Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Kunstrasen in Uri: Das Feld reicht von Freude bis Sorgen

Während es der FC Schattdorf kaum erwarten kann, bald auf dem neuen Kunstrasen auf dem Sportplatz Grüner Wald spielen zu können, bringt das Thema auch Fragen zu Gesundheit und Umweltschutz auf. Eine Auslegeordnung.
Markus Zwyssig und Carmen Epp
Nun kann auf dem Sportplatz Grüner Wald der Kunstrasen verlegt werden. (Bild: Urs Hanhart, Schattdorf, 24. April 2019)

Nun kann auf dem Sportplatz Grüner Wald der Kunstrasen verlegt werden. (Bild: Urs Hanhart, Schattdorf, 24. April 2019)

Auf dem Sportplatz Grüner Wald in Schattdorf nimmt der neue Fussballplatz langsam Formen an. Nach Ostern wurde begonnen, den Kunstrasen auszurollen und zu verlegen. «Wir sind zeitlich gut im Plan», sagt Ralph Bomatter, Medienverantwortlicher beim FC Schattdorf. Das ist auch notwendig, denn am 11. Mai soll bereits das erste Meisterschaftsspiel auf dem neuen Platz stattfinden.

Die Umrüstung von Natur- auf Kunstrasen kostet den FC Schattdorf gesamthaft 1,65 Millionen Franken. Die Gemeinde hat sich mit 950'000, der Kanton mit 500'000 Franken beteiligt. 200'000 Franken trägt der FC Schattdorf selber. Ein Sponsorenlauf sowie der symbolische Verkauf des neuen Kunstrasenplatzes sollen zur Unterstützung beitragen. «Zusätzlich erbringen die Mitglieder des FC Schattdorf sehr viele Eigenleistungen», sagt Bomatter.

Dank dem neuen Kunstrasen können in Zukunft wieder alle Teams des FC Schattdorf in der Wohngemeinde trainieren. «Das bringt Identität», so Bomatter. Die Junioren müssen nicht mehr nach Bürglen und Seedorf ausweichen, die Aktiven nicht mehr in Flüelen trainieren. «Alle Meisterschaftsspiele können auf dem neuen Platz stattfinden. Eine Spielabsage gibt es nur, wenn zehn Zentimeter Schnee liegen», hält Bomatter fest.

FC braucht weiterhin alten Kunstrasenplatz zum Trainieren

Der Kunstrasen Grundmatte in Schattdorf, der 2004 erstellt worden ist, hat gemäss Untersuchung von Spezialisten die technische Lebensdauer bereits erreicht. Eine Sanierung würde rund 1 Million Franken kosten, sagt der Schattdorfer Gemeindepräsident Bruno Gamma auf Anfrage. «Der Platz kann weiterhin für Trainingszwecke genutzt werden, jedoch für Wettkämpfe wäre er nicht mehr zugelassen.» Ob bei einer sich nun bald aufdrängenden Sanierung allenfalls eine neue Form des Kunstrasens (unverfüllter Kunstrasen statt Granulat) ins Auge gefasst wird, ist noch nicht klar. «Der Bereich Infrastruktur, Bau und Raumplanung beobachtet die Entwicklungen und Erfahrungen rund um den Kunstrasen des ESC Erstfeld und des FC Schattdorf», hält Gamma fest.

Beim Bau von Kunstrasen wurden in den vergangenen Jahren grosse Fortschritte gemacht. War der alte Kunstrasen in der Grundmatte noch auf Granulatbasis erstellt worden, handelt es sich beim neuen Platz um einen sogenannten unverfüllten Kunstrasen, der ohne Gummigranulat auskommt. Bomatter sagt:

«Wir haben bewusst auf die umweltfreundlichere Variante gesetzt.»

Während der FC Schattdorf den neuen Kunstrasen kaum erwarten kann, hält sich die Vorfreude bei Kritikern in Grenzen. Ein Anwohner der Baustelle hat sich die dort gelagerten Materialien mal etwas näher angeschaut. Neben Gefahrensymbolen liess ihn vor allem das Kleingedruckte aufhorchen. So wird darauf hingewiesen, dass der Inhalt Haut- und Augenreizungen sowie Atembeschwerden, Schläfrigkeit und «vermutlich» Krebs verursachen kann. Es werde deshalb empfohlen, Schutzkleidung zu tragen und bei Berührung die Haut mit viel Wasser zu waschen.

