Das Urner Pfadiheim steht nun im Rohbau

Beim Montieren der Fenster für das neue Haus halfen auch Pfadis kräftig mit. Aufträge für 1,1 Millionen Franken können vergeben werden. Fürs Projekt fehlen aber nach wie vor 300'000 Franken.

Markus Zwyssig
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Beim Urner Pfadiheim im Bärenboden in Erstfeld werden die Fenster montiert.

Beim Urner Pfadiheim im Bärenboden in Erstfeld werden die Fenster montiert.

Bild: Markus Zwyssig (Erstfeld, 18. April 2020)

Beim neuen Urner Pfadiheim im Erstfelder Bärenboden legten die Pfadis am Samstag erstmals richtig selber Hand an. Freiwillige Helfer standen neben Urner Fensterbauprofis im dreistöckigen Rohbau im Einsatz. Die gut ein Dutzend Arbeiter achteten dabei besonders darauf, dass die Corona-Schutzmassnahmen des Bundes für den Bau eingehalten werden konnten.

«Trotz Coronakrise sind wir voll im Zeitplan», stellte Christian Imfeld fest. «Auch die idealen Wetterbedingungen trugen mit dazu bei, dass wir sehr gut vorangekommen sind.» Der Präsident des Vereins Neubau Pfadiheim Uri ist zuversichtlich, dass das Ziel, das Pfadiheim auf Ostern 2021 zu eröffnen, eingehalten werden kann.

Das Urner Pfadiheim im Bärenboden in Erstfeld ist im Rohbau erstellt.

Das Urner Pfadiheim im Bärenboden in Erstfeld ist im Rohbau erstellt.

Bild: Markus Zwyssig (18. April 2020)

Für Innenausbau und Umgebungsarbeiten werden freiwillige Helfer gesucht

Nach dem Spatenstich im vergangenen Dezember fuhren Mitte Januar die Baumaschinen auf. Den Rohbau führten verschiedene Urner Unternehmer aus. Dabei kamen zahlreiche Auszubildende zum Einsatz. Sie alle haben gemäss Imfeld grossartige Arbeit geleistet. Dann und wann, wie nun beim Einbau der Fenster, konnten auch bereits die Pfadis mithelfen. Mehrheitlich waren bis anhin aber die Profis am Werk. Beim nun beginnenden Innenausbau und bei den anschliessenden Umgebungsarbeiten werden die Pfadis kräftiger mit Hand anlegen können. Gesucht werden insbesondere Fachleute wie Maurer, Schreiner, Elektriker oder Gartenbauer.

Das neue Pfadiheim bietet dereinst mit seinem Aufenthaltsraum Platz für 80 Personen. Es gibt insgesamt 49 Schlafmöglichkeiten. Das Haus ist behindertengerecht und wird auch einen Lift erhalten. Für die verschiedenen Aktivitäten und für die Vermittlung von Ausbildungsinhalten in J+S-Kursen gibt es mehrere Gruppenräume.

Christian Imfeld (rechts) ist Präsident des Vereins Neubau Pfadiheim Uri. Finanzdirektor Urs Janett ist fürs Sponsoring verantwortlich.

Christian Imfeld (rechts) ist Präsident des Vereins Neubau Pfadiheim Uri. Finanzdirektor Urs Janett ist fürs Sponsoring verantwortlich.

Bild: Markus Zwyssig (Erstfeld, 18. April 2020)

Businessplan sieht moderate Preise vor

Jetzt steht es zwar erst im Rohbau. Trotzdem denkt der Verein Neubau Pfadiheim Uri bereits über die Betriebsphase des Hauses nach. «Es ist wichtig, dass eine Betreibergruppe alles frühzeitig aufgleist», sagt Urs Janett. Der Urner Finanzdirektor ist im Verein Neubau Pfadiheim Uri für das Sponsoring verantwortlich. Der Businessplan ist erstellt und sieht schwarze Zahlen vor.

Doch Janett ist sich bewusst, dass es eine Anlaufphase für das Kurs- und Lagerhaus brauchen wird. Das Haus müsse erst bekannt werden. Janett ist zuversichtlich, dass der Businessplan aufgeht: «Die Preise für unser Haus haben wir so angesetzt, dass sie für Pfadis und Schulen bezahlbar sind.» Zudem seien Lage und Ausstattung des neuen Pfadiheims sehr gut. Die Kinder und Jugendlichen können mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Der nahe gelegene Wald und die Schönheit des Kantons Uri laden zu zahlreichen Abenteuern ein. In der Umgebung gibt es viele Einkaufsmöglichkeiten und die Busverbindungen zu den verschiedensten Aktivitäten in der Umgebung sind gewährleistet.

