Das sagt Karl Kempf zu den Stichwörtern des Urner Jahrs 2019

Der abtretende Landweibel sagt, wie er über die Themen denkt, die Uri 2019 beschäftigt haben. Aufgrund seines Amts verzichtet er dabei aber auf politische Wertungen.

Florian Arnold
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Karl Kempf tritt als Landweibel zurück.

Karl Kempf tritt als Landweibel zurück.

Bild: Florian Arnold

Kantonsbahnhof Altdorf

Ich bin gespannt, ob es in zwei Jahren noch Velos rund ums Rathaus gibt. Nein, im Ernst: Es wird sich weisen, ob der Standort für den Kantonsbahnhof der richtige ist. Das Dorf von Altdorf könnte etwas entvölkert werden. Ich glaube aber, dass das Projekt gut aufgegleist ist. Wenn die Leute gut geleitet werden, wird sich der Verkehr zum Bahnhof hin verlagern.

Kantonsspital

Ich weiss nicht, ob das Spital den Leistungsauftrag erfüllen und die Kosten für den Bau zurückzahlen kann. Vielleicht wäre ein Akutspital besser gewesen. Wichtig ist vor allem, dass die Urner ärztlich bestens versorgt werden und uns die nachfolgende Generation keinen Vorwurf machen kann.

Axen

1996 wurde der Tunnel für die Umfahrung Flüelen gebohrt. Ich verstehe bis heute nicht, warum man die Maschine nicht bis Brunnen durchlaufen liess. Das muss man sich heute fragen. Für mich gibt es nur eines: Sisikon muss umfahren werden, und bei Gumpisch wird die Lage nicht ungefährlicher, denkt man an den Permafrost und das schlagartig wechselnde Wetter. Wir brauchen einen sicheren Axen.

Schiffstation Tellsplatte

Die Sanierung ist ein Muss, sonst können wir gleich alle Postkarten verbrennen. Mit dem Schiffskurs wird Werbung gemacht und der Weg der Schweiz ist ein Anziehungspunkt. Da darf man nicht die Zahlen in den Vordergrund stellen. Man muss zu den Randregionen schauen.

Grossraubtiere

Die sollen Platz haben in Uri, im Mass, aber nicht im Übermass. Die Jäger können mit klaren und fairen Ansagen leben. Aber wenn man die aktuellen Luchszahlen anschaut, stimmt etwas nicht. Man muss daran denken, dass wir ein Gebirgskanton sind mit einer grossen Zersiedlung.

Gemeindefusion

Es ist super, dass Seedorf und Bauen diesen Schritt gegangen sind. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten sich Attinghausen und Isenthal auch gleich anschliessen sollen. Leider denken noch viele Gemeinden an ihr eigenes Gärtlein. Alle schwören auf ihre Traditionen. Die Politik hätte es in der Hand, weitere Fusionen zu steuern. Meine Prognose ist aber, dass es Zusammenschlüsse schwer haben, sobald eine Gemeinde mehr als 2000 Einwohner hat.

Finanzlage

Die NFA-Beiträge gehen zurück, aber in den nächsten 7 Jahren wird sich Uri über Wasser halten können. Irgendwann kommt aber der Cash nicht mehr, und dann werden die Sparrunden anfangen. Etwas schade, dass man eigentlich finanzschwach sein sollte, damit man viel Geld bekommt. Das kann nicht das Ziel sein.

UKB

Die UKB sollte dem Wohl der Urner dienen. Die Institution ist super, die Leute machen einen guten Job, und die Bank ist ein wichtiger Ausbildungsplatz. Meiner Meinung nach ging aber alles etwas zu schnell. Man hat den Bürger nicht recht gespürt. Es gibt noch eine Generation, die Geld am Schalter holen will, auch wenn die jüngeren darüber lachen. Die Visionen sind ein bisschen zu modern. Man hätte für die Schliessungen der Filialen etwas mehr Vorlaufzeit einplanen müssen.

Wahlsystem

Das Theater um das Wahlsystem hätte es nicht gebraucht. Die jetzige Lösung ist ein gangbarer Weg. Aber der «doppelte Pukelsheim» in den Proporzgemeinden ist zu kompliziert. Der Urner möchte wissen, was mit seiner Stimme passiert. Das Parteipolitische ist ihm weniger wichtig. Jetzt können wir nur hoffen, dass auch das Parlament in Bern und allenfalls das Bundesgericht die Urner Lösung genehmigen.

Korporations-«Fiifliiber»

Was sind heute schon fünf Franken? Es ist gut, dass die Korporation diesen alten Zopf abgeschnitten hat und nun anstelle des Bürgernutzens Gutscheine für Urner Seilbahnen verteilt.