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Interview

Roger Nager: «Dass es Reibereien gibt, ist normal»

Zum Jahresende blickt der Urner Landammann auf ein für ihn intensives und politisch turbulentes Jahr zurück. Im Interview mit der «Urner Zeitung» spricht der Baudirektor über die rasante Entwicklung Andermatts, seinen straffen Terminplan und welche Projekte ihn 2019 am meisten fordern.
Philipp Zurfluh
Hat ein intensives und erlebnisreiches Jahr hinter sich: Baudirektor Roger Nager. (Bild: Urs Hanhart, Altdorf, 19. Dezember 2018)

Hat ein intensives und erlebnisreiches Jahr hinter sich: Baudirektor Roger Nager. (Bild: Urs Hanhart, Altdorf, 19. Dezember 2018)

Roger Nager, was fällt Ihnen spontan zu 2018 ein?

Die Ausgangslage im Januar hat sich völlig anders präsentiert, als die Situation, in der ich heute bin. Nie habe ich mir Gedanken über das Amt des Landammanns gemacht. Nach knapp zwei Jahren im Regierungsrat bin ich gerade erst richtig warmgelaufen. Und auf einmal hat sich einiges schlagartig geändert.

Als anfänglich nicht offiziell nominierter Kandidat wurden Sie statt Barbara Bär zum Landammann gewählt. Mit welchen Gedanken schauen Sie auf diese Zeit zurück?

Für mich ist das bereits Schnee von gestern und ich denke, dass diese Sache auch die anderen Beteiligten als erledigt betrachten. Im Grundsatz war es der Entscheid der Bevölkerung. Selbstverständlich galt es, den Volkswillen zu respektieren, als ich gewählt wurde. Ich war froh, dass nach meiner Wahl wieder Ruhe einkehrte und der Regierungsrat wieder dem Tagesgeschäft nachgehen konnte.

Wie nehmen Sie das Amt des Landammanns bisher wahr?

Primär ist es für mich eine grosse Ehre, dieses Amt bekleiden zu dürfen. Im Alltag ist man sich dem manchmal überhaupt nicht bewusst. Andererseits sind meine Zeitressourcen dieselben geblieben, und ich bin deshalb stark ausgelastet. Neben der intensiven Vorbereitung auf Sitzungen kommen Grussworte und Ansprachen dazu. Das Spannende ist, dass ich mit Dingen konfrontiert bin, die ich sonst in meiner Funktion als Baudirektor nicht erlebe. Alles in allem ist es eine schöne und spannende Tätigkeit, im Kanton Uri unterwegs zu sein.

«Obwohl ich schon seit sieben Monaten Landammann bin, kommt es mir vor, als ob ich erst gerade gewählt wurde.»

Bildungs- und Kulturdirektor Beat Jörg hatte das Amt des Landammanns vor Ihnen inne. Inwiefern konnten Sie von ihm profitieren?

Er war und ist für mich eine grosse Hilfe. Für mich war zu Beginn alles Neuland. Hätte ich damals gewusst, dass ich als Nächster dran bin, hätte ich noch besser hingeschaut (lacht). Auch das Regierungsratsgremium sowie der Kanzleidirektor und der Weibel unterstützen mich bei meiner Arbeit.

Sie führen derzeit einige herausfordernde Grossprojekte, die im Gang sind oder noch anstehen. Ist die Doppelfunktion eine Belastung?

Ich würde sie eher als Zusatzaufgabe bezeichnen. Klar, diese nimmt mir Freizeit weg und ich muss Privates zurückstellen. Doch für mich ist es eine Weiterbildung, eine Investition in die Zukunft. Ich lerne täglich. Obwohl ich schon seit sieben Monaten Landammann bin, kommt es mir vor, als ob ich erst gerade gewählt wurde.

Eine 60-Stunden-Woche ist somit keine Seltenheit.

Das kommt ab und zu vor. Die Work-Life-Balance ist bei mir natürlich ein Thema. Es ist nicht möglich, an jeder Veranstaltung teilzunehmen. Ich kann aus einem Tag nicht mehr Stunden herauszaubern, auch wenn dies manchmal von Vorteil wäre. Prioritäten setzen ist wichtig. Ich bin aber gut unterwegs und kann die Herausforderungen meistern.

Wie erholen Sie sich nach einer anstrengenden Arbeitswoche?

Die sportlichen Aktivitäten kommen zu kurz, weil ich auch an Wochenenden viel Zeit für das Aktenstudium verwende. Mir ist aber wichtig, dass ich genug an der frischen Luft bin – sei es durch Wandern im Sommer oder Skifahren im Winter. Was mir sehr hilft, ist mein täglicher Arbeitsweg von meinem Wohnort Andermatt nach Altdorf. Dort kann ich gut abschalten und die Arbeit in den Hintergrund stellen.

Auch Kritik kann belastend sein, wenn etwa die Bristenstrasse verschüttet ist – wie zuletzt 2017.

