DAVID BOLLER: Tell als Superheld: Comic bleibt kostenlos

Der Comic «Tell» ist nun als Album erhältlich. Gleichzeitig kann dieser nach wie vor online in digitaler Form gratis abgerufen werden. Kein Problem, sagt Künstler David Boller.

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Rabiat: Tell tritt in David Bollers Comic gegen Gessler an. (Bild PD)

Rabiat: Tell tritt in David Bollers Comic gegen Gessler an. (Bild PD)

«Sämtliche ?Tell?-Seiten werden auf meiner Internetsite online bleiben», bestätigt Boller auf Anfrage. «Der Grund ist, dass das Leseerlebnis eines Buches ein ganz anderes ist und ich nicht glaube, dass wir Leser verlieren werden.» Das Konzept, seine Comics im Wochenturnus Seite für Seite sukzessive gratis online zu stellen, habe sich «definitiv ausgezahlt und scheint der richtige Weg zu sein», so der im st. gallischen Mogelsberg wohnhafte 42-jährige Künstler.

Als Trilogie konzipiert
Begonnen mit der Internet-Publikation von «Tell» hat Boller, der während mehrerer Jahre in den USA als Zeichner tätig war, vor rund einem Jahr. Nun liegt der Comic seiner Version des Schweizer Nationalhelden im Eigenverlag zusätzlich in Albumform vor (56 Seiten, 20 Franken), eine französische Übersetzung erscheint in den nächsten Wochen. Die Serie, die eine düsterne Reinkarnation des treffsicheren Altdorfer Armbrustschützen präsentiert und im Superhelden-Genre verortet werden kann, ist auf drei Bände angelegt.

Ob «Tell» an die vom Künstler selber genannten Vorbilder «Watchmen» oder «Die Rückkehr des Dunklen Ritters» (beides unbestrittene Comic-Klassiker) heranreicht, sei dahingestellt respektive darf in Frage gestellt werden. Auf jeden Fall ist klar, dass David Boller mit seinem halbrealistischen, anatomisch korrekten Stil und seinem Geschick für rasantes, massentaugliches Erzählen auf einem guten Niveau singulär in der Schweizer Comic-Landschaft dasteht. Gerade bei Actionszenen – etwa als Tell dem Superschurken Gessler gegenübersteht – kommt sein Talent am besten zum Vorschein. Übers Ganze gesehen ist Bollers Versuch, den alten Mythos um den sagenhaften Freiheitskämpfer in modernem Gewand wiederauferstehen und dabei auch kulturkritische Untertöne einfliessen zu lassen, jedenfalls auf innovative Art und Weise gelungen.

Walter kommt ins Spiel
Im Juni 2011 soll der zweite Band der online laufend weitergetriebenen Geschichte (Update jeweils freitags) erscheinen. Getreu dem Motto, dass ein ordentlicher Superheld einen Sidekick braucht, wird Tell dann ein treuer Gehilfe zur Seite gestellt, um im zu Grunde gerichteten Zürich der nicht allzufernen Zukunft für Ruhe und Ordnung zu sorgen: Walter! Ob man sich dementsprechend auf einen Apfelschuss ganz im Sinne der Legende freuen darf, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten erweisen...

Dave Schläpfer/Neue LZ