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Tanzfest in Uri: «Das Ventil der Lebensfreude»

Auch der Kanton Uri ist ein Standort des nationalen Tanzfests. Die drei Organisatorinnen sagen, wo sie neue Ideen hernehmen und wie sich die Tanzszene seit der 1980er-Jahre verändert hat.
Interview: Florian Arnold
Die drei Organisatorinnen Andrea Huber, Aline Arnold und Monica Gogniat (in der Bildmitte von links) freuen sich mit vielen Kindern und Jugendlichen auf das Tanzfest am kommenden Wochenende. (Bild: Florian Arnold (Altdorf, 16. April 2019))

Die drei Organisatorinnen Andrea Huber, Aline Arnold und Monica Gogniat (in der Bildmitte von links) freuen sich mit vielen Kindern und Jugendlichen auf das Tanzfest am kommenden Wochenende. (Bild: Florian Arnold (Altdorf, 16. April 2019))

Am Wochenende vom 4. und 5. Mai 2019 wird in der ganzen Schweiz getanzt: Auch der Kanton Uri beteiligt sich am Tanzfest 2019. Die drei Organisatorinnen Aline Arnold, Monica Gogniat und Andrea Huber sagen, was die Besucher erwartet.

Kann eigentlich jeder tanzen?

Monica Gogniat: Ja. Die Herausforderung ist, dass Menschen ein Bild davon haben, wie Tanzen aussehen soll. Ich erlebe, dass viele sagen, sie könnten nicht tanzen. Dabei ist es auch schon eine Form des Tanzens, wenn man sich beim Musikhören leicht im Rhythmus mitbewegt.

In einer Tanzlektion wird aber wohl mehr gefordert.

Aline Arnold: Monica und ich sind eher in einem Bereich tätig, in dem es neben der Steigerung der körperlichen Fitness und des Wohlbefindens auch darum geht, gewisse Schritte und Körperkonzepte zu erlernen. Vielleicht steht man am Schluss sogar auf einer Bühne. Auf jeden Fall bleibt der Spass immer im Vordergrund.

Was ist denn das Tolle am Tanzen?

Andrea Huber: Es gibt verschiedene Impulse. Man verspürt in der Freizeit vielleicht den Drang, sich zu einer Musik zu bewegen. Ein anderer Impuls kann es sein, gemeinsam ein Bild zu kreieren oder ein Gefühl zu vermitteln.

Das kommende Wochenende dreht sich ums Tanzen. Was darf man erwarten?

Huber: Das Tanzfest findet gleichzeitig an 36 Standorten statt. Unsere Idee ist es, dass man das Tanzen in unterschiedlichen Formen erleben kann, im Theater wie auf der Strasse. Man soll zuschauen können. Und es soll die Möglichkeit geben, etwas auszuprobieren. Daneben soll das Fest auch eine Plattform für Tanzanbieter und -pädagogen sein.

Arnold: Im Foyer des Theaters Uri treffen verschiedene Tanzschulen aufeinander, die zwei Shows präsentieren. Im Freien gibt es einen Schauplatz, an dem verschiedene Gruppen auftreten. Mitmachen kann man am Tanzmarathon, bei dem jede Viertelstunde etwas anderes angeboten wird und man weitermachen oder aussteigen kann. Am Sonntag zeigt das Cinema Leuzinger den Animationsfilm Ballerina.

Huber: Alle Tanzangebote in Altdorf können gratis besucht werden. Der Kinofilm wird zum regulären Ticketpreis gezeigt. Für Veranstaltungen anderer Standorte kann man einen Tanzfestpass beziehen.

Tanzen scheint bei Frauen beliebter zu sein als bei Männern. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Gogniat: Es scheint mir eher kulturell bedingt. In anderen Kulturkreisen sind auch Männertänze stark vertreten. Ich denke da an Ritualtänze aber auch an Tanzformen wie Breakdance.

Arnold: Am Tanzfest sind auf jeden Fall alle willkommen, ob Mann oder Frau, ob jung oder alt.

Sie kennen die Tanzszene seit langem. Wie hat sie sich verändert?

Gogniat: Als ich angefangen habe, gab es im Vergleich zu heute wenig Angebote in Uri. In den 1980er-Jahren wurde durch die Tanzfilme ein regelrechter Tanz-Boom ausgelöst, und die vorhandenen Angebote wurden rege genutzt. Heute ist das Angebot riesig, und Tanzen gehört auch zum Schulunterricht. Viel verändert hat sich aber auch im Stil, wenn ich nur schon an die Kostüme von damals denke. Hinzu kommt das Tempo, das wie in den Filmen viel schneller geworden ist.

Huber: Ich merke, dass man heute durch die sozialen Medien mehr Einflüssen ausgesetzt ist. Es gibt neue Trends, welche die Kreativität anregen und das Ganze schnelllebiger machen. Es tun sich immer neue Türen auf, die man noch ausprobieren kann.