Hier wurde schnell der Vorwurf laut: Sie haben es doch gewusst, dass es mal so kommt. Wieso habt ihr nichts gemacht? Ich bin froh, dass wir in diesem Bereich noch nie einen Personenschaden beklagen mussten. Ob Lawinen, Steinschläge oder Hochwasser. Mit unserem Strassennetz müssen wir täglich mit dem Risiko leben. Wir unternehmen alles, was mit den heutigen Ressourcen machbar, finanzierbar und vertretbar ist.

Stichwort Andermatt. Das Feriendorf ist in letzter Zeit auch in negative Schlagzeilen geraten, im Gemeinderat gab es Querelen. Auch von Mobbing war die Rede. Zieht das ein Imageschaden nach sich?

Dass es Reibereien gibt, ist normal. Das kommt in jeder Familie vor, in jeder Beziehung. Ich glaube nicht, dass der Gemeinderat dadurch zu Schaden kommt. Das Vertrauen innerhalb des Gremiums muss wieder hergestellt werden. Vertrauen ist die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Man muss die Angelegenheit nicht grösser machen, als sie ist. Ich habe keine Angst, dass Andermatt an die Wand gefahren wird.

«Das Vertrauen innerhalb des Andermatter Gemeinderats muss wieder hergestellt werden.»

Böse Zungen behaupten, dass Samih Sawiris in Andermatt auch auf politischer Ebene Einfluss nimmt.

Ich kenne Sawiris schon recht lange und durfte auch mit ihm zusammenarbeiten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er direkt Einfluss nimmt auf den Gemeinderat. Das darf und kann nicht sein. Schlussendlich lässt sich aber nicht vermeiden, dass Investoren in dieser Grössenordnung ein natürliches Interesse am Behördenkontakt haben, aber natürlich immer unter der Wahrung der politischen Aufgaben, die ein politisches Gremium hat. Sawiris weiss genau, dass er sich an die Regeln halten muss.

Mit der Eröffnung des Vier-Sterne-Hotels Radisson Blu hat Andermatt aber auch positiv von sich reden gemacht. Das Feriendorf ist somit um einen Hotelkomplex reicher. Eine rasante Entwicklung, die das Feriendorf mitmacht. Zu rasant?

Nein. Ich vergleiche das Feriendorf mit einem kleinen Kind, das die ersten Gehversuche wagt. Man kann es nicht den ganzen Tag alleine lassen, sondern muss es stets begleiten, dass es nicht stürzt. Wir sind an einem Punkt angelanget, wo man von einer Feriendestination sprechen kann.

Negativer Nebeneffekt: Der Preis der Wohnungsmieten schnellt in die Höhe. Welche Mittel hat der Regierungsrat, um dieser Entwicklung Gegensteuer zu geben?

Je nachdem, wo man politisch positioniert ist, gibt es verschiedene Auffassungen. Ich bin der Meinung, dass die Politik nicht in einen Markt eingreifen soll. Der Regierungsrat macht einiges im Bereich Wohnungsförderung im Oberland. So versucht man beispielsweise Gebäudesanierungen anzustossen. Schliesslich wollen wir attraktive Wohnmöglichkeiten anbieten, damit Familien Andermatt nicht verlassen. Wichtig für die Zukunft wird sein, dass man vor allem für die jungen Leute genügend Lehrstellen und Arbeitsplätze anbieten kann.

«Ich bin der Meinung, dass die Politik nicht in einen Markt eingreifen soll.»

Mit welchen Massnahmen möchte der Regierungsrat die Abwanderung von Andermattern verhindern?

Entscheidend sind gute Rahmenbedingungen. Andermatt konnte in den vergangenen Jahren bereits zweimal eine Steuersenkung vornehmen. Hier gibt es eine Entlastung. Dies kommt vor allem Familien zugute.

Wie steht Andermatt in zehn Jahren da?

Ich hoffe auf ein moderates Wachstum. Die Realisierung eines Familienhotels ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ich hoffe und wünsche mir, dass dies gelingt, weil das ein wichtiges Kundensegment ist. Kinder können bei uns Skifahren lernen und werden vielleicht als Erwachsene wieder hierher zurückkommen.

Das hat die Urner Politik bewegt

Landammann Roger Nager nimmt zu folgenden politischen Themen Stellung:

«Uri 18»: «Der Event war phänomenal. Es war einfach grossartig, was unsere Unternehmen gezeigt haben. Ich war erstaunt über die Vielfalt der Angebote. Wir hatten auch viele positive Rückmeldungen von ausserkantonalen Firmen und Gästen erhalten. Der grosse Besucheraufmarsch war sinnbildlich für den gelungenen Anlass.»

«Seerose»: «Für die einen ist es schade, dass die schwimmende Plattform aus dem Landschaftsbild verschwindet, andere begrüssen es. Schlussendlich war die Situation nicht mehr haltbar und deswegen war die Massnahme, die «Seerose» zu verschrotten, die richtige.» Grossraubtier-Initiative: «Wir werden sehen, wie die Urner Stimmbürger im Februar 2019 darüber befinden. Die Initianten haben ein Thema aufgegriffen, das in der Bevölkerung zu reden gibt. Der Regierungsrat ist der Meinung, dass es nichts nützt, eine eigene Grossraubtierpolitik in die Kantonsverfassung zu schreiben.