«Kein spezielles Risiko für die Gesundheit»

Kann der Kunstrasen also krankmachen? Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gibt Entwarnung. Eine Evaluation der Ergebnisse von Studien aus den USA und Europa zeige, dass Kunstrasen «kein spezielles Risiko für die Gesundheit von Sportlern und Publikum darstellen», wie das BAG im Mai 2017 in einem Merkblatt festhält. Zwar können Spieler die in Kunstrasen verbauten Schadstoffe bei direktem Hautkontakt aufnehmen, etwa bei einem Ausrutscher auf dem Rasen. Auch eine unbeabsichtigte oder bei Kleinkindern beabsichtigte Aufnahme über den Mund sei möglich. Verschiedene Untersuchungen hätten aber gezeigt, dass diese Wege vernachlässigbar sind. Ausserdem sei in Laborstudien nachgewiesen worden, dass die Verdauungssäfte und die Haut nur geringe Mengen der Schadstoffe aufnehmen.

Dasselbe gilt für die Aufnahme der verbauten Schadstoffe über die Lunge. Zwar können beim Spielen oder bei Unterhaltsarbeiten Schwebstoffe in die Luft gelangen. Ein erhöhtes Gesundheitsrisiko ergebe sich jedoch nur bei chronischer Exposition – etwa wenn Arbeitskräfte in schlecht belüfteten Hallen mit Kunstrasen während mehr als fünf Jahren Flächen mit rezykliertem Gummi verlegen. Bei Kunstrasen im Freien verweist das BAG auf aktuelle Studien. Diese haben ergeben, dass die gemessenen Mengen an Schadstoffen in der Luft über den Kunstrasen unterhalb der gesetzlich festgelegten Grenzwerte lagen und damit vergleichbar sind mit jenen in der weiteren Umgebung. Im Laufe der Zeit würden die Mengen an schädlichen Stoffen aufgrund der Verdunstung und Auswaschung durch Regenwasser ohnehin abnehmen, so das BAG weiter.

Amt für Umweltschutz legt Augenmerk auf Entwässerung

Was der Gesundheit zuträglich ist, kann jedoch die Umwelt belasten, wie Alexander Imhof, Vorsteher des Amts für Umweltschutz (AfU), auf Anfrage unserer Zeitung sagt. Durch die Auswaschung der Schadstoffe bestehe nämlich die Gefahr einer Belastung des Boden- und insbesondere des Grundwassers. Das AfU beurteile im Rahmen der Baugesuche neben weiteren Umweltaspekten deshalb in erster Linie die Entwässerung von Kunstrasenplätzen. Dabei müsse als Erstes darauf geachtet werden, dass Kunstrasen so aufgebaut werden, dass möglichst wenig Kunststoffteile ausgetragen werden. Diesbezüglich schneiden unverfüllte Kunstrasen wie jener, der derzeit in Schattdorf verbaut wird, besser ab, als solche, die mit Gummigranulaten verfüllt sind. Diese bestehen oft aus Recyclingmaterial wie alten Autoreifen und weisen auch eine grössere Oberfläche auf, was einen höheren Schadstoffaustrag bedeute. Imhof sagt:

«Nicht zuletzt werden die Gummigranulate auch durch die Benutzung des Rasens in die Umgebung ausgetragen, fügt Imhof an. Und die haben nichts in den umliegenden Wiesen und Gärten zu suchen.»

Teilweise enthalten die Kunststoffe ausserdem problematische Zusatzstoffe. Dies sei vor allem bei der Verwendung von Recyclingkunststoffen der Fall. «Wir fordern daher, dass diese normalerweise nur als Kern von Elastikmatten verwendet werden, die mit einer Schicht Neukunststoffen umhüllt sind», so Imhof.

Dass Kunstrasen irgendwann auch entsorgt werden müssen, sei zwar ebenfalls belastend für die Umwelt. Das treffe aber auf jede Entsorgung von Abfall zu, auch wenn diese umweltrechtlich korrekt und nach der neusten Technik erfolgt. «Die heute in der Schweiz bestehenden Entsorgungswege und -anlagen garantieren jedoch, dass die Entsorgung so umweltschonend wie möglich geschieht», hält Imhof fest.

«Auch ein Kunstrasen kann den Umweltanforderungen genügen»

Und was ist aus Umweltsicht vom Projekt zu halten, das in Altdorf geplant ist? Das AfU habe sich zwar bei den beiden bisherigen Projekten im Kanton Uri eingehend mit der Thematik Kunstrasen befasst, mit dem Projekt in Altdorf bis jetzt nur am Rande. Das werde man beim Vorliegen eines konkreten Projekts eingehender machen. «Es ist in erster Linie unsere Aufgabe, sicherzustellen, dass ein neuer Fussballplatz den gesetzlichen Umweltanforderungen genügt. Das kann ein Naturrasen sein, aber auch ein Kunstrasen kann dem genügen.» So hätten etwa die bisherigen Untersuchungen aus dem Kunstrasen bei Erstfeld gezeigt, dass die Sickerwasserbelastung die gesetzlichen Anforderungen erfüllt. Die Entscheidung in Altdorf sei daher vor allem politischer und finanzieller Art, wozu sich das AfU nicht äussert.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.