lernen, dankbar zu sein, für das, was wir haben.»

Ein Zwischenverdienst für seine Mitarbeiter

Dabei versuchte Walker das Schlimmste bis zum Schluss zu verhindern. Kurzum nahm er nach dem Lockdown eine Aushilfsstelle als Koch im Alterszentrum Oeltrotte in Ennetbürgen an. Dies mit einem Ziel: Mit dem Zwischenverdienst sollten die laufenden Verbindlichkeiten und insbesondere die Löhne der Mitarbeiter weiterhin beglichen werden können. «Die Oeltrotte ist das schönste Altersheim», schwärmt er. «Es ist zwar alt. Aber es hat ein Herz und Seele und lebt von den Mitarbeitern.»

Ein kleiner Trost für die schwierige Situation. Walker und sein Partner haben bereits sehr viele ermunternde Nachrichten erhalten, in denen die Hoffnung zum Ausdruck kommt, das «Feld» möge doch weitermachen. «So haben uns Gäste angeboten, dass sie bereit wären, Preisaufschläge zu akzeptieren oder eine Crowdfunding-Aktion zu unterstützen. Wir möchten uns bei unseren Gästen ganz herzlich für ihre Treue bedanken.»

Einen Funken Hoffnung für eine Wiedereröffnung sehen die beiden aber – frühestens jedoch nach der Coronakrise könne man sich dazu entschliessen. «Die Hoffnung darf man nicht aufgeben.»

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Christian Tschümperlin