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DAVID BOLLER: Comiczeichner haucht Tell neues Leben ein

Wilhelm Tell als Superheld? Diese Vision hat David Boller auf Papier gebannt. Eine kontroverse Diskussion darüber ist gemäss dem Zürcher Comiczeichner vorprogrammiert.
Die von David Boller geschaffene Tell-Figur. (Bild zVg)

Die von David Boller geschaffene Tell-Figur. (Bild zVg)

Die Schweiz im Jahr 2032: Finanzielle Krisen und Krieg haben das einst blühende Land an den Rand des Abgrunds gebracht. Die Kluft zwischen Arm und Reich hat sich so weit aufgetan, dass die Mehrheit der Bevölkerung in Armut und Elend lebt. Gewalt ist in den Zeltstädten im ausgetrockneten Zürichsee (siehe Panels am Artikelende) an der Tagesordnung – und die einzige politische Partei, die SPF (Schweizer Partei für Frieden) hat wenig Interesse, daran etwas zu ändern und dadurch ihre Machtstellung zu riskieren.

Eine Reinkarnation von Tell?
Eines Tages erscheint eine hünenhafte Figur, die unverwechselbare Ähnlichkeiten zum Schweizer Nationalsymbol Wilhelm Tell aufweist. Sie bekämpft die Verbrecher und Ausbeuter und scheint sich für das Volk einzusetzen, um Recht und Ordnung wieder herzustellen. Das gemeine Volk sieht sich erlöst und Patriotismus macht sich breit. Endlich gibt es einen Helden, der sich für die Schweiz einsetzt. Aber wer ist Tell wirklich? Und was sind seine Absichten?

Nationalheld als zerrissene Persönlichkeit
Soweit die Ausgangslage von David Bollers lang angekündetem Fortsetzungscomic «Tell – The Legend Returns», dessen erste vier Seiten nun vorliegen. Es handelt sich explizit um keine historische oder literarische Adaption, sondern um einen Super- respektive Antihelden-Comic in der Tradition der bedeutenden Werke «Der dunkle Ritter kehrt zurück» von Frank Miller oder «Watchmen» von Alan Moore, wie der Autor und Zeichner betont (Bild zVg).

Tell selber wird seinen ersten Auftritt erst auf Seite 6 haben, an deren Ausführung der in St. Gallen wohnende Boller gerade sitzt. Der 41-Jährige verfolgt mit «Tell» hochambitiöse Ziele: Die Story soll sich über drei Bände von je 64 Seiten erstrecken (Band 1 ist auf den Juni 2010 terminiert), die neuesten Seiten werden zunächst Woche für Woche online präsentiert – nach dem Prinzip etwa seiner gerade abgeschlossenen Graphic Novel «Bakuba und andere afrikanische Geschichten».

Visuell geradezu unschweizerisch
Inhaltlich lässt sich über die ersten Seiten, die noch auf ihre Kolorierung warten, noch nicht allzu viel sagen. Von grafischer Seite jedoch kann mit Blick auf das übrige Oeuvre des in Zürich aufgewachsenen Künstlers durchaus konstatieren, dass «Tell» visuell zum Besten gehören könnte, was ein Schweizer in realistischem Comicstil je zustande gebracht hat.

Das kommt nicht von ungefähr: David Boller hat in den 90er-Jahren die «Joe Kubert School of Graphics und Cartoon Art» in Dover, New Jersey, USA, absolviert. Nach dem Abschluss der Schule arbeitete er für viele der grossen Verlage wie Marvel, DC, Acclaim, Wildstorm, Top Cow und Warp Graphics. 1996 wurde Boller für den renommierten Eisner Award als vielversprechendes neues Talent nominiert.

Unverständnis befürchtet
Der im Jahr 2008 in die Schweiz Zurückgekehrte zweifelt daran, ob er mit «Tell» im eigenen Land verstanden wird: «Das wird kein Comic über Tell, der Katzen von den Bäumen rettet oder kleine Kinder vor dem Ertrinken bewahrt. Ich kann mir vorstellen, das viele Schweizer, die die Ironie und Satire hinter meinem Comic nicht verstehen, nicht sehr glücklich über meine Geschichte sein werden.»

Doppelmoral angeprangert
Darauf angesprochen, ob (trotz der Verlegung der Handlung in die Zukunft) nicht die Gefahr einer Verherrlichung von Tell besteht, meint Boller nur: «Verherrlichung nur im Sinne, dass eine solche Verherrlichung heutzutage auch den Tatsachen entspricht.» Gewalt werde toleriert und sogar dazu aufgerufen, wenn es um Patriotismus gehe. «Ich erkenne diesbezüglich eine absolut manipulative und schizophrene Grundhaltung in unserer Gesellschaft.»

Dave Schläpfer/Zisch


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