Denkmaltage thematisieren das alte und das neue Andermatt

Das Tourismusresort liefert Impulse und verändert auch das alte Andermatt. An der Eröffnung der Innerschweizer Denkmaltage gab es lobende und kritische Stimmen.

Markus Zwyssig
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Der Urner Denkmalpfleger greift angesichts der vielen Teilnehmer auf dem Rundgang für seine Ausführungen zum Megafon.

Der Urner Denkmalpfleger greift angesichts der vielen Teilnehmer auf dem Rundgang für seine Ausführungen zum Megafon.

Bild: Markus Zwyssig (Andermatt, 5. September 2020)

Andermatt bietet im Tourismusresort viel Neues und Modernes, aber im ursprünglichen Dorf immer noch einen historischen Kern. Die Eröffnung der Innnerschweizer Denkmaltage, welche am vergangenen Samstag in Andermatt stattfand, stiess auf grosses Interesse. Bei der Führung durch das «alte» Andermatt mussten die Teilnehmer am Vormittag aufgeteilt werden. Der Urner Denkmalpfleger Thomas Brunner griff auf dem Rundgang aber dennoch zum Megafon, um alle Teilnehmer zu erreichen. Mit dem Bau des Tourismusresorts setzte Samih Sawiris Impulse, die auch das bisherige Dorf verändert haben. Brunner machte auf dem Rundgang deutlich, welche Vielfalt man von alt und neu sehen kann, wenn man mit offenen Augen durch das Dorf geht.

Bei einem Podiumsgespräch in der voll besetzen Kantine Cucina Macolina auf dem Kasernenareal diskutierten nach dem Mittag die beiden Architekten Lando Rossmaier und Kurt Aellen, Talammann Beat Schmid und Thomas Brunner unter der Leitung von Kultur- und Architekturjournalistin Karin Salm.

«Die ursprünglichen Ideen wurden immer wieder verwässert»

Planung und Bau des Tourismusresorts Andermatt seien etwas, was man hierzulande bisher kaum je gesehen habe, sagte Kurt Aellen. «Die Ambitionen von Sawiris sind sehr hoch», so der Architekt. Das habe dazu geführt, dass das Grossprojekt und die idealistischen Vorstellungen Abstriche erlitten hätten. Lando Rossmaier zeigte sich zum Teil enttäuscht, über das, was entstanden ist. «Die ursprünglichen Ideen wurden immer wieder verwässert.» Wichtig sei bei einem solchen Grossprojekt, dass man sich immer wieder die Frage stelle, was man eigentlich bauen wolle.

Harsche Kritik, aber auch grosse Freude über den Aufschwung

Er sei ein wenig schockiert über das, was er im Resort gesehen habe, sagte ein Besucher des Podiums unumwunden. Er anerkenne zwar eine gewisse Qualität durchaus, aber Fassaden und Inhalte würden nicht stimmen. Zu gross sei auch das Luxushotel The Chedi. «Als Andermatter wäre ich stolz auf das Dorf, aber nicht stolz auf das, was jetzt entstanden ist.»

«Sawiris brachte den Aufschwung», sagt Justizdirektor Daniel Furrer.

«Sawiris brachte den Aufschwung», sagt Justizdirektor Daniel Furrer.

Bild: Markus Zwyssig (Andermatt, 5. September 2020)

Justizdirektor Daniel Furrer schaute ganz anders auf das Grossprojekt. «Mit dem Ende des kalten Kriegs hat die Armee begonnen, in der Gotthardregion massiv Arbeitsplätze abzubauen.» Immer mehr Urschner seien aus dem Tal abgewandert. Es habe sich eine eigentliche Abwärtsspirale in Gang gesetzt. «Seitdem der Ägypter Samih Sawiris hier ein Ferienresort baut, befindet sich Andermatt wieder im Aufschwung.» Das Sawiris-Projekt sorge weit herum für Aufsehen. «Der kooperative Planungsprozess gilt schweizweit als vorbildlich. Auch der Wettbewerb mit mehr als dreissig Architekturteams war städtebaulich wegweisend.»

Für den Urschner Talammann Beat Schmid war es ebenfalls «eine Entwicklung, die wir alle wollten». Er sei glücklich, dass touristisch und im Skigebiet wieder etwas laufe. Von den sehr hohen Investitionen hätten Unternehmer und Handwerker in der gesamten Innerschweiz profitiert. Es war eine positive Entwicklung und grossmehrheitlich steht man dahinter. «Bei einem Projekt von diesen Ausmassen gibt es immer etwas, was einem nicht gefällt.» Die Mehrheit war und sei aber positiv eingestellt.

Erhalten und Weiterbauen

Für Denkmalpfleger Brunner fehlt momentan noch der Bezug des Tourimusresorts zum eigentlichen Dorf: «Wir müssen wissen, wohin wir gehen wollen, im neuen Resort und im alten Kern.» Architekt Aellen zeigte auf, dass das Dorf und das Resort zwei verschiedene Dinge seien und nicht zusammenwachsen dürften. Die Diskussionen gehen weiter, ebenso beim Denkmalschutz, der im Spannungsfeld zwischen Erhalt und Weiterbauen steht, wie Daniel Furrer aufzeigte: «Denkmalschutz will nicht bloss einen bestehenden Zustand konservieren, sondern er soll auch eine qualitätsvolle Weiterentwicklung unserer Baukultur ermöglichen.»

Christoph Langenberg von Andermatt Swiss Alps erklärt den Besuchern das Modell des Tourismusresorts.

Christoph Langenberg von Andermatt Swiss Alps erklärt den Besuchern das Modell des Tourismusresorts.

Bild: Markus Zwyssig (Andermatt 5. September 2020)

Den Abschluss des Tages macht Christoph Langenberg, Leiter Planung und Entwicklung von Andermatt Swiss Alps. Er zeigte auf, wie das Resort entstanden ist immer noch weiter gebaut wird.

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