Fabio Wyrsch ist der erste Urner Schütze in der Spitzensport-RS: «Das gibt mir einen guten Einblick ins Profileben»

Der Schattdorfer ist kürzlich in Magglingen eingerückt. Für ihn geht damit ein Traum in Erfüllung.

Paul Gwerder
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Fabio Wyrsch hat am vergangenen Sonntag ein «Trockentraining» im Kleinkaliberstand in Erstfeld absolviert.

Fabio Wyrsch hat am vergangenen Sonntag ein «Trockentraining» im Kleinkaliberstand in Erstfeld absolviert.

Paul Gwerder (Erstfeld, 7. Juni 2020)

Am 11. Mai ist der 22-jährige Fabio Wyrsch zusammen mit 30 Sportlerinnen und Sportlern aus den verschiedensten Disziplinen in die Spitzensport-Rekrutenschule in Magglingen eingerückt. Mit dabei waren seine beiden Schützenkolleginnen Franziska Stark und Nadja Kübler. Wyrsch zeigt sich erfreut, dass es mit Magglingen geklappt hat: «Ich habe bereits am Orientierungstag mit 18 Jahren und an der späteren Rekrutierung immer den Wunsch geäussert, die Spitzensport-RS in Magglingen zu absolvieren», erinnert sich der junge Sportler.

«Dank der Unterstützung des schweizerischen Schützenverbandes konnte ich im Dezember 2018 an ein Vorstellungsgespräch nach Magglingen und dort meine Karriereplanung als Schütze aufzeigen», erzählt Wyrsch. Dabei stellten die Vorgesetzten fest, dass grösseres Potenzial vorhanden ist und anschliessend musste der Athlet noch eine sportspezifische und anschliessend einen polysportiven Test abliefern. Zur grossen Freude erhielt Fabio Wyrsch anschliessend den Zuschlag und wurde in die Spitzensport-Rekrutenschule (RS) eingeteilt.

Änderungen in der Rekrutenschule wegen Lockdown

Wegen des Lockdowns gab es einige Änderungen im Ablauf der diesjährigen RS und die Spitzensportler konnten sich zuerst auf ein voll sportspezifisches Training konzentrieren. «Wir Sportschützen trainieren täglich unter der Leitung von Trainer Jan Hollenweger vormittags und nachmittags je rund drei bis vier Stunden mit dem Luft- oder Kleinkalibergewehr. Das gibt mir einen guten Einblick ins Profileben», so Wyrsch. Dabei wurden das Schutzkonzept des SSV, und die Verhaltensregeln des Bundesamtes für Gesundheit konsequent eingehalten. Geschossen wurde zum Beispiel auch mit den bekannten zwei Meter Abstand. «Auch äusserlich gab es Unterschiede zur normalen 18-wöchigen RS. So bin ich immer noch nicht militärisch eingekleidet worden – ausser mit dem Trainingsanzug der Spitzensport Armee», sagt Wyrsch.

Die individuelle Entwicklung an der RS wird mit den Ausbildungsblöcken Medienschulung, Massageausbildung, Englischunterricht, Mentaltraining sowie Inputs zu Doping, Ernährung und Regeneration unterstützt. «Ein guter Schütze sollte etwas Talent mitbringen und wichtig für diesen Sport ist das physische Training, Kraft, Ausdauer und Koordination», betont der Sportschütze. Dazu brauchen die Schützinnen und Schützen ein gutes Körpergefühl und eine positive Lebenseinstellung.

Die allgemeine rund dreiwöchige Grundausbildung mit den militärischen Umgangsformen, Sanitätsdienst und so weiter folgen in diesem aussergewöhnlichen Jahr erst am Schluss der Rekrutenschule.

Vater Paul Wyrsch – das grosse Vorbild

Das Talent wurde Fabio Wyrsch in die Wiege gelegt, denn sein Vater Paul – ebenfalls ein hervorragender Sportschütze – ist mehrmals mit Schweizer Meisterschaftsmedaillen heimgekehrt und ist heute immer noch einer der besten Urner Sportschützen. «Für mich hatte mein Vater definitiv eine grosse Vorbildfunktion und er hat mich stark gefördert, aber nie zu etwas gezwungen, was ich nicht wollte», sagt Fabio Wyrsch.

Erstmals schiessen durfte der damals elfjährige Wyrsch dank dem «Urner Sportpass» in der Indoor Anlage im Schützenhaus Altdorf. «Danach folgte die Teilnahme am J+S Kurs und ich begann, regelmässig zu trainieren – auch wenn der Spass zu dieser Zeit unter den Kollegen teilweise wichtiger war als die sportliche Leistung. Einige Zeit versuchte ich es als Bike-Fahrer bei der IG Radsport Uri und diese Zeit hat mir viel gebracht. Dort lernte ich, durchzuhalten. So war es eine sehr gute Lebensschule und es hiess immer: Du musst auf die Zähne beissen – bis ins Ziel», berichtet Wyrsch.

Olympische Spiele 2028 in Los Angeles als grosses Ziel

Fabio Wyrsch ist am 18. März 1998 geboren und in Schattdorf aufgewachsen. Nach der Schulzeit absolvierte er die vierjährige Ausbildung zum Elektroinstallateur. Heute arbeitet er in einem 70-Prozent-Pensum beim EWA. «Ich habe einen sehr grosszügigen Arbeitgeber, der mich immer unterstützt, sodass ich jederzeit an den nationalen und internationalen Wettkämpfen teilnehmen kann. Dafür bin ich sehr dankbar», betont Wyrsch.

Der sportliche Aufstieg begann für Fabio Wyrsch nach der dritten Oberstufenklasse mit dem Schritt ins Nachwuchskader. In diesem Jahr (2014) gewann er die erste Schweizer Meisterschaftsmedaille (Bronze) in der Kategorie U17 mit dem Luftgewehr. Ein wichtiger Meilenstein in der Karriere war der erste internationale Wettkampf im Jahr 2015 in Innsbruck. Dort konnte der junge Urner viele Erfahrungen sammeln und sich mit den besten Schützen, die vorwiegend aus Ostblockländern und dem asiatischen Raum stammen, auf sehr hohem Niveau messen. Im darauffolgenden Jahr gab es in der Juniorenkategorie an der Schweizer Meisterschaft die Bronzemedaille. Bis heute hat Fabio Wyrsch insgesamt fünf Schweizer Meisterschaftsmedaillen gewonnen, davon vier mit dem Luftgewehr und eine mit dem Kleinkalibergewehr. Jetzt kämpft er bereits das zweite Jahr in der Elitekategorie um Medaillen und durfte in dieser Zeit die Schweiz an den Europameisterschaften in Polen vertreten.

Wyrsch hofft natürlich, dass die Karrierekurve weiter nach oben zeigt: «Mein grösster Traum und das sportliche Ziel ist die Teilnahme an den olympischen Spielen 2028 in Los Angeles.»