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«Tag der offenen Tür» wird einem vergessenen Urner Jahrhundertbauwerk gewidmet

Im Rahmen einer Publikation über die Melioration in der Urner Reussebene kann am kommenden Samstag das Entwässerungs-Pumpwerk in Flüelen besichtigt werden.
Das Pumpwerk in Flüelen sowie unterirdische Ton- und Zementrohre sorgen für trockene Böden zwischen Erstfeld und dem Urnersee. Im Bild sind die Ersatzrohre aus Ton zu sehen. (Bild: Elias Bricker)

Das Pumpwerk in Flüelen sowie unterirdische Ton- und Zementrohre sorgen für trockene Böden zwischen Erstfeld und dem Urnersee. Im Bild sind die Ersatzrohre aus Ton zu sehen. (Bild: Elias Bricker)

(eb) Vor hundert Jahren wurde die sumpfige Riedlandschaft zwischen Erstfeld und dem Urnersee melioriert, das heisst verbessert. Die Landschaft östlich der Reuss wurde innert weniger Jahre neugestaltet. Seither sorgt ein 75 Kilometer langes Netz mit unterirdischen Entwässerungsrohren für trockene Böden.

Zum Entwässerungssystem gehören auch die künstlich angelegten Bachläufe wie der Giessen zwischen Altdorf und Flüelen, der Walenbrunnen im Rynächt und die Stille Reuss in Schattdorf. Zudem hält ein Pumpwerk in Flüelen den Grundwasserpegel in der Ebene von Altdorf und Flüelen stets möglichst tief.

Genossenschaft unterhält System

Im Herbst 1919 begannen die sechsjährigen Bauarbeiten zur Melioration der sogenannten rechtsseitigen (östlichen) Urner Reussebene. Gleichzeitig wurde auch die Meliorationsgenossenschaft Reussebene Uri gegründet, die bis heute für den Unterhalt des Entwässerungssystems zuständig ist.

Zum Jubiläum öffnet die Meliorationsgenossenschaft Reussebene Uri das Pumpwerk an der Allmendstrasse in Flüelen für Interessierte. Das auffällige, rosarote Gebäude mit dem Elektrizitäts-Türmchen kann am Samstag, 19. Oktober, von 13 bis 16 Uhr besichtigt werden. Die Vorstandsmitglieder der Meliorationsgenossenschaft erklären den interessierten Personen, wie das Pumpwerk überhaupt funktioniert und was es mit dem Kanal auf sich hat, der parallel zum Giessen verläuft.

Gleichzeitig präsentiert die Meliorationsgenossenschaft anlässlich des «Tags der offenen Türe» eine 60-seitige Broschüre, die aufzeigt, wie sich der Urner Talboden vor hundert Jahren innert kürzester Zeit komplett verändert hat. Der Flüeler Historiker Elias Bricker hat die Geschichte des gigantischen Meliorationsprojekts aufgearbeitet. Zudem hat er für die Broschüre verschiedenste Fotos und Landkarten zusammengetragen, welche die Landschaftsveränderung festhalten.

Die Urner Talebene wurde vor hundert Jahren nicht nur entwässert, sondern zum Teil auch mit Strassen und Wasserleitungen erschlossen. Die Gemeinde Erstfeld und später auch Altdorf nutzen die Entwässerungsrohre der Melioration während Jahrzehnten, bis zur Inbetriebnahme der jeweiligen Kläranlagen, auch als simple Kanalisation.

Die Broschüre gibt’s am «Tag der offenen Türe»

(eb) Die Broschüre «Das vergessene Jahrhundertbauwerk. Die Melioration der Urner Reussebene (1919-1925)» ist anlässlich des «Tags der offenen Türe» im Pumpwerk an der Allmendstrasse in Flüelen erhältlich. Das Pumpwerk kann am kommenden Samstag, 19. Oktober, von 13 bis 16 Uhr besichtigt werden. Die 60-seitige, reich bebilderte Publikation wird ausserdem nach dem «Tag der offenen Türe» in der Buchhandlung Bido an der Schmiedgasse 6 in Altdorf erhältlich sein.

Zudem baute die Korporation Uri in den Jahren nach der Melioration mehrere Häuser und Ställe in der Ebene, um das neugewonnene Landwirtschaftsland zu besiedeln und intensiv zu bewirtschaften. Einige dieser Bauten stehen noch heute – in Erstfeld, in Seedorf, in Schattdorf und in Altdorf (etwa entlang der Reussstrasse). Teilweise wurden diese Bauten nach den gleichen Plänen erstellt.

«Aus dem Bewusstsein verschwunden»

Das inzwischen hundertjährige Entwässerungssystem ist noch heute in Betrieb. «Da es unsichtbar ist, wissen viele Leute nicht, dass es existiert», sagt Anton Marty, Präsident der Meliorationsgenossenschaft Reussebene Uri. «Die Melioration ist aus dem Bewusstsein der Bevölkerung verschwunden.» Dabei sind grundsätzlich sämtliche Liegenschaftsbesitzer innerhalb eines bestimmten Gebiets automatisch Mitglied der Meliorationsgenossenschaft. «Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand ein Haus besitzt oder nur einen Parkplatz», sagt Marty.

Doch da die Genossenschaft seit 1925 den Unterhalt aus dem eigenen Vermögen und den anfallenden Bankzinsen decken konnte, sind viele Liegenschaftsbesitzer über ihre Mitgliedschaft gar nicht im Bild. Das könnte sich aber ändern, falls die Genossenschaft dereinst das alte System mit Unterstützung ihrer Mitglieder sanieren muss.

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