Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Das radioaktive Gas lauert im Keller - auch im Kanton Uri

Die Gesundheitsrisiken durch Radon wurden lange unterschätzt. Seit vergangenem Jahr gelten tiefere Grenzwerte. Schätzungen zu Folge müssen in Uri fast 400 Gebäude saniert werden. Aber es gibt auch günstigere Methoden, das gefährliche Gas zu bekämpfen.
Christian Tschümperlin

Es schlummert im Erdreich und dringt durch Ritzen, Spalten und Löcher in die Häuser: Radon. Das Edelgas ist radioaktiv und tückisch. Man kann es weder sehen, riechen noch schmecken. Dennoch geht jeder zehnte Lungenkrebsfall in der Schweiz auf das Konto von Radon, die zweithäufigste Ursache somit. In der Schweiz tritt Radon fast überall auf. Besonders exponiert ist aber der Alpenraum, somit auch der Kanton Uri.

Hohe Radon-Konzentrationen wurden unter anderem in den Gemeinden Göschenen, Wassen, Silenen, Andermatt und Gurtnellen gemessen. Die Zurich Versicherung hat einen Naturgefahren-Radar eingerichtet, bei der sich die Gefahr abschätzen lässt. Die Karte ersetzt laut Tamara Zurfluh, Radon-Beauftragte des Kantons Uri, keine Messung: «Unabhängig von der Gemeinde kann die Radonkonzentration je nach Untergrund stark variieren», sagt sie.

Punktgenau kann nur die Messung sein

Kein Haus sei gleich wie das andere. «Auf dieser Karte kann man nicht punktgenau herausfinden, ob das eigene Haus von der Radonproblematik betroffen ist oder nicht», so Zurfluh. Verschiedene Faktoren spielen demnach eine Rolle: zum einen der Untergrund, zum anderen die Bauweise des Gebäudes. Zurfluh hält fest:

«Erst eine Messung zeigt, ob ein Radonproblem besteht oder nicht.»

Der Kanton Uri wurde in früheren Untersuchungen zur Radon-Zone erklärt. Bloss damals lag der zugelassene Höchstwert noch bei 1000 Becquerel pro Kubikmeter. Auf Anfang 2018 hat der Bund den Radon-Grenzwert auf 300 Becquerel pro Kubikmeter gesenkt, und zwar für alle Räume, in denen sich Personen regelmässig während mehrerer Stunden pro Tag aufhalten. Dabei kann es sich um Wohnräume, Schlafzimmer, den Arbeitsplatz, Schulzimmer oder Kindergärten handeln. Mit den gesenkten Grenzwerten gilt nun die ganze Schweiz als potenzielle Radon-Zone. Damit folgt die Schweiz einem europäischen Trend. «Die Risiken, die von Radon ausgehen, müssen wir ernst nehmen. Man kann aber oftmals mit relativ wenig Geld einen einigermassen grossen Schutz erreichen», sagt Marco Hebeisen, Leiter Corporate Responsibility bei der Versicherung Zurich Schweiz.

Nachmessung zeigte besseres Bild

Das Urner Amt für Umweltschutz hat in den vergangenen Jahren denn auch an allen Schulen und Kindergärten die Radon-Konzentration gemessen. Die Bilanz: Bei sechs aktiv genutzten Schulzimmern hat man nach der Jahresmessung mit Dosimetern zu hohe Werte vorgefunden. «Allerdings fand man später bei der Nachmessung während des Schulbetriebs nur noch bei drei Schulräumen eine relevante Überschreitung», stellt Tamara Zurfluh vom Amt für Umweltschutz Uri klar. «Diese Nachmessungen wurden mit einem aktiven, zeitauflösenden Radonmessgerät durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass die Radonwerte während des Schulbetriebs deutlich tiefer liegen.» Während des Schulbetriebs werde öfter gelüftet und die Luft sei stärker in Bewegung. «Dadurch nimmt die Radonkonzentration tendenziell ab», so Zurfluh.

Im Falle der drei Schulzimmer mit zu hohen Werten wurden Massnahmen ergriffen: In einer Gemeinde konnte das Problem durch eine betriebliche Umnutzung behoben werden, in der anderen hat der Kanton gemäss Strahlenschutzverordnung verfügt, dass der Raum saniert werden muss. Wie hoch die anfallenden Kosten sind, ist derzeit noch unklar, da die Sanierungsarbeiten schrittweise umgesetzt werden und noch am Laufen sind. Die Sanierungen müssen bis spätestens 2022 abgeschlossen sein.

376 Gebäude müssen im Kanton saniert werden

Auch private Wohnhäuser sind von Radon betroffen. «Gemäss der Radon-Datenbank des Bundes müssen im Kanton Uri 376 Gebäude saniert werden, dies entspricht rund vier Prozent aller Gebäude», sagt Zurfluh. Die Kosten hat der Gebäudeeigentümer zu tragen. Hebeisen sagt:

«Als Mieter kann man vom Vermieter verlangen, dass er eine Messung vornimmt.»

Zudem wurde der Bauherr mit der revidierten Strahlenschutzverordnung verpflichtet, bei Neu- und Umbauten bauliche Massnahmen gegen Radon zu ergreifen.

Wie Tamara Zurfluh ausführt, werden im Kanton Uri bereits seit einigen Jahren bei jedem Baugesuch Massnahmen zum Schutz vor Radon vorgegeben. Personen, die ihr eigenes Haus bewohnen, müssen die Radonkonzentration nicht messen. Es wird ihnen aber empfohlen, besonders wenn es sich um alte Gebäude handelt oder wenn noch Kinder im Haushalt leben.

Unter Umständen genügt es, zu lüften

Eine Dosimeter-Messung kostet 70 bis 100 Franken. Entsprechende Messgeräte können unter anderem beim Amt für Umweltschutz bezogen werden. Die Messung dauert mindestens 90 Tage während der Heizperiode, empfohlen wird aber eine Jahresmessung. Doch es gibt auch Massnahmen, die mit keinen Kosten verbunden sind. «Wenn die Radon-Konzentration gering ist und der Raum nur selten genutzt wird, genügt es unter Umständen, regelmässig zu lüften», sagt Hebeisen.

Es könnten sich aber auch bauliche Massnahmen aufdrängen. Eine Versiegelung des Kellerbodens kann das Gas etwa am Eintritt in das Gebäude hindern. Es kann aber auch der Bau eines Ventilators angezeigt sein, um die radonhaltige Luft abzusaugen. Den geeigneten Experten findet man auf der Website des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) unter «Radon», «Beratung durch Fachpersonen». Im Kanton Uri gibt es zwei Radon-Fachpersonen.

Der Naturkatastrophen-Radar ist eine kostenlose Dienstleistung der Zurich Versicherung. Es zeigt auf Basis von kantonalen Gefahrenkarten und solchen des Bundes, wie gefährdet das eigene Haus ist, zum Beispiel wegen Sturm, Hagel, Hochwasser, Oberflächenabfluss, Erdbeben, Bergsturz, Lawinen oder eben Radon. www.zurich.ch/de/services/naturgefahren.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.