Abwart für das Pfadiheim gesucht

Für den Unterhalt des Hauses soll in einem kleinen Pensum ein Abwart angestellt werden. Zudem überlegt man sich, welche Arbeiten man selbstständig und welche man in Zusammenarbeit mit Urner Unternehmen machen kann. Hinter dem Haus wird es eine so genannte Arena geben. Dort soll es möglich sein, ein Lagerfeuer zu entfachen, gemeinsam zu singen oder ein Theater zu spielen. Janett stellt jedoch klar:

«Das Pfadiheim soll keine Festhütte sein. Es gibt keine Familienfeste, Hochzeiten oder Fasnachtspartys.»

Spätestens um 22 Uhr müsse Ruhe herrschen. «Ein gutes Einvernehmen mit der Nachbarschaft ist uns wichtig», sagt Imfeld. «Daher wollen wir auch einen entsprechenden Austausch pflegen. »

Das Pfadiheim soll für Kurse, Ausbildungen und als Lagerhaus genutzt werden. Neben der Pfadi können hier auch andere Jugendvereine oder Schulklassen übernachten. Denkbar ist auch, dass beispielsweise ein Ortsverein seine Generalversammlung im Pfadiheim abhalten kann oder dass ein Diavortrag stattfindet. «Es soll aber keine Konkurrenz zu den Gastrobetrieben werden», hält Christian Imfeld fest.

Im Sommer startet eine weitere Crowdfunding-Kampagne

Die Unterstützung für das Pfadiheim war bisher bereits gross. Rund 500'000 Franken haben Pfadis, Stiftungen, Unternehmen und Pfadifreunde beigesteuert. 1,1 Millionen Franken sind inzwischen beisammen. Alle bisher vergebenen Arbeiten für das Pfadiheim können damit bezahlt werden. Auch unterstützen die Urner Unternehmer das Projekt grosszügig, indem sie den Pfadis zum Beispiel mit den Preisen entgegenkommen oder gewisse Arbeiten sponsern.

Noch aber fehlen 300'000 Franken. Janett ist überzeugt, dass man das noch benötigte Geld mit weiteren Efforts seitens des Vereins und breiter Unterstützung zusammenbringen wird. Insbesondere sollen verschiedene Stiftungen angefragt werden. Im Sommer soll zudem eine Crowd-Funding-Kampagne gestartet werden.

Pfingst- und Auffahrtslager müssen abgesagt werden

Alle Pfadiaktivitäten, bei denen man sich gemeinsam trifft, sind wegen der Coronakrise weiterhin eingestellt. Definitiv ist nun auch, dass die Pfingst- und Auffahrtslager abgesagt werden. Ob auch auf Sommerlager verzichtet werden muss, ist zurzeit noch offen. «Die Pfadibewegung Schweiz ist vorsichtig zuversichtlich, dass sie stattfinden können», sagt Christian Imfeld, der Mitglied der Geschäftsleitung der Pfadibewegung Schweiz ist. Es ist jedoch klar, dass es dafür bestimmte Begleitmassnahmen brauchen wird. Trotz Corona bleiben die Pfadiabteilungen aber alles andere als inaktiv. Im Internet auf pfadi.swiss/homescouting bieten Abteilungen in der ganzen Schweiz spannende und abwechslungsreiche Pfadiaktivitäten an, die Kinder und Jugendliche einfach von zu Hause aus miterleben können.

Die Meitlipfadi Altdorf war eine der ersten Abteilungen schweizweit, die mit Homescouting aktiv geworden ist. Sie bietet zweimal wöchentlich eine Online-Challenge an. Dabei geht es etwa darum, sich möglichst gut zu tarnen, aus Altem etwas Neues zu machen oder die Grosseltern mit einer schönen Karte zu erfreuen. Bilder der Arbeiten werden online gezeigt. Per Los wird eine Gewinnerin erkoren.

Hinweis: Wer das Pfadiheim Uri handwerklich oder finanziell unterstützen will, kann sich auf https://pfadiheim.pfadi-uri.ch/ informieren oder beim Vereinspräsident Christian Imfeld (christian.imfeld@pfadi-uri.ch) melden.