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Das Kraftwerk im Erstfeldertal wird Wirklichkeit

Am Freitag ist der Spatenstich erfolgt, an den vor einigen Jahren nicht zu denken war. Das neue Kraftwerk soll Ende 2020 in Betrieb gehen und Strom für 7200 Haushalte liefern.
Urs Hanhart
So soll das Kraftwerk im Erstfeldertal aussehen. (Visualisierung: PD)

So soll das Kraftwerk im Erstfeldertal aussehen. (Visualisierung: PD)

Rund 200 Meter südlich des Forstmagazins Niederhofen in Erstfeld ging gestern ein ganz spezieller Spatenstich mit vielen geladenen Gästen über die Bühne. Zu blauen Schaufeln griffen Vertreter von Elektrizitätswerk Altdorf (EWA), Gemeindewerke Erstfeld sowie Kanton und Korporation Uri, die alle an der Ende November 2018 gegründeten Kraftwerk Erstfeldertal AG beteiligt sind. Sehr ungewöhnlich war der Ort für diesen symbolischen Akt. Der Spatenstich fand mitten auf der Zufahrtsstrasse zur geplanten Kraftwerkzentrale, die im Rahmen von Vorarbeiten erstellt worden war, statt. Auf dem frisch geteerten und dementsprechend sehr harten Untergrund gab es nichts zu Schaufeln. So blieb es beim Posieren mit den Spaten vor zwei eigens aufgestellten Baggern.

Die Verantwortlichen posieren zum Spatenstich: (von links) Thomas Aschwanden, Daniel Diezig, Herbert Brandstätter, Ruedi Cathry, Kurt Schuler, Werner Jauch, Peter Dittli, Rolf Müller, Hanspeter Bonetti und Philipp Zurfluh. (Bild: EWA)

Die Verantwortlichen posieren zum Spatenstich: (von links) Thomas Aschwanden, Daniel Diezig, Herbert Brandstätter, Ruedi Cathry, Kurt Schuler, Werner Jauch, Peter Dittli, Rolf Müller, Hanspeter Bonetti und Philipp Zurfluh. (Bild: EWA)

«Dass etwas schwer ist, muss ein Grund sein, es zu tun», mit diesem Zitat von Rainer Maria Rilke wies Werner Jauch, Verwaltungsratspräsident der KW Erstfeldertal AG auf die lange Geschichte des Kraftwerks Erstfeld und die zahlreichen Herausforderungen hin. Gleichzeitig betonte er: «Die Schwierigkeiten waren für uns nie ein Grund, die Vision eines Kraftwerks Erstfeld zu begraben. Mit dem heutigen Spatenstich erleben wir einen historischen Moment, geht doch eine über hundertjährige Geschichte in eine entscheidende Ära über, in diejenige des Baus.»

Der Alpbach habe die Stromproduzenten immer wieder in seinen Bann gezogen. Bereits in den 1920er-Jahren habe es erste visionäre Stauversuche weit oben am Fulensee gegeben. Später seien dann noch mehrere Projektideen hinzugekommen. Aber alle diese Vorhaben hätten gemein, dass sie nie realisiert worden seien.

Steilen Weg im Sprinttempo absolviert

Es ist schon fast eine Ironie der Geschichte, dass es nach einem ganzen Jahrhundert mit gescheiterten Kraftwerkprojekten am Alpbach plötzlich sehr schnell gehen musste. Die Zusage für die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) drohte 2017 auszulaufen, was zum Vorwärtsmachen zwang. «Wir erreichten glücklicherweise eine Verlängerung der KEV um ein Jahr und überarbeiteten gleichzeitig das Projekt», erklärt Werner Jauch. «Und wir konnten 2018 in nur zehn Monaten alle notwendigen Bewilligungsverfahren erfolgreich abschliessen – ein Prozess, der üblicherweise zwei bis drei Jahre dauert. Dieses Tempo wird in die Geschichte eingehen.»

Dass man nun mit den Arbeiten am Kraftwerk starten könne, habe historische Dimensionen. Der Weg sei ähnlich steil gewesen wie der Aufstieg auf den Bristen und zudem habe man diesen in einem regelrechten Sprint zurücklegen müssen. Alle Beteiligten hätten einen besonderen Effort geleistet.

Grossteil der Wertschöpfung bleibt in Uri

Insgesamt investiert die KW Erstfeldertal AG rund 37 Millionen Franken in den Bau des Kraftwerks. Ab Ende 2020 soll es in Betreib gehen und Strom für ungefähr 7200 Haushalte generieren. «Diese Investition kommt allen Urnerinnen und Urnern zugute», gab sich Jauch überzeugt. «Der besondere Effort hat sich auf jeden Fall gelohnt.»

Im Weiteren wies er darauf hin, dass dieses Kraftwerk jährlich rund 500'000 Franken an Wasserzinsen für den Kanton abwerfen und für zusätzlich Steuereinnahmen bei Kanton und Gemeinde sorgen werde. Rund drei Viertel der Gesamtinvestition bleiben gemäss Jauch als Wertschöpfung im Kanton Uri. 40 bis 50 Urner Firmen seien am Bau beteiligt. «Wir sind in Uri noch immer in der Lage, aussergewöhnliche Projekte in kurzer Zeit zu realisieren. Das sucht seinesgleichen in der ganzen Schweiz», so Jauch. Das Kraftwerk sei ein wichtiger Beitrag an die Energiewende. «Darin sind wir als kleiner Kanton ganz gross.» Zum Schluss dankte er allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit, so unter anderem auch den Umweltschutzorganisationen. Sie hätten viel Zeit geopfert und zu einer schnellen Lösung beigetragen.

Zeitdruck wegen der KEV bleibt bestehen

«Hier ist es gelungen, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen», sagte Landammann Roger Nager. «Das ist exemplarisch für den Kanton Uri. Alle dürfen stolz sein, die an diesem Projekt mitgearbeitet haben». Dass es plötzlich so schnell gegangen sei, liege daran, dass alle am selben Strick gezogen hätten. Auch der Präsident der Korporation Uri, Rolf Infanger, sprach von einem besonderen Moment. Man dürfe den Spatenstich für ein ganz besonderes Wasserkraftwerk feiern.

Infanger erinnerte daran, dass in Uri in den vergangenen sechs Jahre bereits drei Kraftwerke neu oder umgebaut wurden. Jetzt sei das vierte Kraftwerk an der Reihe. Und Uri habe einen solchen Drive drauf, dass schon das fünfte und sechste im Köcher sei. Karin Gaiser, Verwaltungsratspräsidentin der Gemeindewerke Erstfeld, sagte, man sei nur dank dem Vertrauen zwischen den Partnern und dem Durchhaltewillen aller Beteiligten so weit gekommen. Noch seien aber nicht alle Hürden genommen. Das Kraftwerk bis Ende 2020 in Betrieb zu nehmen, um die KEV noch rechtzeitig auszulösen, sei eine echte Herausforderung und die letzte Hürde, die es zu meistern gelte.

Hinweis: Auf der Website www.kw-erstfeldertal.ch gibt es umfangreiche Informationen und zwei Webcams von den Baustellen.

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