Wahlsystem: «Mit dem Entscheid des Nationalrats haben wir eine neue Ausgangslage. Der Regierungsrat ist optimistisch, dass das neue Wahlgesetz bei den Gesamterneuerungswahlen im März 2020 in Kraft ist.»

Skiarena Andermatt: «Der Weg bis zur Fertigstellung der Skigebietserweiterung war lang, doch der personelle und der finanzielle Aufwand haben sich definitiv gelohnt. Das letzte Puzzlestück der Skigebietsverbindung Andermatt-Sedrun, die Schneehüenerstock-Gondelbahn, bringt uns in eine andere Liga der Skigebiete. Es ist erfreulich, dass die Kosten und der Zeitplan bei der Realisierung eingehalten werden konnten. Ich bin überzeugt, dass die Region langfristig von diesem Projekt profitieren kann.»

Fall Walker: «Nun folgt die politische Aufarbeitung und wir werden uns mit den noch offenen Fragen auseinandersetzen. Eine externe Fachperson wird zudem die Rolle der Medien in diesem Fall hinterfragen. Irgendeinmal wird hoffentlich auch dieser Fall ad acta gelegt.» (pz)

Themenwechsel. Vor einem Jahr haben nicht viele daran geglaubt, dass am Alpbach im Erstfeldertal einst im grossen Stil Strom durch Wasserkraft gewonnen wird. Nun wurde 2018 eine Vision Wirklichkeit. Sind Sie stolz?

Ja, ich bin stolz auf das, was wir erreicht haben. Nicht aus dem Grund, weil ich das Geschäft erfolgreich im Landrat vertreten durfte. Wir sind dieses Jahr mit dem Ziel gestartet, das Unmögliche möglich zu machen. Wir wussten, dass wir alles daran setzen mussten, dass das Projekt realisiert wird. Alle mussten am gleichen Strick ziehen. Es war ein ausserordentlicher Effort nötig. Alle Parteien sind zusammen an einen Tisch gesessen und haben nach Lösungen gesucht. Dank der Kompromissfähigkeit aller Beteiligter sind wir ans Ziel gelangt.

Sie sind anfänglich auf erbitterten Widerstand gestossen.

Theoretisch hätten wir auch den ‹harten› Kurs fahren können, unabhängig davon, was die Gemeinde Erstfeld will. Rechtlich gesehen wäre das machbar gewesen. Doch mit Einsprachen und Verzögerungen wäre das Projekt «gegroundet». Erfreulich war, vor kurzem zu hören, dass der Bundesrat die vom Kanton Uri eingereichte Schutz- und Nutzungsplanung für die Wasserkraftnutzung am Alpbach genehmigt hat.

In den Schlagzeilen war der Kanton Uri dieses Jahr aber vor allem wegen Heidi Z’graggen. Was hat ihre Bundesratskandidatur Uri genutzt?

Für unseren Kanton war es eine Imagekampagne, die uns finanziell nichts gekostet hat. Uri war täglich in den Medien und in der Öffentlichkeit präsent.

Im kommenden Jahr stehen die eidgenössischen Wahlen an. Liebäugeln Sie mit einer Nationalrats- oder Ständeratskandidatur?

Sag niemals nie, aber momentan ist das kein Thema. Ich habe Politik nie geplant. In bin in den Andermatter Gemeinderat gekommen, wie die Jungfrau zum Kind. Nie hatte ich etwas mit Politik am Hut. Nun bin ich Landammann.

«In bin in den Andermatter Gemeinderat gekommen, wie die Jungfrau zum Kind.»

Und wenn nichts daraus wird: Treten wieder für den Regierungsrat an?

Falls mir die Gesundheit keinen Strich durch die Rechnung macht, und ich nach wie vor Spass an der Arbeit habe – wovon ich ausgehe – möchte ich meine Arbeit fortsetzen.

Was kommt nächstes Jahr auf den Kanton Uri zu?

Aus Sicht der Baudirektion steht mit dem Spatenstich des Neu- und Umbaus des Kantonspitals Uri ein grosses Ereignis an. Auch mit der Umsetzungsphase der West-Ost-Verbindung kann bald begonnen werden. Der Kantonsbahnhof nimmt ebenfalls einen hohen Stellenwert ein. Zwei weitere Grossbaustellen sind die Arbeiten für den zweiten Gotthardtunnel und die Sanierungsarbeiten am Axen. Uri hat für die Zukunft grossartige Perspektiven, das können sich andere Kantone nur wünschen. Wenn alle miteinander am gleichen Strick ziehen, ist alles möglich.

Worauf freuen Sie sich besonders im 2019?

Auf die unvorbereiteten Gespräche und Begegnungen mit der Bevölkerung. Ich staune immer wieder, wie anständig die Menschen sind gegenüber dem Regierungsrat, man nickt sich zu. Ab und zu wird man fast ehrfürchtig angeschaut, das ist schon speziell. Doch zuerst werde ich mir einen etwas reduzierten Betrieb gönnen und neue Energie auftanken.

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