Arnold: Es ist eindrücklich, wenn man im Internet sieht, was jemand gerade gestern irgendwo auf der Welt getanzt hat. Das Niveau ist heute sehr hoch. Man merkt, was man alles noch machen könnte. Und das ist für uns Tanzpädagogen sowie auch für die Tanzschüler nicht immer einfach.

Gogniat: Gerade bei Filmen weiss man nie, was alles noch an Tricks oder Fakes dahintersteckt. Denn ein Trampolin, das man vielleicht für einen Sprung gebraucht hat, kann man einfach rausschneiden.

Wie schafft man es eigentlich, neue Tänze zu erfinden, ohne dass man sich wiederholt?

Gogniat: Ich selber gehe viel ins Ballett oder schaue mir Liveshows an. Dabei erhält man Inputs, etwa mit welchen Requisiten man arbeiten könnte. Oder man setzt sich mit einem Thema auseinander. Und die Musik ist natürlich ein grosser Input. Wichtig ist, dass man authentisch bleibt.

Arnold: Es gibt ganz verschiedene Möglichkeiten, auf Ideen zu kommen. Ich gehe zum Beispiel oft von einem Schritt aus, den ich einbauen möchte. Diesen kann ich dann mit Tempo und Rhythmus variieren. Oder ich lasse Musik laufen und bewege mich intuitiv dazu. Ich gehe also vom Gefühl aus und überlege mir, wie ich das vermitteln könnte. Dann ist es jeweils spannend, zu sehen, was andere mit dem gleichen Stück gemacht haben und dabei auf ganz andere Ideen kamen.

Die Ideen sind das eine. Aber wie merkt man sich das?

Gogniat: Eine allgemeingültige Tanzsprache gibt es nicht. Ich zum Beispiel schreibe viel auf und auch Strichmännchen helfen. Heute arbeitet man natürlich auch mit Videoaufnahmen.

Huber: Um solche Videos ist man auch als Tanzschüler oft froh. Es braucht etwas Überwindung, sich zuzuschauen, denn man sieht auch immer, welche Fehler man macht, aber natürlich sind auch Fortschritte sichtbar dokumentiert. Wichtig dabei ist, dass man respektvoll mit solchen Aufnahmen umgeht und diese nicht einfach der Öffentlichkeit weitergibt.

Gogniat: Der Umgang mit den digitalen Mitteln hat sich stark gewandelt. Früher hatten viele Angst, wenn irgendwo eine Kamera stand. Heute gehört es zum Alltag dazu.

Tanzen soll das Selbstvertrauen fördern. Bringen die Jugendlichen davon ohnehin mehr mit?

Gogniat: Beim Tanzen war schon immer wichtig, dass man sich getraut, hinzustehen. Den Kindern und Jugendlichen bringt es auch für die Schule und fürs Leben etwas, wenn sie diese Erfahrungen machen. Ich merke, dass die Kinder durch die heutige Erziehung ein anderes soziales Bewusstsein haben. Sie trauen sich heute eher in einer Gruppe etwas zu sagen, etwa wenn es darum geht, über Gefühle zu sprechen. Die Kinder sind heute weiter gereist und haben mehr gesehen von der Welt.

Was bringt Leute in der heutigen Zeit zum Tanzen?

Huber: Für mich als leidenschaftliche Hobby-Tänzerin ist es ein Ventil, Lebensfreude zu zeigen. Ich liebe Musik und Bewegung und wie beides miteinander funktioniert. Es ist ein Weg, sich auszudrücken, ob alleine oder in der Gruppe.

Und was ist mit dem sportlichen Aspekt. Wie gesund ist Tanzen?

Arnold: Sehr gesund. Es tut mir körperlich und psychisch gut. Und wie man heute weiss, ist es auch gesund fürs Gehirn. Ich muss mich konzentrieren, es ist manchmal streng. Selten tanzt man alleine. Es ist also auch etwas Soziales. Man trifft Leute und hat Spass miteinander. Aber auch wie bei anderen Sportarten muss man darauf achten, sich nicht zu überfordern.

Gogniat: Es gibt mir ein Gefühl von Ganzheitlichkeit. Ich bin körperlich und geistig präsent, zeige Ausstrahlung. Bei Kindern wird Tanzen seit Jahren eingesetzt, um motorische Fähigkeiten anzuregen und zu fördern. Inzwischen hat die Wissenschaft auch entdeckt, dass das Tanzen auch im Alter sehr guttut, im Gehirn neue Synapsen bildet und das soziale Leben bereichert.

Ein Allerweltsheilmittel also?

Arnold: Genau so viel oder wenig wie wohl alles. Aber man sollte es auf jeden Fall mal ausprobieren.

Die Hauptveranstaltungen des Tanzfests finden am 4. Mai um 11 und 14 Uhr im Theater Uri statt. Tanzfestpässe für andere Standorte erhält man am Infostand. Weitere Infos sind zu finden unter www.dastanzfest.ch/altdorf.

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